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Nachlese: Ein Zeichen der Dankbarkeit und Hoffnung

Schlesischer Gottesfreund 59. Jg. – Nr. 8 – Ausgabe August 2008 – S. 115

Nach 50 Jahren kehrten die alten Abendmahlsgeräte der Friedenskirche an ihren Stiftungsort zurück.

Andreas Neumann-Nochten

Am 29. Juni wurden während eines Festgottesdienstes in der Friedenskirche in Jauer die Abendmahlsgeräte, die bis 1958 hier in Gebrauch waren, an die heutige polnisch-lutherische Kirchengemeinde übergeben.

Im Vorfeld hatte diese Vorhaben bereits großes Interesse geweckt, wenn auch die diesbezügliche Berichterstattung nicht immer ganz korrekt vonstatten ging. So war in einer großen ostdeutschen Tageszeitung zu lesen: „ … jetzt bekommt die kleine evangelische Gemeinde (gemeint ist die der Friedenskirche) die Abendmahlsgeräte, die Ende der 50er Jahre nach Deutschland gelangten, zurück.“ Natürlich ist es nicht die Gemeinde die etwas zurückerhält, sondern der Ort. Aber diese sprachliche Ungenauigkeit ist eben auch ein guter Beleg dafür, wie behutsam nach wie vor mit der deutsch-polnischen Vergangenheit umgegangen werden muß und mit welchen Schwierigkeiten diese Auseinandersetzung behaftet ist.
Davon war allerdings am Nachmittag des 29. Junis wenig zu spüren. Die aus Deutschland zahlreich angereisten Gäste empfing ein strahlend heller Sonntagnachmittag. Neben dem Bundestagsabgeordneten und sächsischen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, dem ehemaligen brandenburgischen Landtagspräsidenten Herbert Knoblich, Vertretern der Familie von Richthofen und vielen ehemaligen Bewohnern von Jauer hatte auch eine große Zahl polnischer evangelischer Christen – nicht nur aus Jauer – den Weg hierher gefunden.
Die Tore der Friedenskirche waren weit geöffnet und forderten gleichsam die Ankömmlinge zum Eintritt auf.
Der Festgottesdienst fand unter der Leitung von Bischof Ryszard Bogusz, der auch die Predigt hielt, statt. Teil nahm auch der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland Martin Schindehütte. In seinem Grußwort verwies er darauf, daß die Rückkehr der „vasa sacra“ in die Friedenskirche Dankbarkeit und Hoffnung ausdrücke: „Wir sind dankbar dafür, daß in dieser Kirche und an diesem Ort weiterhin eine evangelische Gemeinde ihren Gottesdienst feiern kann ... Nach allem, was Menschen in Polen erleiden mußten: diejenigen, die 1939 zu den ersten Opfern des Zweiten Weltkriegs gehörten, und diejenigen, die nach 1945 seine letzten Opfer waren, ist es doch ein großes Geschenk, daß wir heute als Polen und als Deutsche miteinander das Abendmahl feiern dürfen“. Die Feier des Heiligen Abendmahls verdränge nicht, was in der Vergangenheit geschehen ist, ganz im Gegenteil: Zur Eucharistie gehört immer auch die Erinnerung an das Leiden und Sterben und die Auferweckung Jesu. Und darin und zugleich ist alles Leid eingeschlossen und gegenwärtig, das Menschen einander zufügten. Und alle Schuld, die wir Menschen auf uns laden, kann benannt und bekannt werden. Wie in der Auferweckung Gottes Versöhnung mit uns Menschen Wirklichkeit wird, so wird auch die Kraft zur Versöhnung wirksam. „Einig“ – so Martin Schindehütte weiter – „sind sich deutsche und polnische evangelische Christen darüber, daß die Übergabe der beiden kostbare Silberkelche, der Patene, der Oblatendose und eines kleines Kreuzes ein kirchen- und kulturpolitisch bemerkenswertes Ereignis ist. Seit dem zweiten Weltkrieg sei zwischen Polen und Deutschland das Eingeständnis von Schuld und die gegenseitige Gewährung von Vergebung konkret geworden. Dies habe Schritte zu Versöhnung und Frieden erst möglich gemacht. In den evangelischen Kirchen in Deutschland sei unvergessen, daß es prophetische Worte aus den Kirchen waren, und zwar aus der evangelischen und aus der katholischen Kirche, die vor gut 40 Jahren die Tür öffneten, um den Weg der Versöhnung zwischen Polen und Deutschland zu beschreiten. Voll Dankbarkeit und Respekt nehmen wir wahr, daß es gerade auch Menschen waren, die nach 1939 zu den Opfern der deutschen Aggression gehörten, und Menschen, die nach 1945 aus ihrer Heimat vertrieben wurden, die auf beiden Seiten Zeichen der Versöhnung gesetzt haben.“
Die Abendmahlsgeräte, deren ältestes Stück ein Abendmahlskelch ist – gestiftet 1743 von Gottlob Friedrich Freiherr von Richthofen – sind 1958 nach Auflösung der deutschen Gemeinde nach Berlin gebracht und dort im Zentralarchiv verwahrt worden. In Grußworten wurde an den abenteuerlichen Weg erinnert den die Gefäße nach dem Kriegsende nahmen, wie sie vor den anrückenden sowjet-russischen Truppen hinter Paneelen versteckt, wie sie lange Zeit in einem Schränkchen hinter dem Altar verwahrt und noch 1956 bei einer Hochzeit Verwendung fanden und wie sie schließlich 1958 versteckt unter Kindersachen nach Deutschland gebracht wurden. Daran erinnerte Landtagspräsident Herbert Knoblich. Der in Alt-Jauer geborene Knoblich schaltete sich seinerzeit auf Bitten der Familie von Richthofen in die Suche nach den Abendmahlgeräten ein.
Der Gottesdienst fand zweisprachig statt, so daß alle Besucher gleichermaßen am Geschehen beteiligt waren, währte dadurch aber knapp zwei Stunden.
Im Anschluß fand ein Empfang in den Räumlichkeiten des Museums statt. Der Bürgermeister der Stadt Jauer begrüßte mit kleinen Willkommensgeschenken wortreich die Honoratioren und hieß auch alle weiteren Anwesenden herzlich willkommen. In einem mit nur wenigen Vitrinen ausgestatteten Raum sind die zurückgeführten Abendmahlsgeräte für einige Zeit zu besichtigen, bevor sie in der Friedenskirche wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.

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