Vorstellung: Maria Döhler. "Mit guten Gaben dienen."
Maria Döhler ist neue Landesposaunenwartin für die schlesische Oberlausitz und Südbrandenburg.
Eigentlich mag sie den Klang der Posaune mehr. Trompete jedoch lernte Maria Döhler von Jugend an spielen. „Ein sehr anspruchsvolles Instrument. Du spielst mit hohem Luftdruck. Wir Blechbläser sind außer den Sängern die einzigen Musiker, die die Töne mit dem Körper erzeugen. Vielen Blechbläsern ist das gar nicht so bewusst“, meint die Neu-Görlitzerin. Seit Mai ist sie neue Landesposaunenwartin für die schlesische Oberlausitz und Südbrandenburg. Die 30jährige, studierte Orchestermusikerin und Musikpädagogin, folgt auf Bernd-Johannes Alter. Dieser engagierte sich 35 Jahre bis Februar 2009 als Landesposaunenwart. Maria Döhler will viel von ihm lernen.
In einer musikalischen Familie – im Glauben tief verwurzelt – wuchs sie in Dresden auf. Ihr großer Bruder Eckehard, von Beruf Krankenpfleger, spielt Trompete. Ihre Schwester Heide, Religionspädagogin, spielt Posaune. Auch Vater Gerhard Röder, von Beruf Konditormeister, spielt bis heute Posaune. Seit 1992 musiziert Tochter Maria eifrig mit. Sie spielte zunächst Trompete im Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Heilandskirche Dresden-Cotta. Leiter Dietmar Peters gab ihr das erste Rüstzeug mit. „Manchmal spielten meine Geschwister, mein Vater und ich zusammen Hausmusik“, erzählt Maria Döhler. „Feierlich war auch das Spielen bei den Gottesdiensten. Besonders zur Christvesper.“ Viel gaben ihr die Bläserfreizeiten der Sächsischen Posaunenmission. Hier traf sie auf Gleichaltrige. Hier entstanden Freundschaften.
Seit 1993 erfuhr Maria Döhler – wöchentlich nach der Schule – gezielte Förderung an der Landesmusikschule Dresden. Hier spürte sie die Einzigartigkeit des Instruments Trompete von neuem. „Die Trompete ist unglaublich vielseitig einsetzbar – im Posaunenchor, in der Big-Band, im Orchester. Es gibt viele Möglichkeiten“, meint die junge Frau. „So bist du motiviert zum Üben. Nur für sich allein übt keiner gern.“ Stark förderte Lehrer Peter Schumann die junge Trompeterin. Er regte später ihr Studium an. Maria Döhler absolvierte und meisterte es in der Hochschule für Musik und Theater Leipzig seit 1999 im Fach Orchestermusik und Musikpädagogik. Impulse gaben ihr dort vor allem die Lehrer Tobias Willner, heute Solotrompeter an der Staatskapelle Dresden, und Peter-Michael Krämer, Professor für Trompete, mit. „Ein sehr erfahrener Trompetenlehrer. Ein herausragender Methodiker. Mit einer Engelsgeduld“, meint Maria Döhler dankbar. „Wir haben gezielt an Stücken gearbeitet. Wir haben gezielt über die Fehler gesprochen und weiter geübt. Manchmal hatte er mehr Geduld als ich selbst …“
Während des Studiums unterrichtete Maria Döhler auch selbst Schüler. Das war unter anderem am Evangelischen Schulzentrum in Leipzig. Sie sah es als willkommene Praxis. Als guten Ausgleich zu den mitunter trockenen Methodik- und Psychologie-Vorlesungen. In Leipzig fand Maria Döhler auch Zugang zum übergemeindlichen Bläserkreis, einem Auswahlchor auf hohem Niveau. Hier spielte sie Trompete unter der Leitung von Arno Schulz und später Jörg-Michael Schlegel.
In der evangelisch-lutherischen Bethanien-Gemeinde in Leipzig-Schleußig fand sie auch ihre Heimat im Glauben. „In der Schwesterkirche – der Taborkirche – gab es einen Posaunenchor“, erinnert sie sich. „Dort habe ich eine Anfängergruppe unterrichtet.“ Wichtig war Maria Döhler vor allem die Bibelarbeit im Hauskreis der Leipziger Andreas-Gemeinde. „Glaube braucht Gemeinschaft zum Wachsen“, sagt sie nachdenklich. „Erst im gemeinsamen Gebet, im gemeinsamen Singen, Musizieren und Bibel-Lesen entfaltet sich Glaube. So wird Kirche persönlich. So wird Glaube wirklich erfahrbar. So wird Glaube im Alltag lebbar.“
2005 folgte für Maria Döhler ein künstlerisches Aufbaustudium mit dem Abschluss „Konzert-Examen“. Für einige Monate wirkte sie parallel dazu als Solo-Trompeterin am Theater Erfurt mit. Von Sommer 2006 bis zum Sommer 2009 war sie 2. Trompeterin am mdr-Sinfonieorchester Leipzig. Dies stärkte erneut ihre Praxis. Dies weitete ihren Horizont durch viele Auftritte. Sie führten bis nach Görlitz. Eben hier – in der Denkmalstadt Görlitz – stellt sie sich jetzt als Landesposaunenwartin einer neuen Herausforderung. 54 Chöre wird Maria Döhler in der Oberlausitz und in Südbrandenburg betreuen. Ihr Wirkungsbereich erstreckt sich über die vier Kirchenkreise Niederlausitz (vormals Finsterwalde und Lübben), Senftenberg-Spremberg, Hoyerswerda und Schlesische Oberlausitz. Hier will sie vor allem zu intensiver Nachwuchsarbeit motivieren. Erste Ansprechpartner sind stets die ehrenamtlichen Chorleiter vor Ort und die ehrenamtlichen Kreisposaunenwarte. „Instrumental-Unterricht sollte in den Chören stattfinden“, meint sie. „Ich will helfen, den Anfänger-Unterricht zu stärken. Hier muss über Konzepte gemeinsam mit den Chorleitern nachgedacht werden.“ Organisieren und leiten will sie auch Bläser-Freizeiten. Denn gerade diese motivieren die Anfänger und Fortgeschrittenen. Maria Döhler weiß das noch gut aus der eigenen Jugend. Als neue Landesposaunenwartin will sie auch Bläser-Gottesdienste, Konzerte und Seminare organisieren. Am Herzen liegt ihr die missionarische Bläserarbeit unter anderem in den Krankenhäusern. Gerade hier erreichen Posaunenchöre auch Nicht-Christen.
Ein wichtiger Termin für Maria Döhler ist der Landesposaunentag der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg / schlesische Oberlausitz am 5. September im Kloster Chorin. Hier soll sich die Oberlausitz / Südbrandenburg würdig einbringen. Langfristig will Maria Döhler auch auf den Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden hinarbeiten. Auch hier werden die Kreisposaunenwarte ihre ersten Ansprechpartner sein. „Ich will sie stärken und ermutigen“, unterstreicht sie. „Ich sehe mich selbst als Lernende.“ Ihr Taufspruch aus der Bibel (1 Petrus 4, 10) leitet sie dabei: „Ein jeglicher diene mit der Gabe, die er empfangen hat.“
Andreas Kirschke
