Der Superintendent
Interview mit Dr. Thomas Koppehl
Dr. Thomas Koppehl ist der Superintendent des
Kirchenkreises Niederschlesische Oberlausitz. Er wurde am 28.10.2007
in sein Amt eingeführt. Als wichtigstes Ziel seiner Arbeit möchte
er in der Gemeinschaft des Kirchenkreises die selbstverantwortliche
Präsenz der Gemeinden vor Ort stärken sowie lebendige
Gottesdienstkerne fördern. In seiner Heimatgemeinde Niesky wurde er
von der Redaktion des Gemeindeblattes um eine kurze Vorstellung mit
folgenden Fragen gebeten.
Stellen Sie sich bitte kurz vor:
Am 23.6.1957 wurde ich in Berlin geboren, bin in einem Pfarrhaus aufgewachsen, habe eine Berufsausbildung mit Abitur absolviert, wo ich Reifen wickeln gelernt habe, weil es nichts anderes gab; war 1 ½ Jahre bei der Armee, habe im Berliner Sprachenkonvikt Theologie studiert und als wichtigstes Ereignis dort meine Frau Angela kennen gelernt. Wir bekamen vier Kinder. Während dieser Zeit habe ich weitere fünf Jahre eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben. Dann sind wir nach Berlin-Köpenick gezogen. Dort war ich vier Jahre Gemeindepfarrer. Ein Anfrage lockte mich nach Wittenberg ins Predigerseminar, wo ich über 12 Jahre Dozent war, um junge Menschen auf den Pfarrdienst vorzubereiten.
Was sind Ihre Lieblingsbeschäftigungen?
Ich diskutiere gern mit Leuten, besonders meinen vier Kindern. Und ich lese gern ganz verschiedene Bücher von Adalbert Stifters „Nachsommer“ bis zu Henning Mankells Walanderkrimis.
Was müsste sofort verboten werden?
Mit Verboten erreicht man oft wenig. Aber Gewalttätiges, unbarmherziges Verhalten, wenn das verschwinden würde, das fände ich gut.
Gibt es jemanden, den Sie Ihr geistliches Vorbild nennen?
Ja. Karl Barth, den großen Theologen, durch dessen Schriften ich glauben gelernt habe, und Wolfgang Ullmann, meinen Lehrer in Kirchengeschichte am Sprachenkonvikt, der uns viele Türen aufgetan hat, durch die ich heute noch gehe und dabei immer noch neue entdecke.
Was ist Ihnen besonders wichtig an bzw. in unserer Gemeinde?
Besonders wichtig an unserer Gemeinde, die ich ja erst noch kennen lernen möchte, ist mir, dass es einen Ort auf Erden gibt, zu dem ich als Christ gehöre, wo ich Menschen treffe, mit denen ich vertrauensvoll und freundlich sprechen, gemeinsam beten und die Wunder des Wortes erleben darf.
Wenn Sie etwas mehr Zeit hätten, was würden Sie tun?
Ich weiß nicht, ob ich das verraten sollte, weil ich es schon in Wittenberg nicht geschafft habe. Irgendwann schreib ich noch mal ein Buch über das Anschauen von Bildern und das Verstehen von Texten. Vielleicht kann ich meine Frau auch dazu überreden.
Gibt es Erfahrungen, die Ihnen in Ihrem Leben besonders hilfreich waren?
Ganz viele. ZB: dass mein Vater in die Schule gegangen ist als ich im Physikunterricht Blödsinn angestellt und der Lehrer mich furchtbar beschimpft hatte oder dass ein Kollege mir gesagt hat, dass er meine letzte Predigt gut fand oder ein Freund sechs Wochen im Internet gesucht hat, um mir einen Gebrauchtwagen zu bestellen, der wirklich gut und günstig und für mich als Fahranfänger genau das Richtige wäre, wenn ich im Kirchenkreis umherfahre.
