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Vorstellung: Viele Stunden am Sterbebett

Christian Petran, evangelischer Pfarrer i. R., ist seit 2003 Seelsorger beim Christlichen Hospizdienst Görlitz. Er begleitet Sterbende, Schwerstkranke, Trauernde und deren Angehörige. Ines Eifler sprach mit ihm. (26.10.2005)


  Pfarrer i. R. Christian Petran

Herr Petran, Sie gehen zu Sterbenden, sitzen lange bei ihnen. Welche Aufgaben hat ein Theologe am Sterbebett?

Ich leiste jedem Beistand, der Hilfe und Trost eines Pfarrers benötigt, egal ob er getauft ist oder nicht. Unabhängig davon, ob er sich irgendwann von der Kirche gelöst hat und inwieweit er in seinem Leben kirchlichen Pflichten nachgekommen ist. Vor dem Tod brechen sehr häufig Glaubens- und Sinnfragen auf. Auch Erinnerungen kommen oft hoch, und die Anlehnung an den christlichen Glauben hilft. Auf Wunsch bekommt der Sterbende ein Krankenabendmahl oder kann beichten, aber es geschieht nur das, was er will. Für die meisten ist es am wichtigsten, dass einfach jemand da ist, viele Stunden.

Wie ist der Hospizdienst organisiert?

Wir sind ein Team von etwa 30 ehrenamtlichen, aber für den Hospizdienst ausgebildeten Helferinnen und Helfern. Das können Leute sein, die beruflich mit Pflege zu tun haben oder hatten. Aber es sind auch Menschen dabei, die vielleicht selber mal einen Angehörigen begleitet haben und sich zutrauen, diese Hilfe anderen zu geben. Wir sind ökumenisch, haben Christen jeder Konfession dabei, aber ebenso Leute ohne kirchliche Bindung, die dem Christentum nahe stehen. Genauso gibt es aber Helfer, die bewusst sagen: „Ich bin nicht religiös.“

Gehen Sie zu den Betroffenen nach Hause?

Meistens. Viel natürlich auch in Alten- und Pflegeheime, da sterben im Jahr zwischen 30 und 40 Menschen. Aber wir unterstützen beispielsweise auch im Carolus-Krankenhaus jene Fälle, wo die ärztliche Kunst an ihre Grenzen geraten ist und das Krankenhauspersonal nicht genügend Zeit für die Sterbebegleitung hat.

Sie helfen auch Trauernden, Angehörigen ...

Ja, wenn sie christlichen Beistand brauchen. Man muss über die Fragen von Schuld, Trauer, Versäumnissen sprechen. Wenn jemand die Trauerarbeit nicht abschließt, wachsen die Wunden nie wieder richtig zu, sondern schwären über Jahre.

Und Ihre eigenen Leute?

Genauso bin ich für unsere Helfer da, die ja großen seelischen Belastungen ausgesetzt sind. Die Betreuung Sterbender ist sehr anstrengend und geht schneller als üblich an die Substanz. Wenn man jemanden über Monate von Woche zu Woche begleitet und seine Leiden gesehen hat, ist natürlich ein Vertrauensverhältnis entstanden, und jeder Tod heißt auch Verlust.

Ist für die meisten Menschen der Tod noch immer ein Thema, dem sie sich lieber entziehen?

Der Tod ist eine schwer geschützte, ausgegrenzte Tabuzone. Für viele ist es nicht leicht, uns zu rufen, oft fehlt ihnen der Mut. Die meisten denken immer noch, wenn der Pfarrer kommt, ist es aus, steht das Ende bevor.

Wie kommt man dagegen an?

Wir bieten Veranstaltungen, stille Konzerte, Lesungen oder Vorträge, zu allgemeineren, angrenzenden Themen an, damit die Leute sich dem Tod langsam nähern können. Wir gehen auch in Schulen, zu Studenten, sprechen mit Zivildienstlern. Gerade die jungen Leute lassen sich meist sehr berühren und mitnehmen. Insgesamt aber ist noch einiges zu leisten, bis die Menschen den Tod als Teil ihres Lebens verstehen.

 


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