Vorstellung: Seelsorge in Notfällen
Frank Hirschmann, Pfarrer in den Evangelischen Kirchgemeinden Kroppen und Frauendorf, ist seit zehn Jahren einer der Notfallseelsorger im Gebiet des heutigen Sprengels Görlitz. Ines Eifler sprach mit ihm. (12.10.2005)
Pfarrer Frank Hirschmann
In Hoyerswerda und im NOL-Kreis gibt es Teams von je knapp zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern für die seelische Betreuung von Notfallopfern. In welchen Fällen werden Notfallseelsorger gebraucht?
Bei Katastropheneinsätzen, Bränden, Unfällen und Evakuierungen werden Notfallseelsorger herangezogen. Wenn ein Rettungsdienst gerufen wird, fahren wir mit zum Einsatz, falls man uns benachrichtigt. Wir leisten Hilfe vor Ort, betreuen Leute, die Schocks oder Verletzungen erlitten haben, oder gehen mit, die Polizei eine Todesnachricht zu überbringen hat. Bei besonders schweren Fällen ist sie grundsätzlich dankbar, wenn sie nicht alleine gehen muss.
Was sind „schwere Fälle“?
Selbstmord etwa oder der Tod von Kindern, oder wenn zum Beispiel mehrere betroffen sind, die zusammen einen Unfall hatten. Besonders schlimm ist der plötzliche Kindstod. Da er keine natürliche Todesursache hat, muss da die Kriminalpolizei gerufen werden. Die Befragung belastet die Eltern noch mehr als der Schock, dass ihr Kind nicht mehr lebt, und ihr Schuldgefühl wird größer. Dies aufzufangen und ihnen die Last ein wenig zu erleichtern und helfen, Abschied zu nehmen, dazu ist der Seelsorger da.
Worauf kommt es in ihrer Arbeit besonders an?
Wir können länger bei den Betroffenen bleiben, mit ihnen sprechen oder einfach nur da sein. Ihnen eine Stütze sein und auch in Fragen weiterhelfen, was als nächstes zu tun ist. Polizei und Rettungsdienstpersonal sind eher für die sachlichen Dinge verantwortlich und gehen, sobald sie ihre Arbeit beendet haben. Wir nehmen uns bis zu zwei Stunden Zeit und begleiten die Betroffenen auf dem Weg zur Trauer. Dazu ist eine gewisse Routine nötig, aber es darf auch nicht schematisch sein.
Sind die Notfallseelsorger speziell ausgebildet und wie?
Ja, die einwöchige Grundausbildung und die aufbauenden Kurse müssen sein. Zunächst sollte man wissen, ob man für diese Arbeit geeignet ist, ob man so stark ist, auch bei schockierenden Erlebnissen die Distanz zu wahren und diese Souveränität und Kraft auch an andere weiterzugeben. Die Fähigkeit, sich mit der nötigen Sensibilität auf Situationen und Reaktionen einzustellen, ist sehr wichtig. Man muss die eigenen Grenzen kennen und wissen, wie man sich im Team mit Feuerwehr, Polizei und medizinischem Personal praktisch verhalten soll, wer welche Kompetenzen hat und sie wann einsetzt.
Wie alt sollte man sein, wenn man in diesem Bereich tätig sein will?
Nicht zu jung, denn man sollte eine stabile, ausgereifte Persönlichkeit haben. Aber wer sich eignet, ist es schon ab einem Alter von 25 Jahren.
Sind Sie auch für die Einsatzkräfte da?
Ja, gerade bei sehr belastenden Einsätzen, vielen Toten und besondern wenn Kinder sterben, geben wir den Beteiligten Helfern seelsorgerische Unterstützung.
Und wer berät Sie?
Wir haben regelmäßig Gruppengespräche und laden Supervisoren ein, die helfen, schwierige Fälle aufzuarbeiten und Blockaden zu lösen.
