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Kinder: Kindertagesstätte „Samenkorn“ fährt in den Wald

Die KiTa der Nieskyer Diakonissenanstalt Emmaus unternimmt einen Ausflug in die Natur. (14.06.2006)

Ringsum Wald, am Rande Farn und dichtes Grün, ein Specht pickt am Baum, doch auf dem Weg läuft eine bunte Gruppe kleiner Leute in Regenjacken und Gummistiefeln.

Das erste Kind platscht in die Pfütze, ein zweites rennt ein paar Meter voraus, ein drittes sammelt Mistkäfer in seine Mütze, hält das schwarz glänzende Insekt hoch und fragt, „Conny? Kann man daran sterben?“ „Nein, der tut dir nichts, frag doch Herrn Biberstein“, gibt die KiTa-Leiterin Cornelia Ernst dem Fünfjährigen zur Antwort. Gesagt getan, doch Naturschützer Horst Biberstein sagt auch, „der ist nicht gefährlich“, will dem Jungen ein Schraubglas geben. Der aber trägt den Käfer lieber stolz in der Hand bis zur nächsten Weggabelung, wo es schon wieder etwas Neues zu sehen gibt.

„Einmal im Jahr fahren wir mit den Kindergartenkindern für eine Sommerwoche in den Nieskyer Wald“, erzählt Conny Ernst, „und Herr Biberstein zeigt ihnen, was man hier alles entdecken kann.“ Der Rentner kennt sich aus in der Gegend, „früher, 25 Jahre lang war ich Forstfacharbeiter“, sagt er und rückt sich den grünen Försterhut gerade, „besonders weil einer meiner Enkel dabei ist, unternehme ich die Waldführungen mit den Kindern sehr gern.“

Horst Biberstein zieht einen Ast zu sich herab, „seht mal, die Blätter sind dicht eingerollt.“ „Warum, warum“, rufen ein paar Neugierige durcheinander, recken die Hälse und schubsen den, der ganz vorne steht und das meiste sieht. „Wir Forstleute nennen das den grünen Eichenwickler“, sagt der Naturschützer, als die Kinder stille sind, „das ist eine Raupe, die sich durch das frische Laub frisst.“ Wieder kommt Unruhe auf, doch Biberstein bringt sie zum Überlegen, „und wer sorgt dafür, dass es nicht zu viele werden? Was haben wir vorhin auf dem großen Haufen gesehen?“ Dass Ameisen auch auf Bäume klettern und Schädlinge fressen, ist auch Conny Ernst neu, zumindest gibt sie das hier vor.

Für die Kinder gehört die Erfahrung Natur dazu. Denn die Kindertagesstätte der Diakonissenanstalt Emmaus arbeitet nach dem Lebensbezogenen Ansatz von Norbert Huppertz. „Zum Beispiel unternehmen wir regelmäßig Ausflüge in Betriebe und Firmen, wo die Eltern arbeiten“, erzählt die KiTa-Leiterin, „um den Kindern zu zeigen, was dahinter steckt und was die Erwachsenen so treiben.“ Außer im Sommer gehen sie in die Sauna, auf dem KiTa-Gelände gibt es einen Abenteuerspielplatz mit Bergen und Tunneln, und in einem Hochbeet pflanzen die Kinder selber Salat und Kräuter an, schließlich heißt die Einrichtung nicht umsonst „Samenkorn“.

Die Waldwoche aber ist etwas Besonderes. Denn hier passiert ausnahmslos alles im Freien, das große Zelt auf einer Lichtung ist nur für den strömenden Regen gedacht. Auch Frühstück und Mittagessen gibt es draußen, auf Isomatten und vom Schoß, und den Kuchen, den die Mütter der Kinder für den Nachmittag backen, essen alle aus der Hand.

Bevor es den aber gibt, setzt die Gruppe ihren Weg fort, lernt Meisen und Amseln erkennen, hört den Kuckuck rufen und die Warnung, dass Zecken gefährlich sind. Die Illusion einer unberührten Natur versucht Horst Biberstein gar nicht erst zu erwecken. „Was haben wir denn da?“, fragt er und zieht mit einem Stöckchen den halbzergangenen, noch schimmernden Rest eines Mickeymouse-Luftballons aus dem Gras. Und so erfahren die Kinder auch, dass man nichts herumwerfen, sondern den Wald achten soll. Aber das wissen sie längst.

Ines Eifler

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