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Kinder: Der Kinderkreis Vierkirchen

Die beiden KiTas in Melaune und Arnsdorf sind zugleich kommunal und kirchlich, sie wachsen zusammen und sind wichtiger Bestandteil des dörflichen Lebens. (17.05.2006)

„Wir feiern gern und laden ein“, heißt es in den beiden Kindertagesstätten des Kinderkreises Vierkirchen in Melaune und Arnsdorf. Denn wenn der Frühling kommt, gibt es ein großes Fest, und auch wenn Martinstag, Ostern, Weihnachten oder Fasching nahen, dann feiern die fast 90 Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder nicht allein. Sondern alle Leute aus den umliegenden Dörfern in den Königshainer Bergen, alle Eltern, Freunde und Geschwister, Onkels und Tanten, Großmütter und Großväter sind dabei.

Es war etwas Besonderes, als sich Ende der 90er Jahre die Evangelische Kirchengemeinde Arnsdorf, die Gemeinde Vierkirchen, der Landfrauenverein Melaune, der Sportverein Arnsdorf-Hilbersdorf und der Verein für Kirchenbau- und Dorfgeschichte Arnsdorf-Hilbersdorf Tiemendorf sowie Privatpersonen zusammentaten und die beiden Kindertagesstätten in freie Trägerschaft übernahmen. Dass sich mehrere Dörfer, Kirche und Kommune, Christen und Nichtchristen zu diesem Zweck verbinden, war damals etwas Neues. Auch dass zwei KiTas unterm Dach eines solch bunt gemixten Trägers eng zusammengehören, kommt äußerst selten vor.

Das Dörflich-Ländliche erhalten, den Kindern beibringen, wie gut es ist, für andere da zu sein, lieber gemeinsam statt jeder für sich – das sind ein paar der Grundsätze, um die es in den Einrichtungen des Kinderkreises geht. Weil hier die Grenzen zwischen Orten, Generationen, Religionen, Weltanschauungen und Interessen überschritten werden, haben die Kinderkreis-Kinder mehr als anderswo an verschiedenen Lebenswelten Anteil und gestalten das Geschehen in den Gemeinden aktiv mit.

„Kommt ihr dann auch zu mir singen?“, freuen sich schon die Alten im Dorf, denn es ist üblich, dass die Kinder immer, wenn jemand 70, 80, 90 Jahre alt wird oder einen noch höheren Geburtstag feiert, für ein Ständchen zu Besuch kommen. Es gibt Familienausflüge, an denen die Kinder beider Einrichtungen mitsamt Eltern und Geschwistern teilnehmen. Die Landfrauen zeigen, wie man strickt, bäckt, kocht und näht, und auf Bauernhöfen lernen die Kinder Kälbchen und Küken kennen.

Sabine Lätsch, die beide Häuser leitet, ist sehr froh, zu sehen, wie sie immer mehr zusammenwachsen, auch wenn ein paar Kilometer Weges dazwischen liegen. Gerade die Musik verbindet die KiTas, denn zu den Angeboten für alle Kinder, altersunabhängig, gehört nicht nur die musikalische Frühausbildung. Mit Gitarre, Flöte und Liederbuch fährt jemand hin und her, ist jeweils alle zwei Wochen zu Gast, um mit den Kindern in jeder KiTa ein und dasselbe Liedgut einzuüben. Wenn sie dann bei ihren Festen ein Programm gestalten, tun sie das gemeinsam und singen sie die gleichen Lieder, egal, ob sie zum Melauner oder Arnsdorfer Haus gehören.

Auch die Religion habe einen hohen Stellenwert, sagt Sabine Lätsch, obwohl nur jedes dritte Kind aus christlichem Elternhaus komme. Wenn Pfarrer Andreas Fünfstück einmal im Monat einen Morgenkreis gestaltet, freuen sich schon immer alle darauf, erzählt die KiTa-Leiterin. „Er hält dann immer Überraschungen bereit, bringt vielleicht einen geheimnisvollen Koffer mit oder denkt sich etwas anderes Spannendes aus, um religiöse Inhalte zu vermitteln.“

Einige nicht konfessionell gebundene Eltern seien zunächst skeptisch gewesen vor der Entscheidung, ihr Kind in eine teils evangelische KiTa zu geben, doch dann hätten sie von anderen gehört, „das musst du dir unbedingt ansehen, da ist es ganz, ganz schön“, erzählt Sabine Lätsch. Und nun seien sie froh, ihre Kinder in der Obhut des Kinderkreises Vierkirchen zu wissen.

Auch wenn ein Kind oder eins seiner Geschwister getauft wird, sind die Kinderkreis-Kinder daran beteiligt. Dann gestalten sie nämlich den Gottesdienst mit, gießen gemeinsam das Taufwasser ein, und natürlich singen sie. Sogar ein paar nichtchristliche Kinder haben sich inzwischen taufen lassen. „Die Eltern wollten das so, weil sie spürten, dass es ihren Kindern gut tut, wenn wir sie mit dem Glauben vertraut machen“, sagt Sabine Lätsch. „Zumal sie ja hier zu nichts gezwungen werden. Jeder kann frei entscheiden, inwieweit er religiöse Angebote wahrnimmt.“

Am 24. Mai lädt der Kinderkreis Vierkirchen zum Frühlingsfest auf den Arnsdorfer Spielplatz ein.

Ines Eifler

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