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Kinder: Das „Kinderhaus Arche“

Das „Kinderhaus Arche“ vom Martinshof Rothenburg Diakoniewerk verändert sich. Bevor die Kindertagesstätte ihr neues Konzept umsetzt, feiert sie ihren 40. Geburtstag. (10.05.2006)

Ganz wie es zu einer Arche passt, gibt es den Bienenkorb, eine Schäfchenweide, die Hasenheide, einen Froschteich und das Schwalbennest im „Evangelischen Kinderhaus Arche“. So heißen die Gruppen mit den insgesamt rund 70 Kindern im Krippen-, Kindergarten oder Hortalter, von denen die Hälfte ohne Konfession und drei Integrativkinder sind.

Die Drei- bis Sechsjährigen, also die Frösche, Hasen und Schäfchen, erleben heute etwas Aufregendes beim Morgenkreis. Denn Emma, die bald in die Schule kommt, erzählt den anderen, wie sich ihr Leben in den vergangenen drei Monaten verändert hat. „Ich sing dem Friedrich immer Lieder vor, die ich im Kindergarten gelernt hab, oder spiel Flöte. Dann lacht er und macht Geräusche, und zum Mittagsschlaf kommt er in mein Bett.“ Von ihrem neuen kleinen Bruder spricht die Sechsjährige. Der liegt auf einer Decke zwischen 25 Kindern, lässt sich anfassen und bestaunen. Ein Mädchen versucht ihm den Schnuller wegzunehmen, ein anderes zupft an seinem Hemdchen herum, ein Junge wackelt an einem Wollschuh und ist überrascht, was für ein kleiner Fuß darin steckt. Und Emma streicht Friedrich immer wieder über das Gesicht, stolz darauf, große Schwester zu sein. Ihre Mutter erklärt allen, was es heißt, ein Baby zu bekommen, dass man es stillen muss, damit es wächst und gesund bleibt, dass es viel schläft, wann es laufen und wann sprechen lernt.

„Das machen wir immer gern“, erzählt die „Arche“-Leiterin Catrin Schulz. „Wenn einem unserer Kinder ein Bruder oder eine Schwester geboren wird, dann laden wir die junge Mutter mit dem Säugling hierher ein.“ Das gehört im weitsten Sinn zum Thema Zeit, mit dem sich die Kindergartengruppen gerade beschäftigen: Wie verändert sich alles im Jahresverlauf, wie misst man Zeit, warum gibt es Früher und Heute, wozu vergeht Zeit überhaupt. Dass sie alle selbst mal so klein waren, weiß zwar keiner mehr, doch an den kleinen Geschwistern sehen sie es und lernen viel dabei.

Ums Lernen, den Spaß daran, die Neugier und wie man diese am besten einsetzt, um die Kinder zu fordern und zu fördern, darum geht es auch im zukünftigen Konzept des Kinderhauses. Gerade wird es entwickelt, die Leiterin will es noch in diesem Jahr umsetzen. Waren bisher die Kleinen zwischen eins und drei in einer eigenen Gruppe, die Größeren aber auf drei „altersgemischte“ verteilt, so will sie nun wieder zu Gruppen mit Kindern gleichen Alters übergehen. Das bedeutet keine Absonderung. „Doch wir können die Kinder dann besser beobachten und begleiten, um die optimale Lernumgebung für ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse zu schaffen.“

In offenen Angeboten, aus denen alle Kinder frei wählen können, mischen sich dann die Gruppen wieder. Eine Kreativwerkstatt stellt man sich vor, in der die Größeren kneten, malen, basteln und werkeln, „und die Jüngeren können da schon mal probieren, wie sich Knete anfühlt oder Papier reißen lässt.“ Für den Geist, zum Lernen, wie Leben verläuft, dienen Projekte wie das zum Thema Zeit oder auch die Stunden, in denen Bibelgeschichten erzählt und besprochen werden. Musik- und Ruhezonen sollen entstehen und solche, in denen alle Kinder frei spielen können. Die Arche will weg von kleinen Gruppenräumen hin zur Begegnung. Die ganze Etage sollen die Kinder ganz nach ihren Interessen nutzen. „Sie sind die Macher, sollen sich selbstständig Gedanken machen, und die Erzieherinnen helfen ihnen dabei“, sagt Catrin Schulz.

Zum Lernen gehört auch eine Vorschulgruppe für die künftigen Schulanfänger – „damit sie keine Angst davor haben und sich schon mal an Lernsituationen gewöhnen können.“ Wenn es dann soweit ist und die Schule den Alltag der Kinder bestimmt, ist die Arche aber nicht aus der Welt. Das „Schwalbennest“ ist die Hortgruppe für all die Grundschüler, die noch nicht ganz so flügge sind und gern in vertrauter Umgebung bleiben.

Vom 6. bis 11. Juni begeht die Kindereinrichtung des Martinshofs ihren 40. Geburtstag mit einer Festwoche. Jeden Nachmittag wird gefeiert, der Donnerstag ist zugleich „Tag der offenen Tür“, und am Sonnabend führen Kinder und Eltern ein Stück nach dem Namen des Kinderhauses auf, „Die Arche“.

Ines Eifler

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