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Diakonie: Die Sozialstation Niesky setzt auf regionale Tradition

Über die Hauskrankenpflege hinaus nimmt die Sozialstation Niesky Patienten zur Kurzzeitpflege auf. (14.12.2005)

Früher fuhren die Gemeindeschwestern über die Dörfer rund um Niesky. Sie besuchten Kranke und Alte zuhause, waren vertraut mit den Leuten in der Region. Nach der Wende, als es das in der Form nicht mehr gab, brach aber nichts ein, sondern der Verein Diakonie-Sozialstation Niesky gründete sich und übernahm diese Aufgaben der Fürsorge und Nächstenliebe.

Geht man heute durch die modernen Räume des flachen Baus in der ländlichen Stadt, begegnet man Menschen, die sich hier wohl aufgehoben fühlen. 1991 begannen vier Schwestern ihren Dienst, inzwischen arbeiten hier insgesamt etwa 50 Leute. Viele davon sind täglich unterwegs, um etwa 170 Personen zwischen Rothenburg und Gebelzig, Niesky und Kaltwasser zu betreuen.

Seit fast drei Jahren ist die Sozialstation nicht nur für Hauskrankenpflege und Behindertenfahrten da, sondern nimmt Patienten zur „Kurzzeitpflege“ auf, etwa zur allmählichen Genesung nach Krankenhausaufenthalten, wenn die Pflege im familiären Kreis nicht gewährleistet werden kann oder bevor jemand ins Pflegeheim geht, aber noch kein Platz frei ist.

Andere Patienten sind regelmäßige Gäste. Indem die Sozialstation maximal vier Wochen lang Leute mit Pflegestufe aufnimmt, ermöglicht sie es Familien mit einem Pflegefall zuhause, ein paar Wochen Urlaub davon zu nehmen. „Es gibt Leute, die sind völlig ausgebrannt und erledigt, weil sie seit vielen Jahren keinen einzigen Tag Pause hatten“, erzählt Christoph Linke, der das Haus seit 2003 leitet, „und die können sich ein wenig erholen, wenn ihre Angehörigen eine Weile bei uns betreut werden“.

Die soziale Idee und der Anspruch diakonischen Wirkens, denen sich die Sozialstation verschrieben hat, sind traditionell verankert in der Region. Im Eingang des Hauses verweisen deshalb ein Bild, einige Notenzeilen und religiöse Worte auf die Fürstin und Dichterin Eleonore Reuß, die von 1835 bis 1903 lebte. Als Gattin des Herrn vom Gut Jänkendorf, Heinrichs LXXIV., engagierte sie sich für die Einrichtung von Kindergarten, Schwesternstation, Schwangerschaftsbetreuung und eine Suppenküche.

Die regionale Anbindung ist auch in der Nieskyer Sozialstation spürbar und den Leuten wichtig. „Wir wollen jede Anonymität vermeiden“, sagt Linke. So haben die zwölf Patientenzimmer keine Nummern, sondern sind mit Bildern von den umliegenden Kirchengemeinden „beschildert“, die eine Spremberger Glaskünstlerin mit viel Liebe gemalt hat. „Zimmer Gebelzig“ gibt es da oder „Diehsa“ und eben das Reußsche „Jänkendorf“.

Ines Eifler

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