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Diakonie: Bethanien - Gründerzeitcharme und Draht zur Welt

Seit 140 Jahr besteht das Altenpflegeheim Bethanien in Görlitz (26.02.2007)

Sehen Sie, Schwester Ingrid, wie schön die Pflanze hier gedeiht!“, sagt eine 85-Jährige in Mantel und Hut, die gerade aus dem Fahrstuhl im Haus Bethanien steigt. „So ist es hier gleich noch viel freundlicher.“ Ingrid Junghanns, die Pflegedienstleiterin des Altenheims, hält ein Schwätzchen mit der Rentnerin, die sich des Blumengießens angenommen hat, und begleitet sie durch den lichten Flur bis hin zur Tür. Die Heimbewohnerin beginnt ihren Mittagsspaziergang in die nahe Görlitzer Innenstadt, die ihr schon seit der Jugendzeit vertraut ist. „Wir legen besonderen Wert darauf, dass sich die alten Menschen bei uns so wohl fühlen wie möglich und keinerlei Einschränkungen gegenüber ihrem früheren Leben hinnehmen müssen“, erzählt Ingrid Junghanns, die das berühmte Altenpflegeheim der Stiftung Diakonie Görlitz seit 2002 leitet.

Das Bethanien ist eines der traditionsreichsten Häuser seiner Art in der Stadt. Schon 140 Jahre liegt es zurück, dass zwei Diakonissen aus dem Berliner Mutterhaus hier mit der Pflege von Alten und Kranken begannen. Im Januar 1867 nahmen sie in der Görlitzer Landeskronstraße ihre Arbeit auf. Doch die dafür angemieteten Räume wurden bald zu klein, weil die Aufgaben wuchsen – eine Strickschule kam hinzu, Kinderpflege, -garten und später -heim, ein Wohlfahrtshaus entstand. Man kaufte Land gleich in der Nähe, legte den Grundstein, und vor 120 Jahren wurde das neue Haus Bethanien eingeweiht. Wiederum etwas später kam der große Nachbarbau dazu, um den Kindern mehr Platz einzuräumen. Heute gehören drei Häuser zu dieser wichtigen Diakonie-Adresse Bethanien: das Altersheim, die Kindertagesstätte und eine Einrichtung für seniorengerechtes betreutes Wohnen.

„Mit unseren 36 Plätzen sind wir ein recht kleines Altenpflegeheim“, sagt Ingrid Junghanns, „aber dafür sehr familiär.“ Zuwendung, Zeit und Zärtlichkeit haben sich die Mitarbeiter zu ihren Grundsätzen erklärt, und fürs Wohlbefinden der alten Menschen bietet Bethanien eine Menge. Ein kleiner Garten und zwei Sonnenterrassen führen nach draußen, die Flure sind gerade so lang, dass sich keiner verlaufen kann, und von zwei Wintergärten zur Straße hin sieht man von Weitem schon, ob Besuch kommt. In jeder Etage gibt’s ein extragroßes Pflegebad mit Lift, und fast alle wohnen in Einzelzimmern. Obwohl das Gebäude Anfang des Jahrzehnts für neuen Komfort gänzlich umgebaut wurde, findet man hier noch immer den Charme eines Gründerzeithauses wieder. Die hohen Türen mit den altertümlichen Klinken, einige historische Möbel und ein altes Klavier lassen so manchen vergessen, dass inzwischen eine andere Zeit angebrochen ist. Die älteste Bewohnerin ist 101 Jahr alt, doch wenn sie beim gemeinsamen Essen im Speiseraum sitzt, schlägt da eine hohe hölzerne Standuhr, die in ihrer Jugend eine moderne war.

„In den Zimmern haben wir zwar einige feste Einrichtungsgegenstände wie Pflegebett und Nachtschrank, aber alles andere können die Leute natürlich mitbringen“, erklärt die Pflegeleiterin. Eines aber erinnert nicht an die Vergangenheit, sondern ist höchstmodern: der Senioren-PC in der Cafeteria. Daran können die Bewohner sowohl Aktivierungsübungen gegen Demenzerscheinungen machen, kleine Spiele spielen oder ins Internet gehen. Doch der PC hat noch einen anderen Effekt. „Seit einiger Zeit laden wir die Kinder von nebenan zu uns ein“, erzählt Schwester Ingrid vom Kontakt zur Bethanien-Kita. Weil die Fünfjähriger so spielend mit dem Computer umgingen, dächten die Senioren: „Was die können, schaff ich auch“, lernten schneller mit Tasten und Bildschirm umzugehen und schlössen die Kinder gleich mit in ihr Herz. Gerade Frauen, sie mit allem Technischen auf Kriegsfuß stehen, fänden so einen Weg in die moderne Welt.

Die Verbindung zwischen allen drei Häusern und den Generationen ist im Bethanien ohnehin sehr wichtig. Dreimal im Jahr feiern die Altenpflegeheimbewohner, die betreuten Senioren und die Kinder gemeinsame Feste. „So lernen die Jüngsten etwas für die Ältesten tun, die freuen sich übers Programm und denken an ihre oft weit entfernten Enkel oder Urenkel“, sagt Ingrid Junghanns, „und die betreut Wohnenden können sich schon mal mit dem Heim vertraut machen, falls sie später mal hier einziehen möchten.“

Ines Eifler

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