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Vorstellung: Anne Ellmann wird am 10.10.10 als Pfarrerin von Rietschen und Daubitz eingeführt

Als sie vor 34 Jahren geboren wurde, war nicht damit zu rechnen, dass aus ihr mal eine Pfarrerin wird. Da sind Schauspieler, Theaterleute, Anwälte und Politiker unter ihren Vorfahren, auch Menschen aus dem sozialen Zweig oder Handwerker. Aber als Pfarrerin ist die gebürtige Berlinerin die Erste in ihrem „Clan“. Die Familie amüsiert Anne Ellmann, die lacht, während sie schneller spricht als Regine Hildebrand und genauso berlinert. „Bei uns is allet bunt jemischt und jeder respektiert den anderen“.

Von Bettina Ernst-Bertram

Als sie drei war, hinter der Mauer, hatten ihre Eltern sich taufen lassen, und die beiden älteren Geschwister und Anne gleich hinterher. Die Eltern waren keine Traditionalisten im Glauben, sondern hatten sich sehr bewusst und suchend fürs Christentum entschieden. 

Gleichfalls sehr bewusst und entschlossen packten die Eltern 1985 im Osten ihre Koffer, als der Bildungsweg von Annes größerem Bruder geknickt wurde. Denn er verweigerte die vormilitärische Ausbildung. Die Familie wanderte von Ost- nach Westberlin aus. Da war Anne neun. Mit dreizehn fühlte sie den Ruf des HERRN, mit 15 entschied sie, dass ihr Weg zur Verkündigung über das Theologiestudium führen sollte. Sie studierte nach dem Abitur in Halle an der Saale und an der Humboldt-Universität in Berlin. Bis 2004. Sie brachte währenddessen viel Zeit in einer katholischen Gemeinde zu, diese Art von Frömmigkeit sprach sie an. „Von den Franziskanern hab ich mir abgekuckt, Gottesdienste zu feiern. Ich glaube, diese Atmosphäre gefällt auch hier den Leuten. Der Gottesdienst ist wie die Sicherungsleine für die nächste Woche“, sagt Ellmann. Die Liturgie der Osternacht singt sie von Anfang bis Ende. Bis auf letztes Osterfest. Da war gerade ihr Kind geboren. 

Ein Unterschied zu Berlin? „Die Familienfreundlichkeit!“ Sie sei „bald aus den Schuhen gefallen“, als sie allerorten von Männern und Frauen zu ihrer Schwangerschaft beglückwünscht wurde, anstatt Stirnrunzeln über die organisatorische Herausforderung durch den beruflichen Ausfall auszulösen. Das rührt sie. „Familie ist hier etwas ganz Wertvolles.“ Auch die selbstgemachte Hektik der Großstadt fällt weg. Viele ihrer hilfreichen Mitstreiter gehören der Generation „Telefonieren und Treffen“ an, sie hingegen muss auch schnell mal per E-Mail organisieren, Kreise zusammenlegen, Termine händelbar gestalten... Aber die Gemeinden und sie kommen gut miteinander aus: „Ich hab sie ins Herz geschlossen“, sowohl die Rietschener „Eventgemeinde“, die bei besonderen Anlässen besonders präsent ist, als auch die Daubitzer, die alteingesessene Gemeinde mit dem treuen Gottesdienstkern. Die Kirche in Rietschen und die Kirche in Daubitz wurden jeweils 1916 – mitten im 1. Weltkrieg eingeweiht, gebaut von den Großmüttern und Großvätern der Heutigen. „Da versteht man, die Kirche ist hier das zweite Wohnzimmer, bloß schöner.“ 

Anne Ellmann wird am 10. Oktober 2010 als Pfarrerin von Daubitz und Rietschen in den Dienst eingeführt. Mit der Berufung in die beiden Pfarrstellen endet die Entsendungszeit der Großstädterin, die nach dem Vikariat vor zweieinhalb Jahren in Rietschen ankam – und nun mit Ehemann und sieben Monate altem Sohn hier bleiben wird. Die Einführung nimmt Superintendent Thomas Koppehl vor, assistiert vom 10-jährigen Josef, dem erwachsenen Johannes Miethe und der Mittsiebzigerin Ilse Adler aus Daubitz. Diese drei Gemeindeglieder hat Anne Ellmann sich als Segnungsengel selbst ausgesucht, denn sie symbolisieren die drei Lebensalter, zu denen sie sich gesandt fühlt. 

Anne Ellmann scheint den Rhythmus des Lebens auf dem Land gefunden zu haben, hat  aber auch Antennen dafür, wenn jemand aus dem Takt kommt. Ihr Vikariat hatte Anne Ellmann u.a. als Gefängnisseelsorgerin in der JVA Berlin-Tegel zugebracht. 

Zurzeit nimmt ihr Mann, der Sozialarbeiter ist, die Elternzeit. Wie viele Gemeindeglieder? „...Ballast fürs Hirn, die zu zählen... Ick merk mir lieber die einzelnen Menschen.“ Es sind rund 1300. Und die Statistik sagt auch noch: Im vergangenen Jahr gab es mehr Taufen als Beerdigungen.

Einführungsgottesdienst: 10.10.10 um 14 Uhr, Ev. Kirche Daubitz. 

Foto: B. Ernst-Bertram

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