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Fundstück: Nieder Seifersdorf

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)

Unser Pfarrer hat mich, den Kirchturm von Niederseifersdorf gebeten, etwas von der hiesigen Gemeinde zu berichten. Er meinte, ich könnte das besser. Er sei doch erst 7 Jahre hier und ich hätte doch schon einige Hundert auf den Buckel. Und das stimmt ja.

Ich sehe ihn noch, wie er an einem Julitag- es war das schreckliche Jahr 1945- die Königshainer Berge herunter kam und auf mich zusteuerte. Er kam mit seiner Frau und auf einem kleinen Leiterwagen, war all ihr Hab und Gut verstaut. Na, komm mal her sagte ich, du bist der 23. evangelische Hirte und wirst hier allerhand zu tun kriegen. Aber es war doch ein sehr ärmlicher Anfang. Er zog in ein Pfarrhaus ein, in dem 60 Flüchtlinge lagerten, die nicht ohne weiteres gewillt waren, ihn in das Haus hereinzulassen. Der Bürgermeister wollte ihn am liebsten wieder herausschmeissen. So was brauchen wir jetzt nicht mehr, sagte er. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Das war doch früher anders. Ein alter Lehrer aus der hiesigen Gegend hat`s mal beschrieben, wie das früher bei so einem Einzug war. „I berolle Ihrenfurten und Gulanden, Foahnen und Kränze! De ganze Gemeinde holte n Baster oa derr Grenze ei. Der Griegerverein war uhfmorschiert, nadierlich mit Musicke – der Schulze kummandierte- die Kinder sungen und Anne Zospel weissgeklidter Jumpfern überrechte n Harrn Baster inne schiene Schdudierlompe und no ander Zoig. Der Kander redte anne Riäde und olle liessen ihren neuen Hirten su huch laben, wie a wullde.“

Aber ich, der Kirchturm von Niederseifersdorf, muss sagen, dass mir zu diesem Zeitpunkt ein solcher Einzug auch gar nicht recht gewesen wäre. Ich hätte ja garnicht die richtige Kledasche dazu gehabt. Die Kanonen hatten’s auf mich abgesehen. Eigentlich wollten sie mich umlegen. Aber das geht nicht so leicht mit einem Turm, der 40 Meter hoch ist und 2 Meter dicke Feldsteinmauern hat. Doch argezerrupft haben sie mich. Voriges Jahr aber hat sich die Gemeinde aufgeschwungen und mir wieder ein schönes hell leuchtendes Gewand verehrt. 

Viele wundern sich heute noch, dass ich keine richtige Spitze, sondern nur ein einfaches Satteldach als Kopfbedeckung habe. Manche erzählen sich, der Teufel sei in Collm ausgetrieben worden und bei dem gewaltigen Sprung, den er da machen musste, habe er eine Spitze losgerissen, sich selbst aber auch dabei die Hose zerrissen. Aber das ist ja zum Lachen. Nein, da wollen wir doch lieber auf einen Baumeister hören, der neulich vor mir stand und voller Bewunderung sagte: Das ist ein prächtiger, alter Schwabe. Nun, es kann auch Thüringen gewesen sein, woher mein Erbauer gekommen ist. Der Ritter jedenfalls, der die deutschen Bauern hierher führte und ansiedelte, soll aus Thüringen stammen und Seifart oder Siegfried geheissen haben. Und das ist vor gut 800 Jahre gewesen. Also der neue Pfarrer hat schon Recht, wenn er meinte, dass ich schon einig Hundert auf dem Buckel habe. Bloss ihr müsst entschuldigen, genau weiss ich meinen Geburtstag nicht. Es gab nämlich damals noch keine Stammbücher, wo das mein Vater hätte eintragen lassen können. Aber es soll wohl das Jahr 1125 gewesen sein, wo ich eine kleine Kapelle, die schon früher dagestanden haben soll, abgelöst habe. 

Deutsche Bauern waren es, die hier rechts und links vom Schöps ihre Höfe bauten, und ein Bauerndorf ist es auch geblieben. Erst im letzten Jahrhundert hat sich durch den Ausbau der Steinbrüche in Arnsdorf die soziale Struktur etwas verändert, wie man das so neumodisch ausdrückt. Aber aller Anfang ist schwer und es war auch hier so. Man musste sich zur Wehr setzen gegen solche, die den Bauern das Neuland wieder streitig machen wollten. Und so hat man mich auf eine Felsplatte inmitten von Sumpflachen und dichtem Gestrüpp gesetzt, dazu noch eine starke Feldsteinmauer mit einem Spitzbogentor um mich und den Friedhof gezogen. Hierhin wollte man sich wohl dann im Ernstfall zurückziehen. Aber von dem Sumpf und Gestrüpp ist heute nicht mehr viel zusehen. 

Ich weiss auch nicht, was aus dem Ritter Seifart oder Siegfried geworden ist. Ich wurde nämlich samt der ganzen Gemeinde schon in meiner frühesten Jugend als Pflegekind dem Kloster Marienthal übergeben. Das hatte im Jahre 1239 die böhmische Königin Kunigunde bewerkstelligt. Und in dieser Pflege bin ich geblieben bis zum Jahre 1862, also selbst noch in der Zeit, als schon längst in meinen Mauern evangelisch gepredigt wurde. Aber ich habe im Grossen und Ganzen über die Pflege nicht beklagen können. Zum Beispiel hat mir meine Pflegemutter selbst noch in der Zeit, als ich in ihren Augen schon ein übler Ketzer war, zu einem schönen Altar verholfen. Einen Muskauer Künstler Anton Dreissigmark hat sie damit beauftragt und 287 Reichstaler dafür ausgegeben. Und das ist ein richtiger evangelischer Altar geworden, wo der gekreuzigte Herr Christus im Mittelpunkt steht, darüber sieht man ihn als Osterfürsten mit der Siegesfahne in der Hand und ganz oben bläst ein Engel die Posaune zum Jüngsten Gericht. Daneben stehen St. Peter und St. Paul die das alles bezeugen können, was von dem Herrn Christus ausgesagt wird, und ganz unten sind die Jünger mit dem Herrn zum hl. Abendmahl versammelt. Und alles ist verziert mit Engeln und buntem Blumenwerk, wie das eben die Leute um 1700 liebten.

Ich sagte, das ist ein schöner evangelischer Altar. Wir haben nämlich auch noch einen katholischen mit der Maria und zwei Heiligen. Auf den war mal das Breslauer Museum scharf, weil er noch aus gotischer Zeit stammt. Na gut, dass daraus nichts geworden ist. 

Aber ein bisschen eitel ist meine Pflegemutter auch gewesen. Verzeiht mir, wenn ich ihr das nachsage. Aber sie hat sich’s doch nicht verkneifen können, ihr Wappen mit der Bourbonenlilie an den neuen Altar anbringen zu lassen. 

Dafür hat sie aber wiederum unsere Gemeinde zum ersten evangelischen Prediger verholfen. Bloss mit diesem Prediger hatte es auch so seinen Haken gehabt. Der war nämlich der Bruder der Abtissi des Klosters und zuerst Mönch und katholischer Pfarrer in Lähn. Nun wollte der aber heiraten. Da hat die resolute Schwester die Sache in die Hand genommen und wiedermal die berühmten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das heißt sie schickten ihren Bruder Valentin Laubig hiess er – als evangelischen Pfarrer nach Seifersdorf und erfüllte damit einen lang gehegten Wusch der Gemeinde und der Bruder konnte nun auch mit gutem Gewissen heiraten. Also geschehen im Jahre 1564.

Alle die anderen Pfarrer euch mit Namen aufzuzählen, würde euch sicher langweilen. Es waren alles Pfarrer, die – wie es von einem in einem Nachruf heisst- der Kirche mit Predigten und Sakramentereichen nach Luthers Weise vorgestanden haben. Manche von ihnen habe ich auch mit Pferd und Wagen, Pflug und Sense wirtschaften gesehen. Die Stolgebühren bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen reichten ja bei weitem nicht aus, eine vielköpfige Familie zu ernähren. Da musste schon noch der Dezem der Bauern- eine jährliche Naturalabgabe- und die selbstbewirtschafteten 50 Morgen Pfarracker mit Scheune und Stall hinzukommen. Gehälter gab es ja nicht, aber auch nicht Christenlehre, Kindergottesdienst, Junge Gemeinde, Bibelstunden, Männerwerk und Frauenhilfe und was sonst noch alles einem heutigen Pfarrer aufgetragen ist. 

Aber sie, die früheren Pfarrer, haben in vollbesetzten Kirchen gepredigt. Und man konnte noch hören! Unter einer Stunde war kaum eine Predigt – während heute schon die Leute unruhig werden, wenn eine Predigt mal länger als eine halbe Stunde dauert. Sie kamen aus Seifersdorf, Baarsdorf, Attendorf und auch Ödernitz. Und Ödernitz liegt 10 km nördlich von hier und ist heute mit Niesky verschmolzen. „Der Ödernitzer Weiber- und Männerbänke“ steht auf einigen Bänken noch heute zu lesen. Aber seit 1897 hat sich meine Tochter- ich meine Ödernitz- selbst ständig gemacht. Sie baute sich eine eigne Kirche und hat eigentlich eine gute Partie gemacht; denn in ihr predigt jetzt der Superintendent.

Ja, das waren noch Zeiten, damals um 1700. So viele kamen, dass Emporen eingebaut werden mussten. Die Felder an den Brüstungen der Emporen bemalte man mit biblischen Geschichten. Da sieht man auf der einen Seite Adam und Eva unten dem verhängnisvollen Baum stehen und neben ihnen Löwen, Kamele, Einhörner und andres Getier: friedlich bei einander, die Arche Noah auf den gräulichen Fluten schwimmen, Absalom am Baum hängen und noch viele andre Geschichten aus dem Alten Testament. Auf der anderen Seite aber grüsst der Engel die Maria, die Hirten knien vor dem Christuskind und viele andre, was noch zur Heilandsgeschichte gehört bis hin zur Himmelfahrt. Das alles ist eine schöne Bilderbibel und tut noch mach mal im Kindergottesdienst seine trefflichen Dienste. Gottseidank ist es nicht wie in so vielen Kirchen in neumodischen Übereifer überpinselt worden.

Die alten Bänke könnten euch auch viel erzählen von frohen und verweinten Gesichtern, von stillem Nachsinnen unter dem gepredigten Wort und Bitten, Flehen und Dank sagen. Vielleicht auch von manchen kurzen Schlaf, denn der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach und Landarbeit sehr schwer. Wohl 10 und mehr Generationen haben darauf schon gesessen. Der Name des Grossvaters ist noch an seinem „ Stand“ zu lesen. Aber der Enkel lässt sich kaum mehr sehen. Aber glücklicher ist er auch nicht geworden. Nur er flucht und lästert etwas mehr. –Die schönen Fenster hat auch der letzte Krieg zerdonnert. Nun sind ja wieder welche drin und der Meister Schmidt hat sich darum große Mühe gegeben. Aber die richtigen sind’s noch nicht. Sie machen doch die Kirche zu dunkel und die Farbe erinnern zu sehr an Limonade.

Aber es hat auch früher schon manchen Sturm um mein Haupt gepfiffen. Da war die Pest in den Jahren 1631/32. 152 Gemeindeglieder haben sie da zu Grabe getragen. Ein Jahrhundert später zogen Friedrichs Truppen mehrmals durch unsern Ort. Die Haben viel mitgehen heissen. Sogar das alte Mieder der Rosalie Bartschin war vor ihnen nicht sicher. Da blieben nur eine ganze Reihe unehelicher Kinder. 1812 verlangten die Franzosen 547 Taler von der Gemeinde zur Deckung der Verpflegungskosten. Aber es war doch alles nichts gegen den letzten Krieg. War dass ein Jammer anzusehen, wie sich da die meisten auf die Flucht begeben mußten und viele von ihnen als sie ein paar Wochen darauf heimkehrten, nur noch abgebrannte Wirtschaften vorfanden! Und dann die vielen Soldaten, die hier ihr Leben lassen mussten, aber jetzt auf unserm Friedhof eine schöne Ruhestätte gefunden haben. Und das Elend der Flüchtlinge, die durch unseren Ort zogen oder hier blieben! Das war doch der ärgste Sturm, der mir begegnet ist.

Wieviel gute Sitte und Ordnung ist auch durch den Krieg zerstört worden. Seit Adams und Evas Fall ist ja schon viel in dieser Hinsicht in die Brüche gegangen. Ja, so eine furchtbare Geschichte wie die mit Kain und Abel hat sich auch hier Anno 1448 ereignet. Dem Mörder wurde nämlich auferlegt, den Angehörigen des Erschlagenen öffentlich Abbitte zu leisten, 17 Mark Wehrgeld zu entrichten, innerhalb eines Jahres eine Wallfahrt nach Aachen zu unternehmen und ein Sühnekreuz zu entrichten. Aber es gab doch immer noch gleichsam eiserne Klammern, die das, was in die Brüche gehen wollte, zusammenhielten. Damit haben auch die Halseisen etwas zu tun, die noch bis vor kurzem zu beiden Seiten des spitzbogigen Kirchhoftores angebracht waren. Da wurden alle die angekettet, die gröblich gegen die 10 Gebote verstossen hatten. In den hiesigen Kirchenbüchern könnt ihr’s noch nachlesen. Bei unehelichen Verhältnissen ist da nur von Huren und Schelmen die Rede. Und da heißt es das z. B. „ Die Hure N.N. hat knieend vor dem Altar die Kirchenbusse verrichtet und beide Sonntage vor und nach der Predigt am Pranger gestanden. Der erbarmende Gott gebe, dass sie sich wahrhaftig zu ihm bekehrt habe und künftig der gleichen erschreckliche Sünde meide und ewig selig werde.“ Heute sind die Halseisen nicht mehr daran. Sie würden wohl auch nicht ausreichen.

Ich muss ja auch sagen, dass ich am Beichtstuhl in der Sakristei mehr Gefallen habe als an diesen Dingern. Ihr werdet wohl denken, dass der noch aus meinen katholischen Jugendjahren stammt. Aber ihr irrt. Der ist in meinen besten Männerjahren, als ich schon längst evangelisch war, gebaut worden und die Leute kamen dahin, weil sie noch das Wort der Bibel im Gedächtnis hatten: „ Einer bekenne dem andern seine Sünde“. Heute erinnern sich manche Ärzte wieder daran und wollen eine, ´freilich ganz weltliche Beichte wieder in Schwung bringen. Aber ehe das evangelische Volk wieder etwas von diesem Heilmittel der Seele begreift, wird wohl noch allerhand Wasser den Schöps herunterfliessen. Manche haben mich, den Kirchturm von Niederseifersdorf auch verglichen mit einer Henne und ihren Küken. Ist gar nicht so übel dieser Vergleich. Denn unter mir stehen dicht beieinander das Pfarrerhaus, die Schule, die Mühle und Bäckerei, die Fleischerei und der Kirchbauer. Die Leute nennen das alles, „das Städtel“. Wenn die Sonne am höchsten steht, fällt mein langer Schatten auf die Schule. Früher fanden sie nichts dabei. Aber jetzt mag’s die Schule nicht mehr vertragen. Sie will nämlich mit der Kirche nichts mehr zu tun haben. Der Nazi- Staat zwang die Kirche, dass die Schule für 3000 Mark losgab. Aber zuweilen höre ich doch noch solche Lieder wie „Befiehl du deine Wege“ und „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“ aus ihren Fenster herausschallen. Dann gibt der Kantor oder Pastor Christenlehre. Und das tut meinen alten Ohren wohl.

Im Pfarrhaus ist Abend für Abend viel Leben. Der neue Pfarrer hat dort die alte große Küche in einen Gemeinderaum umgewandelt. Und da kommen nun die Männer und die Frauen und das junge Volk, lesen miteinander in der Bibel, singen ihre Kanons und sind froh. Da bekomme auch ich immer wieder neue Hoffnung und denke: Stehst doch nicht umsonst da. 

Da rufe ich mit meiner grossen Glocke nur noch lauter: „O Land, Land, Land höre des Herrn Wort“. Die mittlere schliesst sich an mit dem Ruf: „Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“, und die kleine fällt auch ein und sagt: „Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Sie sind erst kaum 3 Jahre alt. Die alte grosse und mittlere Glocke nahmen sie mir während des letzten Krieges weg auf Nimmerwiedersehen. Als ein paar alte Männer das sahen, meinten sie, dass der Krieg wohl bald verloren sei, wenn sie schon dazu greifen müssen. Diese Männer hatten was vom ersten Krieg gelernt. Da wurden auch zwei Glocken heruntergeholt und der damalige Pastor Schauder hatte dann grosse Mühe, wieder zwei neue zu besorgen. Aber im Allgemeinen lernen die Leute nicht viel aus früheren Zeiten. Sie fallen immer wieder in dieselben Sünden und Torheiten zurück. Wenn man so alt ist und schon so viel gesehen hat, kann man das schon sagen. Ein paar neue Ziffernblätter für meine Uhr habe ich erst vor Kurzem bekommen. Sie heben sich mit ihrer blauen Farbe schön von meinem neuen hellen Gewande ab. Aber sie sind nicht allzu praktisch, weil man die Zeiger zu schlecht sieht, und beinahe sagen die Leute auch schon, wie’s in einer Oberlausitzer Geschichte heisst: „Dann Seger nahm berr ne!“

Die Geschichte muss ich euch noch zum Schluss erzählen. Da hatte ein neuer Pfarrer den Plan, seine Gemeinde mit einer neuen Kirchturm Uhr zu erfreuen. Sie sollte gar nichts kosten. Der Patron wollte sie aus seiner Tasche bezahlen. Aber zum Erschrecken des Pastors macht der Gemeindekirchenrat mit diesem Plan nicht mit. Der Schulze sagt: „He? Wie lange gieht denn die Moschine, do stiehlse, und doh muhss se do wieder gereperiert warrn, und doas is ne ferr imsunste. Nee, nee, Herr Baster, dann Seeger mieg merr ne!“ Der Pastor erreicht bei dem Patron, dass dieser sich für sich und seine Nachkommen verpflichtet, auch die Reparaturen zu übernehmen. Aber da meint der Schulze: „War sol denn doas ahle Geniste ufziehn und eischmieren? Doas macht o Kenner fer nischt und wieder nischt.“  „So“ sagte nun ganz erregt der Pastor, „dann sag ich euch mein letztes Wort, dann werde ich selbst die Uhr aufziehen und im Stande halten, ohne dass es euch etwas kostet!“ Jetzt reden die Andern auf den Schulzen ein: „Nu,doh soi ock ja! Wenn as salber machen wiel und s nischt kust,doh kinn berr schund a Willem dreigahn.“ Das Oberhaupt aber fährt seine Minister an: „Ihr sett Schofköbbe und verschdieht nsicht!“ und dann sagt er, zum Pastor gewendet: „Herr Baster, nischt ferr ungutt, Sie honn juh an ganz guhden. Willen, aber wie denn, nu, wenn sie amol krank warrn oder wenn Sie amol starben; war soal denn dernoh de Uhre uhfziehn?“ „ Do woarsch aus mit Huchihrwürdens Geduld!“ 

Ja, so sind sie, die unter mir wohnen. Aber lieb hab ich sie doch. Wie lange ich sie noch sehen werde, ob die Enkel und Urenkel geraten oder nicht geraten werden, wie lange noch die Dohlen um mein Haupt fliegen und wie viel Wasser noch den Schöps herunterfliessen wird- ich weiss es nicht. Ich bin ja auch nur ein Kirchturm „mit Händen gemacht“. Ich weiss nur eins: Dass das wahr ist, was ich zur Morgen- Mittag- und Abendstunde mit der mittleren Glocke meiner Gemeinde zurufe: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Und das soll mir genug sein.

 
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