Fundstück: Jänkendorf und Ullersdorf
Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)
Lage
Die beiden, eine evangelische Kirchgemeinde bildenden Dörfer Jänkendorf und Ullersdorf liegen an der in flachem Bogen fast südnördlich laufenden Landstraße, die von Löbau über Niesky, Rietschen nach Cottbus führt. Die Eisenbahnstation Niesky ist rund 6 km entfernt. Beide Orte haben je eine evangelische Kirche und einen evangelischen Friedhof, Jänkendorf dazu das Pfarrhaus. Die Gesamtgemeinde zählt rund 1170 Seelen. Zur Muttergemeinde Jänkendorf gehört die 2,5 km entfernte Schäferei mit 6 Häusern, zur Filialgemeinde Ullersdorf das 3 km entfernte Wilhelminental mit 7 Häusern.
Die Geistlichen
Seit über 32 Jahren, d.h. seit 1.August 1919, wird die Gemeinde von Pfarrer Paul Haym betreut. In der wiederholt genannten, aufschlussreichen „Prediger- und Kirchengeschichte des Kirchenkreises Rothenburg“ von Willi Schulze, Gebelzig, werden vor Pfarrer Haym 26 Geistliche aufgeführt. Es würde zu weit gehen, sie alle zu nennen. Als besondere Kenner der Heimatgeschichte und emsige Chronisten seien aus der langen Reihe der Jänkendorfer Pfarrer genannt:
Peter Pannach, geb. 13.1.1716 in Seidau bei Bautzen. Er war von 1747bis 1759 Pastor in Jänkendorf. Er wird als guter Kenner der Geschichte der Oberlausitz gerühmt. Der Entwurf der Oberlausitzsischen wendischen Kirchgeschichte ist zum größten Teil sein Werk.
Pastor Johann Gottlieb Müller, geb. 30.10.1760 zu Walddorf bei Löbau, von 1792- 1809 Pastor in Jänkendorf, schrieb den „Versuch einer Oberlausitzer Reformationsgeschichte im Jahre 1810 und Kirchliche Nachrichten von Jänkendorf und Ullersdorf.“
Johann Friedrich Christian Wilhelm Senf, geb. 19.3.1825, der von 1866 bis 1882 in Jänkendorf amtierte, war ein bedeutender Altertumsforscher. W.Frenzel hat in einem Artikel des Bautzener Tageblattes (1926/27) „Aus den Papieren eines vergessenen Oberlausitzer Altertumsforschers“ an ihn erinnert.
Die für die Geschichte von Jänkendorf und Ullersdorf sehr wertvoll gewesenen Auszüge aus Urkundenbüchern im Görlitzer Ratsarchiv, die der jetzige Pastor in den Jahren 1929 bis 1933 mit vieler Mühe anfertigte, sind leider im April/Mai 1945 verloren gegangen. Das bedeutet einen schmerzlichen Verlust für die Heimat- und Kirchengeschichte der beiden Kirchdörfer.
Die Kirche zu Jänkendorf
Wenn wir der Kirchengeschichte von Schulze weiter folgen, erfahren wir diese:
Zum ersten Male wird Jänkendorf als Pfarrort in der alten Meißner Matrikel vom Jahre 1346 erwähnt; es geht uns da wie vielen Kirchdörfern der Oberlausitz: die Gründung und Entstehung des Kirchenspiels selbst bleibt unbekannt, ums Jahr 1346 war es aber vorhanden. – Für den Spielraum von 700 bis 800 Jahren, von damals bis heute – ist für unseren Rückblick eins entscheidend, ein Ereignis im Jahre 1725: Rittergut, Kirchturm, Schule und Pfarrhaus brannten ab; dabei gingen die Akten und Kirchenbüchern von Jahrhunderten verloren. Es wurden der Neubau der einzelnen Gebäude sofort in Angriff genommen, der Kirchturm massiv, Schule und Pfarrhaus unter einem Dach; vielleicht war das auch vorher schon so gewesen. Die Kirche erwies sich Ende des 18. Jahrhunderts als nicht zweckmäßig; offenbar war sie zu klein und sehr reparaturbedürftig. Zu der geplanten notwendigen Erneuerung hätte die Gemeinde ihr ganzes Kirchenvermögen aufbrauchen müssen, sodaß guter Rat teuer war. Da griff hochherziger Weise die Patronatsherrschaft ein. Sie erbot sich, auf eigene Kosten das Kirchengebäude neu aufzubauen, und so wurde denn im Jahre 1800 die vorige Kirche abgerissen und noch im selben Jahre ohne jeden Unfall das neue Kirchengebäude aufgeführt, das am 8. November 1801 bereits in feierlichem Gottesdienst unter großer Beteiligung der Gemeinde und der Nachbardörfer eingeweiht werden konnte. In der Sakristei hängt noch heute ein Bild vom Inneren der Kirche aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit den Kirchenfahnen. Manche Einzelheiten aus vergangenen Zeiten lassen sich diesem kurzen Überblick noch hinzufügen. Trotz der Vernichtung der Kirchenbücher bei dem Brande vom 24. Januar 1725, dem übrigens damals die Brauerei und der Hauptteil der Kirche nicht zum Opfer fielen, haben wir doch eine lückenlose Liste der Jänkendorfer Pastoren von 1557 an und eine der hiesigen „Schulmeister, Organisten und Kirchenschreiber“ von 1587 an. Dagegen versagen die Berichte etwas, wenn wir nach der Einführung der Reformationen fragen. Immerhin scheint festzustehen, daß sie in Jänkendorf 1538 erfolgte in Ullersdorf bereits 1530.
1920 waren in dem Oberlausitzer Heimatkalender sogenannte „Trauerfahnen“ abgebildet, die in früheren Zeiten zum Gedächtnis verstorbener Herren in den Kirchen aufgehängt zu werden pflegten. Dabei wurde auch eine solche Jänkendorfer Fahne erwähnt, die aber längst nicht mehr vorhanden ist. Nach alten Nachrichten hing sie im Gotteshaus, das 1725 vom Feuer verschont und 1800/01 abgebrochen wurde, um dem neuen Platz zu machen. Als sie herabgenommen wurde, zerfiel sie, vom Staub und Licht verzehrt.
1706, zu der Zeit als Karl XII. von Schweden seine großen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Rußland, Polen, Sachsen und dem deutschen Kaiser (damals Oesterreich) hatte, ist ein größerer Truppenverband der Schweden auch durch Jänkendorf gekommen, dem hier von einem Schwedischen Feldprediger ein Gottesdienst in schwedischer Sprache gehalten worden ist.
Unter den verschiedenen Pflichten und Rechten des Pastors, die in einem alten Rezeß von 1734 aufgeführt werden, wird auch von einem halben Schock Karpfen berichtet, welche neben einem jährlichen Satz von einer Mandel Karpfen an den Pastor zu geben seien, sooft der große Seifertteich gefischt würde, „weil als Kasper von Nostitz diesen Teich angelegte, etwas von der Wiedermut dazu genommen wurde“. Offenbar handelt es sich aber um den „kleinen Seifertteich“, der ja auch heute an die Wiedermut grenzt.
Die Kirche hat durch Kriegseinwirkung im Jahre 1945 im Vergleich zu anderen Kirchen nur verhältnismäßig geringen Schaden erlitten. Der Turm war durch Artilleriebeschuß zum Teil abgedeckt worden. Das Dach des Schiffes wies mehrere Einschußlöcher auf, sodas die Latten zum Teil frei lagen. Im Inneren der Kirche war vielfach der Putz abgefallen. Alle diese Zerstörungen sind aus Mitteln der Gemeinde und des Konsistoriums unter Leistung von Architekt Mayer, Görlitz, beseitigt worden, sodaß das Kirchengebäude heute wieder in den früheren Zustand versetzt werden konnte.
Die Glocken
Bei dem schon erwähnten Turmbrande 1725 schmolzen die 3 Glocken. Bis 1768 hatte die Kirche nur 2 Glocken, die große Glocke fehlte. Erst in diesem Jahre wurde eine neue 12 Zentner = 58 Pfund schwere Glocke von J.G.Siefert für 134 Taler 9 Groschen gegossen. Sie trug das Freiherrlich Kayserlingsche Wappen mit der Inschrift: Verbum domini Salvatoris nostri manet in aeternum. Des Herren Wort, das helle Licht, bleibt ewig und vergeht nicht. Sie war ein Geschenk des K.K.Kammerherrn wie auch K.F.S.Reiterobersten W.C.Baron v. Kayserling. Auf der Glocke stand noch: Und also was die Gluth des Feuers hat verletzt, durch Wohlthun wiederum in vorigen Stand versetzt. Die alte, 1 ½ Ellen weite mittlere Glocke wurde 1667, die ¾ Ellen weite kleine Glocke 1670 von Andreas Herold gegossen. Diese 3 Glocken hingen erst im hölzernen Turme beim Eingang zum Kirchenhofe und wurden erst später beim zweiten Kirchenbau 1687 auf den neuen Turm gezogen. 1839 wurden freiwillige Beiträge der Gemeinde, durch Geschenke von Nachbargemeinden und der Dorfherrschaft des Fürsten Heinrich LXXIV. Reuß, Herrn und Grafen von Plauen, und seiner Gemahlin Clementine geb. Gräfin Reichenbach durch Gruhl 3 neue Glocken gegossen, die außer einer Menge Namen und dem Gießvermerk folgende auf sie verteilte Bibelställen trugen: Gebt unserem Gott allein die Ehre! Wohl dem Volke, des der Herr sein Gott ist, und Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat. Zwei von diesen, die große und die mittlere Glocke, mußten im Weltkriege 1914-18 abgeliefert werden, die kleinste ist geblieben. Zu dieser kleinen Glocke wurden durch allgemeine freiwillige Spenden des Patronats und der Gemeinde 2 neue Glocken aus der Gießerei Geittner, Breslau, beschafft, die am Heiligen Abend 1921, also vor nun grade 30 Jahren, zum ersten Male zum Gottesdienst riefen. Die mittlere ist 1922 wegen ihres fehlerhaften Klanges von der Gießerei noch einmal umgegossen worden. Die Inschriften lauten: „Wir rufen Gott und Mensch, o wollten beide hören, Gott wieder sich zu uns, und wir zu Gott uns kehren“! – Kehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehre, spricht der Herr Zebaoth.“
Die Kirche zu Ullersdorf
Alte vergangene Zeiten, drei Jahrhunderte waren in ihr aufgespeichert, nicht nur durch ihr Alter, sondern auch durch Bilder, Inschriften und Zahlen. Wer sie jemals sah, vergisst sie nicht, so eigenartig wirkte sie in ihrer bunten Malerei, mit ihren Gedächtnismalen, in ihrem einheitlichen Stil. Es war im Jahre 1630, als dieser Bau fertig wurde, doch die Geschichte der Kirchgemeinde geht auch hier natürlich weiter zurück. Unter den Pfarrkirchen, die unter dem Bischof zu Meißen standen, wird Ullersdorf in der Matrikel 1346 nicht erwähnt. Demnach war damals in Ullersdorf keine Pfarrkirche und Pfarrstelle. Immerhin aber ist’s möglich, daß schon damals eine Kapelle vorhanden war, die dem heiligen Wolfgang geweiht war, jedenfalls ist von dieser Kapelle in einer Urkunde vom Jahre 1515 die Rede. Sie ist darin sogar „Kirche“ genannt, doch anstelle des Wortes Pfarrer wird nur von einem Altaristen oder Meßpriester gesprochen. So nehmen wir an, daß Ullersdorf ursprünglich eine Kapelle besaß, in der die verschriebenen Messen gelesen wurden. Diese Kapelle brannte 1507 zusammen mit dem Kretscham ab, was „Paul Emmerich und einige andere mit Büchsenschießen versucht“ hatten. Zu der daraufhin neugebauten „Kirche“ stiftete die Herrschaft in der Urkunde von 1515 sogar ein Haus für den Meßpriester und etwas Wiedemut. Dieses Kirchengebäude von 1507 oder folgenden Jahren hat bis 1629 gestanden und hat im Jahre 1530 die Einführung der Reformation erlebt. Nach den alten Berichten erfolgte diese in Ullersdorf durch den Patron im Einverständnis mit der Gemeinde und vielleicht auch mit dem Meßpriester, der selbst zur lutherischen Lehre übertrat(?). In Jänkendorf blieb die Kirche zunächst noch päpstlich, denn als Pfarrkirche stand sie in festerem Zusammenhang mit dem Bistum Meißen. In Ullersdorf aber konnte der nunmehr lutherische Prediger von der kleinen Wiedemut und den geringen Einkünften nicht leben, sodaß Wolf und Hans von Nostitz auf Schloß Ullersdorf 1538 den Jänkendorfer päpstlichen Pfarrer vertrieben und nun die gemeinsame Doppelkirchgemeinde Jänkendorf - Ullersdorf entstand. Diese Tat konnte jene beiden Nostitz aber doch nur im Einvernehmen mit der Jänkendorfer Herrschaft und Gemeinde getan, mußten auch eine Art Recht gehabt haben, in die Jänkendorfer Pfarrstelle miteinzugreifen, und so wird es wahrscheinlich, daß die Jänkendorfer Pfarrstelle von jeher auch Ullersdorf unter sich hatte, das nur eine Meßkapelle besaß, und nur 1530 trat durch die Ullersdorfer Reformation eine Trennung ein, die vielleicht keine zehn Jahre gedauert hat. Urkundlich nachweisbar ist jedenfalls, daß schon 1556 die Kirchgemeinde in der heutigen Art wieder vereinigt waren und damals bereits Ullersdorf zu bestimmten gemeinsamen Ausgaben, die in der Jänkendorfer Kirchenrechnung geführt wurden, ein Drittel zahlen mußte. – Im Jahre 1629 wurde die alte Ullersdorfer Kirche abgerissen und 1629-30 von Elias von Nostitz neu gebaut. Am 10. Februar 1630 fand die Einweihung statt. Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die mit ihren Stürmen kaum ein Dorf verschonte. So hat auch diese neue Ullersdorfer Kirche oder wenigstens ihr Turm die Unbilden der Zeit erfahren. Mitwillig zerschossen durchziehende Kriegsvölker den Turm, der erste 1658 erneuert wurde. Eine weitere Veränderung des Jahres 1714, nämlich der Bau einer zweiten Empore, wurde 1913 bei der Renovation wieder beseitigt. Im Jahre 1730 wurde das Deckengewölbe erhöht, im Jahre 1873 der Haupteingang durch den Turm gelegt. Ungewöhnlich, fast befremdlich wirkt für das Auge eines evangelischen Besuchers zum ersten Male das Innere der Ullersdorfer Kirche; uns aber die wir den Anblick gewöhnt sind ist es behaglich geworden warm und vertraut und lieb. „Wie Seitenaltäre einer katholischen Kirche muten, flüchtig betrachtet, die vielen bunten Gedächtnismale im Altarraume an. Das erste war für den Erbauer der Kirche selbst, Elias v. Nostitz, bestimmt, der 1634 starb. Sein Gedächtnismal, ein in Stein gehauenes lebensgroßes Bild, finden wir noch heute in jener Nische, in der jetzt unter anderem die Pfarrbank ist. Diese Nische war früher eine Grabkammer, in der die Steinsärge der Patronatsherrschaften standen, und noch heute steht über dieser Nische das nachdenkliche Wort in lateinischer Sprache: Omnibus moriendum! d.h. „Alle müssen sterben“. Das Gedächtnismal von 1634 nennen wir gewöhnlich „den schwarzen Ritter“, weil Haupt- u. Barthaar sein Gesicht finster machen wie seine Rüstung, während doch ihm im Gesicht versteckt der Schalk sitzt. Offenbar blinzelt er zu Christoph Thomaß hinüber, der um 100 Jahre kultivierter sein will und von dem nachher noch zu reden sein wird. Der hat nämlich in der Kirche den Hut auf dem Kopf. – Ein anderes Gedächtnismal befindet sich rechts vom Altar, eine Darstellung des Gekreuzigten auf Golgatha und unter dem Kreuz weinend Maria und Johannes. 1674 wurde es in großer Traurigkeit einer Patronatsherrin von ihren 3 Söhnen errichtet als schönes Zeichen treuer Kindesliebe. – Aus glücklichem Eheleben eines Herrn von Nostitz-Dczewiecki berichtet das große, von zwei Figuren umschlossene Mal rechts hinter dem Altar, von gesegnetem Eheleben das Bildnis Elias Kasper v. Nostitz (links vom Altar) der in 2 Ehen 23 Kinder hatte. – Ziemlich die ganze Patronatsgeschichte von Ullersdorf seit 1630 haben wir in der Kirche in Gedächtnismalen und Wappen festgehalten. Während sonst in der Lausitz die Männerplätze stets oben sind, haben wir in Ullersdorf auch einige unten. So z.B. rechts und links vom Altar, dann die herrschaftlichen Beamtenplätze, die Jänkendorfer Nische und schließlich einen Stehplatz unter der Kanzel. Dort steht Christoph Thomaß, zu Elias von Nostitz herüberblinzelt, weil er den Hut aufbehalten hat. Vor 225 Jahren reichlich 200 Jahren (+1728) war er lange Zeit „Häubtmann“, d.h. Inspektor oder Vogt der Herrschaft und hatte alle Diensten und Pflichten, die damals die geplagten Dorfbewohner der Herrschaft schuldig waren, unter sich. In seinem Dienst und Amt war treu und hatte ein offenes Auge, weshalb ihm zu dankbarem Gedächtnis seine Herrschaft sein in Stein gehauenes, lebensgroßes Bild in bunter Kleidung unter die Kanzel stellen ließ: aber er hatte ein unbarmherziges Herz, weshalb er heute noch in der Gemeinde in unliebsamen Angedenken steht.
Die Glocken
Die 1629 neu erbaute Kirche St. Georgi, adjunota zu Jänkendorf, trug eine alte Glocke, die, wie die Inschrift besagte, 1676 von Mich. Weinhold in Dresden umgegossenen wurde. Sie wurde 1716 von Benjamin Körner in Görlitz umgossen und zeigte den Namen des Erb- und Lehnsherrn Johann Hardtwig von Nostitz und seiner Gemahlin Frau Johanne Henriette geb. v. Ziegler und Klipphausen. Dieselben Namen stehen auf der ebenfalls von Körner aus einer älteren Glocke vom Jahre 1677 gegossenen jetzigen Mittelglocke mit der Jahreszahl 1720 und dem Namen des Gießers. Die 1738 in Görlitz gegossene und vergrößerte kleine Glocke hatte außer dem Vermerk: „Fusa Gorlicii per Benj.Koernerum Anno 1738“ keine Inschrift.
Leider mußte auch von diesen alten Glocken die große und die kleine im 1. Weltkriege abgeliefert werden, sodaß mehrere Jahre nur die mittlere Glocke dem Gemeindeleben diente. Im Jahre 1921 schenkte der Patron der Kirche, Friedrich Wilhelm Graf v. Fürstenstein auf Ullersdorf, die fehlenden Glocken neu. Sie wurden bei Geittner in Breslau gegossen und trugen die Inschrift: „Zum Lobe Gottes sollte ihr klingen,/ um Dank und Schöpfer darzubringen,/ daß er in schwerer Kriegeszeit !“ uns hat bewahrt vor Herzeleid.“ und „Ehre sein Gott in der Höhe.“ – Diese Glocke läuteten am 1. Advent 1921 zum ersten Male und leiteten am gleichen Tage nachmittags die Einweihungsfeier des Denksteins für die Kriegsgefallenen ein.
Der Krieg 1939-45 hat der Ullersdorfer Kirche starke Schäden zugefügt. Der Turm erhielt mehrere schwere Artillerie-Treffer, denen der ganze 17m hohe Turmhelm, bestehend aus Welscherhaube, offenener Laterne und Doppelzwiebel, zum Opfer fiel. Es stand also nur noch der quadratische Kern des Turms zu etwa 12m Höhe und der bis zum Hauptgesims als Achteck weitergeführte Teil bis rund 22m Höhe.
Auch der aus Bruchsteinmauerwerk hergestellte Unterbau des Turmes wies mehrere große Einschusslöcher auf vor allem in der Höhe des Glockenstuhls.
Die Kirche steht als kulturell besonders wertvolles Bauwerk unter Denkmalschutz. Alle Sicherungs- und Erneuerungsarbeiten wurden im Einvernehmen und in enger Fühlung mit dem Landesamt für Denkmalspflege von dem bewährten Kirchenmeister Architekt Mayer, Görlitz, in den Jahren 1950/51 durchgeführt. Durch vorläufige Absteifungen im Inneren des Turmes wurde ein weiteres Einstürzen zunächst verhindert. Im Jahre 1951 aber lösten sich mehrfach am Oberteil der Einschußlöcher Bruchsteine heraus, sodaß der Turm nur mit Gefahr gestiegen werden konnte. Auch die Kirchenbesucher waren gefährdet.
Das Dach war bereits 1947 behelfsmäßig mit senkrechter Stülpschalung eingedeckt und zum teil mit den Resten noch vorhandener Biberschwänze zugehängt worden. An der Südseite hatte sich infolge des dauernden Einregnens starke Schwammbildung gezeigt, sodaß verschiedenes Holzwerk der Balken- und Sparrenlage und der Deckenschalung ausgewechselt werden mußte.
Von den Fenstern der Kirche waren 4 vollständig zerstört, sie mußten ganz oder teilweise erneuert werden, um die wertvolle Malerei in der Kirche und die Orgel vor weiteren Verfall zu schützen. Der Außen- und der Innenputz des Schiffes soll im letzten Bauabschnitt 1952 erneuert werden. Unter Aufsicht des Landesamtes für Denkmalspflege in Dresden wird die Ausmalung voraussichtlich von Kunstmaler Rittsche ausgeführt werden. Als besonders schwierig erwies sich die Neugestaltung des Turmhelms, der mit Kupfer gedeckt war. Da diese Möglichkeit z. Zt. nicht mehr besteht, mußte der Helm eine Form erhalten, die geeignet war, ihn mit Schiefer zu decken. Diese Aufgabe hat das Einfühlungs- und künstlerische Gestaltungsvermögen des Architekten glücklich gelöst, sodaß die alte Turmbekrönung kannten, der heutigen Lösung voll zustimmen.
Hoffentlich wird es gelingen, im Jahre 1952 das ganze Kirchendach in Dachsteinen und zwar mit Bibersteinen einzudecken, besonders da noch für einen ansehnlichen Teil der Dachfläche alte Handstrich-Biber vorhanden sind.
Dann wird das ehrwürdige Gotteshaus im alten, ergänzten Gemäuer und doch in neuer Gewandung wieder stehen und – gebe es Gott – der Gemeinde noch lange Zeit zu lebendigem Gottesdienst dienen.
EWG.
