Fundstück: Kunnerwitz
Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)
Von Görlitz her am Ausgange des kleinen Dörfchens Kunnerwitz liegt dicht am Rande der viel benutzten Kunststraße das in edlem Stil erbaute Gotteshaus der Kunnerwitzer Kirchengemeinde, mit seinem stattlichen, hellen Turme nach allen Seiten rings in die Weite grüßend. Um die Geschichte dieses Kirchenspiels kennen zu lernen, müssen wir uns zunächst dem alten Jauernick zuwenden, das mit seinen vorgeschichtlichen Fundstätten, seinen von Slawenwällen umringten und mit Hügelgräbern aus der Burgunderzeit bedeckten Höhen in der Geschichte der Oberlausitz einen guten Klang hat. Dort erhebt sich am Südhange des Kreutzberges, der einst Schloßberg hieß, die altersgraue, noch von einer zinnengekrönten Wehrmauer umschlossene katholische Kirche mit ihrem nadelspitzen Turme in Form eines Dachreiters.
Jauernick ist nicht nur der Zellkern des Kunnerwitzer Kirchsspieles, sondern uralte Missionsstation überhaupt. Vor nun bald tausend Jahren ist dort die erste christliche Kultstätte der Ostoberlausitz entstanden, höchstwahrscheinlich eine Gründung böhmischer Missionare, zu einer Zeit, als die Ausbreitung der Heilslehre von Meißen her stockte, wie ja auch die Jauernicker Kirche dem Landesheiligen von Böhmen, dem heiligen Wenzel, geweiht wurde. Wie bei allen ältesten Kirchen war die Ausdehnung des Pfarrsprengels sehr groß und erstreckte sich über das gesamte Gebiet zwischen Neiße und Weißen Schöps mit Görlitz, Ebersbach, Gersdorf und Friedersdorf, ehe sie Kirchorte wurden, und dem ganzen Eigenschen Kreise, bevor dieser in Bernstadt ein eigenes Gotteshaus erhielt.
Im Jahre 1242 wurden durch Hertwig v. Dehsa Dorf und Kirche Jauernick dem Zisterzienserstift Marienthal übereignet, sodaß seither das an sich viel jüngere Kloster die Patronatsherrschaft über die Jauernicker Kirche ausgeübt hat. 1234 wurde der Kirchenhof, auf dem noch heute die Toten, auch die evangelischen Gemeindeglieder, eingebettet werden, durch einen Breslauer Weihbischof, der aus Moys bei Görlitz stammte, eingeweiht. Wiederholt fiel die Kirche Bränden zum Opfer, zumal im Zeitalter der Hussitenkriege. Der Bau, wie er sich jetzt darstellt, stammt etwa aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Als die Reformation ihren Einzug in die Oberlausitz hielt, amtierte zu Jauernick der neunte in der Reihe der uns namentlich bekannten Pfarrer Johann Zacharias. Sein Vorgänger war ein Bruder des Breslauer Bischofs Jacob von Salza gewesen. Er selbst entstammte der angesehenen und in der Geschichte weithin bekannten Familie der Eschenloer und hatte ehedem beim Kaiser Ferdinand als Organist in Dienst gestanden. Dieser kündigte nun bei der Zusammenkunft der Priester der Oberlausitz am 27. April 1525 in der Peterskirche in Görlitz mit den anderen dem Bischof zu Meißen den Gehorsam auf. Er verehelichte sich in der Folgezeit mit einer Anna Gäbler. Daraufhin wurde er 1539 von der Äbtissin des Klosters Marienthal aus Jauernick ausgewiesen und brachte seine künftigen Tage als evangelischer Geistlicher in der Altstadt Dresden zu.
Nun war die Lage im Kirchspiele so, daß der größte Teil der Gemeinde evangelisch war, die Kirche und Pfarre aber in katholischen Händen blieb. Der neue eingesetzte katholische Geistliche hatte keinen leichten Stand. Aber die evangelische Bevölkerung war während der folgenden Jahrhunderte erst recht übel daran. Sie mußten sich zur Verrichtung aller Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen usw. zu den evangelischen Kirchen der Nachbarschaft halten und infolgedessen die Gebühren nach geltenden Landesgesetzen doppelt bezahlen, nämlich am Orte des Vollzuges und außerdem auch beim katholischen Pfarramte in Jauernick. Die Jauernicker hielten sich in der Regel nach Friedersdorf, die Niechaer nach Tauchritz oder Berzdorf, Ober- Pfaffendorf wandte sich nach Markersorf, Kunnerwitz und Biesnitz zumeist nach Leschwitz (dem jetzigen Weinhübel), Schlauroth und Rauschwalde aber hatten es am nächsten nach Görlitz. Es kam auch vor, daß der katholische Geistliche evangelische Beerdigungen vollzog, wie aus dieser Zeit noch heute im dortigen Pfarramt ein evangelisches Görlitzer Gemeindebuch sich vorfindet, das in solchen Fällen benutzt wurde. Und es geschah, dass die Evangelischen sich zu den Predigten des katholischen Pfarrers nach Jauernick hielten. Bald war das Zusammenleben freundlicher, bald wieder weniger gut, zumal vereinzelt durch das Dazwischengreifen des Klosters Spannungen entstanden. Wenn auch, aufs Ganze gesehen, die Verhältnisse erträglich waren, so ist es doch zu verstehen, daß allmählich der Wunsch der Evangelischen nach einem eigenen Gotteshause immer stärker wurde. Das war im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Er fand Widerhall beim damaligen Superintendenten Gerdessen in Seidenberg, auch bei dem Landrat v. Oertzen in Görlitz. Es kam vor allem hinzu, dass seit 1815 die Ostoberlausitz zu Preußen gehörte, daß sich für das Anliegen der Evangelischen offener zeigte als der Kurfürst von Sachsen. Es entstand aber noch ein heftiger Kirchenbaustreit unter den Evangelischen. Die Jauernicker wollten die Kirche natürlich in ihrem Dorfe haben. Schließlich wurde doch Kunnerwitz gewählt, weil dieser Ort, so klein er auch ist, im Zentrum des weitverzweigten Gesamtkirchspieles liegt.
Im Jahre 1839 war der Bau, zu dem die Gemeinde in großer Opferfreudigkeit mit beigetragen hatte, zustandegekommen. Er ist im klassizistischen Stil aufgeführt. Sein Entwurf stammt von keinem Geringerem als dem berühmten Berliner Architekten Schinkel, der als Oberlandesbaudirektor gerade in den letzten Jahren seines reichen, gesegneten Schaffens eine Reihe von Aufträgen für die östlichen Provinzen unseres Vaterlandes erhalten hatte. Jedermann ist von der Schönheit des Gotteshauses überrascht, das von außen und innen bei aller Schlichtheit durch seine wohlabgewogenen, edlen Formen anspricht. Die Kirche ist 30 m lang, der Turm hat eine Höhe von ca. 50 m. Mit seinen Rundbögen sowie seiner flachen Holzdecke im Innern erinnert das Gebäude an den Stil einer römischen Basilika. Das reiche Holzwerk, dessen schöne Maserung bei der im Jahre 1939 durchgeführten Renovation besonders wieder zur Geltung gekommen ist, gibt ihm einen warmen Ton. Die Renovation wurde anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Kirche von dem über die Oberlausitz weit hinaus als Maler wie als Keramiker sehr geschätzten Künstler, Walter Rhaue, der unser Biesnitzer Gemeindeglied ist, in äußerst glücklicher Weise durchgeführt. Der Altar steht im Westen; ursprünglich war nur der Altartisch vorhanden, und die hohe Rückwand mit dem Altarbild, das die Kreuzigung darstellt, ist erst später hinzugekommen. Das Altarbild, signiert „v. Briesen 1863“, ist angeblich von dem Vater eines der Zöglinge gemalt, welche der erste Geistliche an dieser Kirche bei sich in der Pfarre hatte. Die Kanzel hatte ursprünglich eine Höhe von fast 5 ¾ m; sie ist auch heute noch sehr hoch, nachdem sie in späterer Zeit um 1 m gesenkt wurde. Ein besonderer Schmuck des Gotteshauses sind seine prächtigen Glaskronleuchter und vor allem die für eine Dorfkirche erstaunlich große Orgel mit gutem Klang, die im Jahre 1914 von der Firma Schuster - Zittau erbaut wurde und elektrischen Antrieb hat. Im Altarraum sind zwei bunte Glasfenster, darüber ein solches im Halbrund mit dem Bild des segnenden Christus; sie wurden vor 20 Jahren aus Spenden angeschafft. Nachdem die ersten Glocken, die aus Bronze waren, dem Kriege 1914-18 zum Opfer gefallen waren, hat die Gemeinde im Jahre 1921 ein neues Geläut aus Stahlglocken von der Firma Schilling – Apolda besorgt. Die Glocken tragen die Aufschrift: “Glaube, Liebe, Hoffnung“ und dazu passende Sprüche. In dass Wirtschaftsgebäude des Pfarrhauses ist der Konfirmandensaal eingebaut; er dient dem Unterricht, den Zusammenkünften der Jungen Gemeinde und den Übungsstunden des Kirchenchores. Im Winter werden auch die Gottesdienste im Konfirmandensaal abgehalten. Die Kirche ist flankiert von dem Pfarrhaus und dem Küster – Schulgebäude, beide dem Stil der Kirche angepaßt. Das Pfarrhaus wurde aber im Jahre 1904 aufgestockt und hat dadurch sein Aussehen verändert. Das Küstereigrundstück ist vor 13 Jahren auf Grund der damaligen Verfügungen, betr. Neugestaltung des Volksschulwesens, an die politische Gemeinde Kunnerwitz übergegangen. An den Kirchplatz schließt sich im Westen der Friedhof an, der im Laufe der Zeit erweitert wurde. Seine Lage ist überaus schön, ihm zur Seite die Landeskrone, die wie ein stummer Wächter aufragt. Mit seinen von stattlichen Linden umsäumten Gängen gewährt er wirklich den Eindruck einer Stätte des Friedens. Auf ihm hat die Schwesternschaft des Diakonissenmutterhauses Salem in Klein Biesnitz ihren besonderen Platz; für die Bewohner des dortigen Altersheims „Gottessegen“ ist neuerdings ebenfalls ein besonders Belegungsfeld vorgesehen. Im vorigen Jahre wurde ein Teil des Friedhofes für Urnenbeisetzungen eingerichtet. Wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Jahres 1945 wurden auch auf unserem Friedhof 130 Angehörige der damaligen deutschen Wehrmacht eingebettet, die bei den Kämpfen nordwestlich von Görlitz gefallen waren, meist junge Menschen, viele von ihnen noch unter zwanzig Jahren.
Wir wollen noch die Geistlichen nennen des wiederaufgerichteten Jauernick – Cunnerwitzer Kirchenspieles, wie es vor hundert Jahren hieß. Der erste von ihnen war Pastor Johann Eduard August Hausser (1802-1880), ein Pfarrerssohnn aus Hünern, der bald auch das Amt des Superintendenten bekleidete. Er starb hier orts 78 jährig, nachdem er zuvor noch sein 50 jähriges Amtsjubiläum gefeiert hatte. Sein Nachfolger wurde 1881-1889 Pastor Wenzel Hermann Rambausek (1827-1891), aus Mähren gebürtig und ursprünglich katholischer Priester; an den Kriegen 1866 und 1870/71 hat er als Feldprediger teilgenommen. Er ist zu Görlitz verstorben. Auf ihn folgte Pastor Wilhelm Gottlob Julius Schmogro (1856-1916), der zuvor in Meuselwitz im Amte gewesen war. Er folgte später einem Ruf als Schloßprediger nach Heinrichau und als Superintendent des Kirchenkreises Frankenstein. Während seiner hiesigen Tätigkeit (1890-1904) wurde die Oberlausitzer Synodaldiakonie in Klein Biesnitz gegründet, die mit ihrer Schwesternschaft im Vorjahre nun bereits auf ein halbes Jahrhundert ihres Bestehens und segensreichen Wirkens zurückblicken durfte. Pastor August Friedrich Karl Demke (1864-1917), der Vater des gegenwärtigen Superintendenten in Görlitz, kam von Nieder- Kosel her in des hiesige Pfarramt, in dem er bis zu seinem plötzlich durch Herzschlag erfolgten Tode verblieb. Unter manchem Neuen in der Parochie, Erweiterung des Friedhofes, Ausbau gottesdienstlicher Einrichtungen in der Kapelle zu Jauernick u. a. ist vor allem der Bau des Diakonissenmutterhauses Salem in Klein- Biesnitz während seiner Amtszeit zu nennen. Sein Nachfolger wurde Pastor Paul Reinhold Winkelmann, geboren im Jahre 1874. Nach frührer vielseitiger Tätigkeit in anderen großen Gemeinden wurde er 1918 hierher berufen. In die Zeit seines hiesigen über 20 Jahre langen Wirkens fiel die schwierige wirtschaftliche Notzeit nach dem ersten Weltkriege und die nicht minder ernste, schwere Zeit des Kirchenkampfes nach 1933. In unermüdlichem Arbeitseifer hat er sich um Gemeinde und Synodaldiakonie verdient gemacht. Seiner Regsamkeit verdanken das stattliche Säuglings- und Entbindungsheim in Klein- Biesnitz und das dortige Altersheim „Gottessegen“ mit seiner Kapelle ihre Entstehung. Nun verbringt er seit 1940 mit seiner Gattin in Förstgen bei Niesky seinen Lebensabend, und beide haben in allen Prüfungen auch im Alter immer wieder Gottes barmherzige und treue Hilfe wunderbar erfahren dürfen. Die Bilder dieser Pastoren, zum Teil Geschenke des verstorbenen Landesältesten Walter Fünfstück, schmücken das Kunnerwitzer Gotteshaus. Alle diese Geistlichen waren Männer, die fest im Glauben und treu im Dienst standen nach dem Wort des Herrn; „Wie ein groß Ding ist` s um einen treuen und klugen Haushalter“ (luk.12, 42). Seit 1894 standen ihnen Vikare oder Diakone helfend zur Seite. Es mag noch erwähnt werden, daß sich allmählich Rauschwalde vom Kirchspiel abgezweigt und zur eigenen Kirchengemeinde entwickelt hat.
Nach der Emeritierung von Pastor Winkelmann wurde die Leitung und Verwaltung der Oberlausitzer Synodaldiakonie und des Diakonissenmutterhauses von der des hiesigen Pfarramtes getrennt. Vorsteher des Diakonissenmutterhauses ist seit 1940 Pastor lic. Wilhelm Kunze, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Provinzialsynode unseres Kirchengebietes ist. In der Verwaltung des Pfarramtes Kunnerwitz stehe seit 1940 ich, Bernhard Schaffranek, nachdem ich bereits über ein Jahr vikarisch hier tätig war. Während des Krieges vertrat ich in Friedersdorf und zeitweilig auch in Seidenberg.
Wir wollen auch nicht vergessen, unseren treuen Glöckner Zillinger zu erwähnen, der bereits fast 30 Jahre lang sein Amt versieht. Auch Friedhofsmeister Gustav Lange, der älteste gebürtige Kunnerwitzer, stellt schon jahrzehntelang seine Kräfte unserer Kirchengemeinde zur Verfügung, wie es früher sein Vater tat. Außer dem schönen Gotteshaus in Kunnerwitz besitzt unsere Gemeinde noch eine Kapelle in Jauernick-Buschbach, die im Jahre 1863 von einem frommen Ehepaar, dem Gutsbesitzer Carl Domsch und seiner Ehefrau Rahel, geb. Zillinger, dasselbst, gestiftet wurde. Sie diente zunächst Feiern bei Bestattungen, später auch Gottesdiensten an Festtagen und wieder später wurde mehrmaliger Gottesdienst im Monat eingeführt. Sie hat keinerlei Einkünfte und muß sich selbst durch Kollektenerträge und Opfer erhalten. Von außen schmucklose, macht sie doch innen einen freundlichen, würdigen Eindruck. Sie besitzt auch eine kleine klangvolle Orgel. Das Eintreffen einer für sie bestimmten alten Bronzeglocke aus dem Jahre 1523 mit der lateinisch abgefaßten Umschrift“ Zu Ehre und Lob des seligen Johannis des Täufers 1523“wird täglich erwartet. Das für die Glocke zu errichtende Türmchen wird der Kapelle auch äußerlich zum Schmucke gereichen und vielleicht kann, so Gott will, in einem halben Jahre zu Johannis des Täufers Tag die Einweihung gehalten werden.
Die Kirchengemeinde hat im Unterschied zu anderen Landgemeinden keine Pfarrwiedemut; diese ist dem katholischen Pfarramt in Jauernick verblieben; doch gehört der Kirche ein Hausgrundstück in Jauernick, auf dem die dortigen Küstersleute leben.
Die Struktur der Kirchengemeinde, die einst rein ländlichen Charakter hatte, hat sich im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt. Vor allem zeigt Biesnitz ein gänzlich verändertes Gesicht.
Aus den wenigen bäuerlichen Siedlungen mit insgesamt 260 Einwohnern vor 110 Jahren ist ein bevorzugter villenreicher städtischer Vorort erwachsen, der nun seit Wochen als politische Gemeinde dem Stadtbezirke selbst zugehört und gegen 2000 Einwohner zählt. Dies macht auch nötig, zu der seit über 30 Jahren schon bestehenden Gemeindeschwesternstation, der Biesnitz, Kunnerwitz und Schlauroth als Pflegebezirk gehört, vor 4 Jahren noch eine zweite Station einzurichten mit dem Wohnsitz der Gemeindeschwester in Schaulroth. Die Stationen sind besetzt mit den Diakonissen der Oberlausitzer Synodaldiakonie Emma Kopatschek und Bertha Gorlt. Der Religionsunterricht an den 4 Schulen, die in der Kirchengemeinde liegen, darunter die Zentralschule in Biesnitz, wird von drei Katecheten erteilt, von denen zwei, Fräulein Meya und Herr Kloss, in Görlitz wohnen. Katechet Altmann wohnt in Biesnitz; er übt auch seit dem Herbst v. Js. die Leitung unseres tüchtigen Kirchenchores aus, der trotz aller Arbeitsbelastung und den weiten, zumal im Winter oft recht schwierigen Wegen – zwischen der Landeskrone und den Jauernicker Bergen herrschen besonders viele und starke Stürme, sodaß über 3 m hohe Schneeverwehungen unweit der Kirche durchaus keine Seltenheit sind- regelmäßig mit großer Treue und Freudigkeit zusammenkommt. Den Organistendienst versieht in tief christlicher Auffassung bereits über ein Jahrzehnt an unserer Gemeinde Fräulein Lisbeth Krause aus Görlitz. In dem vor Jahresfrist in Groß- Biesnitz eingerichteten Heim der Inneren Mission werden regelmäßig Bibelstunden für die Glieder der Gemeinde abgehalten. Frauenabende schließen auf den Dörfern des verzweigten Kirchspieles während des Winters jeweils einen größeren Kreis von Frauen unter Gottes Wort und zu christlicher Lebensschau zusammen. Außerdem finden noch monatliche Zusammenkünfte von Frauenhilfe und Männerwerk statt. In den letzten Jahren ist eine recht lebendige junge Gemeinde voll Glaubensernst und Freudigkeit zum Zeugnis erstanden, die außer den Jugendstunden zu wöchentlicher Gebetsgemeinschaft zusammenkommt. Als Frucht des in diesem Sommer hier stattgehabten Kreisjugendtages hat sich eine Jungschar gesammelt. Ein Bläserchor ist in unserer Gemeinde eben im Entstehen begriffen, nachdem die lange schon bestellten Instrumente kürzlich eingetroffen sind.
Im Jahre 1945 war das kleine Kunnerwitz besonders stark mit Flüchtlingen angefüllt, sodaß auf 161 Einheimische über 1000 Flüchtlinge kamen. Da hat auch die Kirche ihr Möglichstes getan, um Hilfe zu bringen. Der Ortsgeistliche war zum Gemeindevorsteher und Standesbeamter gewählt und setzte seine Kraft ein, so gut er es vermochte. Auf der Pfarre lagen damals während des Frühlings und Sommers 31 Familien, das waren über 90 Personen im Quartier.
Gott hat die Kirchengemeinde im Laufe ihres Bestehens durch gute und böse Zeitläufe mit gleicher Vatertreue geführt. Er wollte seine Barmherzigkeit ihr auch künftig noch zuwenden. Die Gemeinde aber möge von Geschlecht zu Geschlecht bereit sein zum Dank. Wie schrieb doch vor Jahren ein einstiger Konfirmand der Kunnerwitzer Kirche in einem seiner Gedichte?
Unsere Väter kämpften wacker, gaben alles her;
Ließen Haus und Hof und Acker für die reine Lehr`.
Geht es auch durch Not und Leiden, fallen viele ab,
Nichts soll uns von Christus scheiden, Treue bis zum Grab.
(Schaffronek)
