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Fundstück: Gebelzig

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)

Gebelzig

Der Ort Gebelzig, 2 km von der Bahnstation Gröditz entfernt, liegt nahe der Stadt Weißenberg in einer Einsenkung der Hochebene südlich der hohen Dubrau. Das Dorf Gebelzig mit den Ortsteilen Groß – Saubernick und Sandförstgen zählt 1065 Einwohner, darunter 796 Evangelische. Es besitzt Kirche, Pfarrhaus, Friedhof und Gemeindeheim. Zur Muttergemeinde gehört Ober – Prauske mit 269 Evangelischen. Seit 1.4.1950 ist Jerchwitz, das bis dahin zu Gebelzig gehörte, nach Groß – Radisch umgepfarrt. Seit 15.7.1945 betreut Pfarrer Siegfried Liebig die Gemeinde. Er war von 1924 bis 1945 Pfarrer in Waldau O/L.

Die Kirche

Das Kirchengebäude steht auf einer Anhöhe in der Mitte des Dorfes. Die mit Sachkenntnis und strenger Gewissenhaftigkeit von Kantor Willy Schulze bearbeitete „Prediger – und Kirchengeschichte des Kirchenkreises Rothenburg I“ vom Jahre 1933 berichtete: „Wann unsere Kirche erbaut worden ist, wissen wir nicht“! Wie häufig bei den Oberlausitzer Kirchen, ist das Datum ihrer Entstehung nicht mehr zu ermitteln; denn eifrige Heimatforscher, die alle Ereignisse sofort schriftlich festlegen, sind zu allen Zeiten selten gewesen. Immerhin stammt die älteste Nachricht über das Gotteshaus aus der Matrikel des Bistums Meißen, d.h. etwa aus dem Jahre 1346. Gebelzig ist da als selbständiger Pfarrort angegeben, und das Einkommen des Priesters“ aus eigenem Besitz, aus den Zehnten und aus sicheren Opfern“ wird auf 7 Mark (im Jahre!) geschätzt. (Eine Mark Silber = 7 Rheinische Gulden). Eine Mark war in der Oberlausitz das Mindesteinkommen eines Priesters und bedeutete im 15. und 14. Jahrhundert den bäuerlichen Erbzins für eine deutsche oder zwei wendische Hufen. (Willy Schulze, S.38.) Bei Aussetzung des Dorfes nach deutschem Recht wurde in der Nordreihe der bäuerlichen Hufen ein Streifen für die Kirche und den Pfarrer bestimmt. Als der Aufbau des Dorfes (etwa im 13. Jahrhundert) beendet war, ging man an den Bau der Kirche und weihte sie dem heiligen Georg. Die geringen Ausmaße der Kirche, die dicken Mauern, der nach einem halben Achteck geschlossene und mit Strebepfeilern besetzte Chor, die fensterlose Nordseite und besonders das spätgotische Portalgewände mit plastischen Rosetten auf den kragsteinartig verstärkten Stürzen und der rundbogigen Umrahmung für Heiligenfiguren am Südeingange lassen vermuten, dass wir den ursprünglichen Unterbau vor uns haben. Als um 1899 die Treppe und das Fenster an der Nordseite durchgebrochen und die ganze Kirche erneuert wurde, entdeckte man unter dem abgefallenen Kalk eine rot – gelbe Bemalung, hinter dem Altar kam eine Stadt mit Zinnen und Türmen zum Vorschein. Diese Malerei stammt aus der katholischen Zeit. Ein größerer Umbau wurde bald nach 1700 ausgeführt. Von der Not des dreißigjährigen Krieges hatte sich das Dorf erholt; die Bevölkerung hatte zugenommen. Um für die große Zahl der Kirchenbesucher Platz zu schaffen, baute man die obere, vielleicht auch beide Emporen ein. Auf dem Stirnbalken der oberen Empore finden wir 17 HCC 03 AK eingehauen. Ähnlich der Schnitzerei an der Loge waren die Felder an den Emporen gemalt, wie noch heute an einem schwer zugänglichen Felde hinter der Orgel zu sehen ist. Um 1703 wird der Turm gebaut worden sein. Im Jahre 1950 wurde mit einem Kostenaufwand von etwa 9.000.-DM der Kirchturm in den schadhaften Teilen seines Balkenwerks erneuert und neu mit Schiefer gedeckt und verkleidet. Soweit nicht der alte Schiefer von 1864 verwendbar war, wurde neuer Schiefer aus Thüringen verwendet. Am 2.Juli 1950 fand die Feier der Aufsetzung des Turmknopfes mit neuer Fahne und neuem Stern statt. Auch das Kirchendach wurde erneuert. Für 1951 ist die Erneuerung des Außenabputzes und für 1952 ein neuer Innenanstrich der Kirche geplant.

Die Glocken

Der Stolz der Gemeinde sind die Bronzeglocken, die dank der Bemühungen von Pastor Harstick 1917 erhalten blieben. Sie sollen aus dem 14. Jahrhundert stammen und in der Glockengießerei Tetta hergestellt worden sein. Die große Glocke hat die Inschrift: o felix namque et sacra maria et omni laude dignissima, mit dem Marienstempel. Die kleine Glocke zeigt oben unter der Krone in Mönchsschrift: maria bite deyn Kinth vor uns, mariana bis genedic uns, als Worttrennung dient das Kreuzzeichen. Auch im letzten Kriege brauchten die Glocken wegen ihres Wertes nicht abgegeben zu werden. Am 3.8.1921 stand die Kirche in besonders schwerer Gefahr. Ungefähr 10 Minuten nach dem Abendläuten wurde schwacher Rauch bei den Schallöchern gesehen. Oben an Ort und Stelle fand sich, dass der Balken am südlichen Schalloch brannte. Mit mehreren Eimern Wasser konnte das Feuer gelöscht werden. Die Orgel wurde 1857 vom Kirchenpatron geschenkt. Vom 13. – 16.7.1926 konnte sie wieder instandgesetzt werden. Man ergänzte die fehlenden Prospektpfeifen und ersetzte ein stark beschädigtes Register durch ein neues. Die Beschädigungen der Orgel durch die Kriegshandlungen im April 1945 ließen sich vollständig beseitigen. Der Taufengel hatte schon jahrelang seinen Platz auf dem Kirchboden gehabt. Um die schöne Holzschnitzerei zu retten, wurde sie am 28.6.1924 als Leihgabe in das Stadtmuseum nach Bautzen gegeben, so wie im Raum für kirchliche Altertümer ausgestellt wurde. An der Südseite der Kirche liegen drei Grüfte. Unter der Loge befindet sich die Gruft der Herrschaft Steinoelsa. Daneben liegt die Gruft von Obergebelzig. Über die dritte recht kleine Gruft führt heute der Weg. Ende März 1963 erhielt die Kirche einen zweiten Kronleuchter.

Die Geistlichen

Die schon genannte Prediger – und Kirchengeschichte führt 21 Geistliche auf. Als letzter ist Heinrich Ernst Harstick genannt, der von 1892 bis 1937, also 45 Jahre, in Gebelzig amtierte und am 19. Januar 1946 in Ehrenhein bei Altenburg i.Th. starb. Aus der Zahl seiner Vorgänger ragt Pastor Matthäus Jockisch hervor, der von 1698 bis 1735, das sind 37 Jahre, im Amte war und sich durch seine Mitarbeit bei der Übersetzung der Bibel in die wendische Sprache bleibende Verdienste erwarb. Wer sich je daran wagte, ein Schriftwerk in eine fremde Sprache zu übersetzen, wird annähernd abzuschätzen vermögen, welche unsägliche Mühe und wie viel eiserner Fleiß aufgewendet werden müssen, um ein solches Werk zu gutem Ende zu bringen. Der Laie aber kann sich kaum eine rechte Vorstellung von dem Aufwand an Überlegung und schöpferischer Sprachgestaltung machen, den solche Arbeit erfordert. Die „Prediger – und Kirchengeschichte“ berichtet darüber: „Pastor Matthäus Jokisch hat mit Pastor Johannes Lange in Milkel, Pastor Johann Böhmer in Postwitz und Pastor Johann Wauer in Hochkirch zusammen die gesamte Bibel ins Wendische übersetzt. Diese Bibelausgabe hat folgenden Titel: Biblia, das ist die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments vormals ins Deutsche von D. Martin Luther, jetzt aber in die Oberlausitzische Wendische Sprache mit aller Treu und Fleiße von einigen evangelischen Predigern übersetzt. Budissin. Auf Verlag und Kosten David Richters, Buchhändlers, 1728. Die Maße des Buches betragen: Breite 16cm, Höhe 21 1/2cm, Stärke 13cm. Die Namen der vier Übersetzer, die auf der Titelseite fehlen, sind am Ende der wendischen Vorrede zu finden. In der deutschen Vorrede wird angegeben, wie gearbeitet wurde. Zunächst kamen die vier Geistlichen in Bautzen zusammen und teilten sich in die Arbeit. Jeder übersetzte zu Hause sein Stück. Bei der nächsten Besprechung wurden die übersetzten Stücke vorgelesen und genau auf Grund des Urtextes und der Übersetzung Luthers durchgesehen. Die ganze Arbeit war überaus mühsam. Sie begann am 14. April 1716; am 27.September 1727 konnten die letzten Kapitel gemeinsam besprochen werden. 45 Zusammenkünfte von zwei – bis drei tägiger Dauer waren nötig gewesen. In der Vorrede zu Langehansens Wendischer Postille von 1718 waren die Geistlichen, die ins Wendische übersetzte Teile der Bibel besaßen oder selbst Kapitel übersetzt hatten , gebeten worden, ihren Namen bei Herrn David Richter in Bautzen anzugeben. Wider Erwarten meldete sich niemand. Einzelne Teile der Bibel waren bereits früher in die wendische Sprache übersetzt worden. Freifrau Henriette Katharina geb. Freiin von Friesen auf Baruth, Rackel, Buchwalde, Kreckwitz, Ober – und Nieder Berthelsdorf und anderen Gütern, die Gemahlin des Landvogts Nikol von Gersdorff, hatte 1703 den Psalter übersetzen lassen. Auf ihre Veranlassung übertrug der Pfarrer Michael Frenzel in Postwitz 1706 das neue Testament ins Wendische. Diese Übersetzungen mussten gründlich überarbeitet werden, da sich Fehler eingeschlichen hatten und nicht immer der beste wendische Ausdruck gefunden worden war. Außer diesen Übertragungen von Teilen der Bibel ins Wendische standen noch Übersetzungen der Bibel in andere slawische Sprachen (slavonisch 1583; polnisch 1562, 1632, 1660; russisch 1705 und böhmisch) den Übersetzern zur Verfügung. Nachdem jeden eine Reinschrift seiner Aufgabe angefertigt hatte, wurden  die Arbeiten nochmals durchgesehen und die Schreibart nach Möglichkeit gleichartig gestaltet. Als Grundlage für die ganze Übersetzung diente die Wittenbergische Handbibel in Großoktavformat aus dem Wustischen Verlage. Die Arbeit ist nicht ohne Anerkennung geblieben. Wir erfahren z.B., dass die Stände den Übersetzern 100 Rthr. zur Verehrung überreichten. Am Himmelfahrtstage 1928 wurde in schlichter Weise der Bibelübersetzer im Gottesdienste gedacht. Als Herr Pastor August Harstick im Jahre 1937 nach 45 jähriger Amtstätigkeit in den Ruhestand trat, übernahm Herr Pastor Paul Wolf, der jetzt in Groß – Biesnitz bei Görlitz lebt, von Buchholz aus die Verwaltung des hiesigen Pfarramts. Im Jahre 1945 wuchs die Seelenzahl erheblich durch den Zustrom aus den Ostgebieten. Diese neuen Mitglieder der Kirchengemeinde machten anfänglich mehr als ein Drittel der Seelenzahl aus. Infolge geringer Arbeitsmöglichkeiten macht sich jetzt eine Abwanderungsbewegung bemerkbar. Unsere Neubürger bedeuteten nicht nur eine zahlenmäßige Vermehrung der Gemeinde, sondern auch einen innerlichen Gewinn, da ein großer Teil von ihnen rege am kirchlichen Leben teilnimmt in Gottesdienst, Frauenhilfe und junger Gemeinde. Sie stammen zumeist aus den Kreisen Goldberg, Oels und Guhrau. Hinsichtlich des inneren Lebens der Gemeinde ist freilich neben lobenswerter Treue über viel Lauheit zu klagen. Erfreulich ist, dass sich die Abendmahlsziffer, die mit zu den höchsten im Kirchenkreise gehört, in den letzten Jahren gehalten hat. Sie beträgt fast 50%. Das zusammenleben mit den Katholiken, deren Zahl sich seit 1945 verzehntfacht hat, und mit den etwa 50 Mitgliedern der altlutherischen Gemeinde in Weigersdorf ist friedlich. Alle 14 Tage findet in unserer Kirche katholischer Gottesdienst statt.

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