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Kirchen: Alles schick. Turmeinweihung in Friedersdorf am 24. Oktober

In der Barockkirche St. Ursula in Friedersdorf wird am Sonntag die Beendigung des 1. Bauabschnittes der Kirchensanierung gefeiert.

Kirchen: Alles schick. Turmeinweihung in Friedersdorf am 24. Oktober

Ulrich Schubert (li) und Wilfried Renger erklären die Sanierungsarbeiten

Von Bettina Ernst-Bertram

„Beim Bauen kommt‘s auf das Bringen, die richtigen Leute und das Wollen an“, sagt Ulrich Schubert aus der Kirchengemeinde. In dem Ort unterhalb der Landeskrone scheint es davon genug zu geben. Bis hoch zur Wetterfahne ist in elfmonatiger Bauzeit alles schön und denkmalgerecht saniert worden, das Tragwerk des Turmes ist erneuert, das Mauerwerk in Ordnung gebracht, die Bälgekammern der Orgel renoviert. 200.000 Euro hat alles gekostet, erzählt Wilfried Renger, der Chef des rührigen Kirchbauvereins, den es seit 2007 gibt. Pfarrer Andreas Bertram kann sich auf seine Leute verlassen. So ähnlich stand es jüngst in der Zeitschrift „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu lesen, die den Bau neben vielen anderen Spendern auch mit förderte. Nun strahlt der weiße Kirchturm weit ins Land hinein. 

Feuer und Flamme

Zuletzt wurde noch der Blitzschutz am Turm angebaut. Denn ohne den hat hier 1661 schon mal der Schlag die Kirche getroffen, die daraufhin völlig ausbrannte. Sie wurde dann bis 1663 völlig neu errichtet. Aber 100 Jahre später brannte der Turm noch einmal, ergänzt Ulrich Schubert: Funkenflug vom Gerichtskretscham hatte ihn erwischt. Und vorher brannte das Pfarrhaus, und die 4600 Bücher umfassende Bibliothek des damaligen Ortspfarrers ging unwiederbringlich in den Flammen verloren. Diese Gefahr hat sich tief in die kollektive Erinnerung eingebrannt. Der Gottesdienstbesucher kann von der Kirchenbank aus im Bogen zum Chorraum lesen: „Das Feuer ist angegangen durch meinen Zorn“ (5. Mose 32.22), aber rechts steht: „Aber die Güte des Herrn ist‘s, dass wir nicht gar aus sind. Und seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende“ (Klagelieder Jeremia 3.22).

Pauken und Trompeten

Wenn am Sonntag Kirchweih ist, zieht die 300-Seelen-Gemeinde alle Register. „Ohne die über die Maßen einsatzfreudigen Kirchenältesten, die überall mit anpacken und immer jemanden kennen, den man noch fragen könnte, ginge hier nichts“, sagt Bertram. Festlich wird es werden, denn da sind auch der Posaunenchor, den die Gesundheitsmanagerin Lydia Gäbler (24) leitet, und der gemeinsame Kirchenchor der Nachbargemeinden Friedersdorf und Gersdorf unter der Leitung der Kantorin Martina Kroll-Hurtig dabei. Und es reist extra auch das Kirchenorchester aus Görlitz an, quasi als das Sahnehäubchen auf der Torte. Klar ist auch, dass der Frauenkreis am Kirchweih-Sonntag nachher an der Kuchentafel Regie führt. Die ortsansässigen Unternehmen beteiligen sich finanziell.

Ulrich Schubert ist im geschichtsbewussten Friedersdorf besonders für historische Funde zuständig, denn er ist immer auf Spurensuche, forscht in Archiven und hält die Gemeinde darüber auf dem Laufenden. Zum 350. Kirchenjubiläum in zwei Jahren wird Schubert mit einem Team eine neue Dorf- und Kirchengeschichte herausbringen: Zwei Friedersdorfer Pastoren haben den Ort an der Landeskrone in der Oberlausitzer Gelehrtenlandschaft besonders bekannt gemacht. Der eine ist Christian Knauthe (1706 – 1784), der hier 42 Jahre Pfarrer, Forscher und Wissenschaftler war und u.a. eine Enzyklopädie der Sorabistik schrieb. Der andere Pfarrer war Gottlieb Friedrich Otto (1751-1815), der ein dreibändiges Schriftsteller- und Künstlerlexikon der Oberlausitz herausgegeben hat.

Chagall und heimatliche Talente

Derzeit arbeitet die Gemeinde auch an einem Buch mit zahlreichen Texten zu den Emporenbildern der Barockkirche. Beflügelt wurde der Gemeindekirchenrat durch eine Ausstellung mit großformatigen Chagall-Drucken, die hier 2006 innerhalb von 14 Tagen über 3000 Besucher in die Dorfkirche lockte. Chagalls Farblithografien korrespondierten auf eigentümliche Weise mit den eigenen Emporenbildern, die Zeugnisse tiefer Frömmigkeit sind, fanden die Einheimischen. Hiob mit dem brennenden Haus, der Harfe spielende König David oder die Hand Gottes, die von oben selbst das Feuer auf den Altar hinunterreicht, das sind die Themen der Bilder. Donnerstags erkundet Andreas Bertram mit dem Bibelkreis, welche Botschaften die Altvorderen an den Emporen verewigt haben. „Es sind zwar ungeübte heimatliche Talente“, sagt Ulrich Schubert, „aber die Bilder sprechen tief innen an wie eine Bilderbibel“. Er erinnert sich, wie er neben seinem Großvater mit auf der Kirchenempore saß und während der Predigt fasziniert auf die Bilder geschaut hat, „meist auf die beiden Weihnachtsbilder, ich kenne sie auswendig“, sagt er.

Foto: B. Ernst-Bertram

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