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Fundstück: Ebersbach

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. (Artikelreihe in "Die Kirche", 1950 bis 1952)

Ebersbach

Lage und Größe.

Das stattliche, als ein Musterdorf geltende Bauerndorf Ebersbach, erste Bahnstation auf der Strecke Görlitz - Weissenberg /Sa., liegt wie das etwa gleich große zum selben Kirchspiel gehörige Girbigsdorf im lieblichen Schöpstal. Das langgestreckte Zeilendorf ist von Görlitz getrennt durch eine Hügelkette, auf der die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee verläuft. Anheimelnde Fachwerkshäuser begleiten zu beiden Seiten das freundliche Flüsschen. Es "entspringt", wenn man das Springen nicht wörtlich nimmt, in der flachen Mulde zwischen Landeskrone und Jauernik, um sich später als Weißer Schöps in stillen Heideteichen zu verlieren, und dann, von neuem gespeist, als Schwarzer Schöps zwischen Bärwalde und Sprey in die Spree zu ergießen. Seit 1770 ging die Poststraße durch Ebersbach. Sie führte von Görlitz über Liebstein, Torga nach Niesky, Muskau und in die Niederlausitz. In alten Nachrichten wurde sie die Hoyerswerdische Straße genant, heute kurz die Alte Straße".
Der Name Eberhardsbach oder Ebersbach stammt vermutlich von dem Erbauer des Dorfes, einem deutschen Ritter, der den Ort im 10. oder 11. Jahrhundert angelegt haben mag. Zum ersten Male wurde Ebersbach am 2.10.1285 urkundlich erwähnt. In der Matrikel des Bistums Meißen wurde 1346 noch Ebersbach, später Ebersbach, 1612 aber schon Ebersbach wie heute geschrieben. Der Name des Baches Schöps ist jüngeren Ursprunges. Früher hieß er die,“ Spree“ die „faule Spree“ oder einfach das Ebersbacher Wasser.

Ebersbach zählt rund 1050 Einwohner, wovon 980 der evangelische Kirche anzuhören. Das in Ebersbach eingepfarrte Girbigsdorf mit Rosenfeld hat rund 1000 Einwohner mit 930 Evangelischen. Die Muttergemeinde Ebersbach besitzt Kirche, Friedhof und Pfarrhaus, wo Pfarrer Friedrich Kulke, früher in Bischdorf O/S, seit 2. Mai 1933 seines geistlichen Amtes waltet.
Girbigsdorf hieß 1282 Gerwikesdorf, wahrscheinlich nach seinem Begründer.
Uralte Flurnamen wie Rosenfeld, am Stadtgraben, die Jäckelsche Scheibe verraten dem Einheimischen mancherlei. Die Bezeichnung “Weg an der Furt“ und die Steinbrücke im Obersdorf, die bei jedem Hochwasser überflutet wird, deuten darauf hin, daß hier in alten Zeiten eine Furt durch den Schöps führte. Auf Girbigsdorfer Flur steht noch jetzt am Stadtwege beim Bahnübergang ein Sühnekreuz zur Erinnerung daran, daß am 15. Dezember 1666 ein Herr von Salzen hier von einem Herrn von Schachmann erschossen wurde.

Geschichte

Aus der Geschichte der Oberlausitz und ihrer Kirchengemeinden erfahren wir, daß die Ebersbacher Kirche, der Heiligen Babara geweiht, aus dem 13. Jahrhundert stammt. Die Reformation, die um 1525 in Görlitz ihren Einzug hielt, wird 1540 in Ebersbach durchgedrungen sein. Die Kirche besaß damals allgemein in unserem Lande großen Einfluß, das ganze Leben in Stadt und Land war von ihr erfüllt. Man war der katholischen Lehre, dem Papste, Bischofe, dem Pfarrer, den Mönchs und Nonnenklöstern sehr ergeben, wer einigermaßen kapitalkräftig war, schenkte und testierte an die geistlichen Institute. Die Verfassung der Kirche war wohl geregelt. Von Meißen und Bautzen aus fanden von Zeit zu Zeit kirchliche Visitationen statt, die freilich die weltlichen Behörden nicht gern sahen und denen sie durch “Ehrungen“ zu begegnen suchten. Die Gewalt der geistlichen Personen war groß, sie verhängten nur zu leicht auch bei weltlichen Zwistigkeiten den Kirchenbann, und da mußte die Obrigkeit alle Hebel in Bewegung setzen, um aus diesem Interdikte, das die gläubige Volksseele in einen unerträglichen Zustand versetzte, herauszukommen. Von den reformatorischen Bewegungen, wie sie das benachbarte Böhmen durchschütterten, findet sich in der Oberlausitz nicht die geringste Spur, vielmehr war man voller Abscheu gegen die ketzerische Begegnung, suchte ihr mit allen Mitteln zu steuern und stellte lieber die eigene Existenz aufs Spiel, als daß man von dem katholischen Glauben irgendwie abging.
Die Reformation hat, wie oben erwähnt, erst 1540 in Ebersbach Eingang gefunden. Der erste bekannte evangelische Pfarrer war Valentin Fischer aus Görlitz.

Die Kirche zu Ebersbach

Die Kirche wird 1346 zum ersten Male erwähnt, das Jahr ihrer Erbauung ist unbekannt. 1426 wird der damalige Pfarrer von den Hussiten erschlagen. Er soll ein Bruder des von den Hussiten vertriebenen Besitzers von Ebersbach gewesen sein. 1443 wird die Kirche der Heiligen Babara geweiht. Noch heute ist ihr Bild im Kirchensiegel. 1445 wird ein neuer Hauptaltar aufgerichtet, der auch das Bild der Heiligen Barbara trug. Dieser Altar hat bis 1723 gestanden, als der noch jetzt stehende von Frau Martha von Einsiedel der Kirche geschenkt wurde. Daneben hat es noch andere Altäre in der Kirche gegeben.
So war die Kirche gewachsen und schön geworden, innen und außen. Und sie wurde berühmt. Ihre wunderbare Bewahrung im Hussitensturm, ihre Weihe, ihr schöner Bau und ihr reiches Innere gingen im Munde der Leute weiter und weiter. Es gab damals noch nicht viele Kirchen. Und so schöne und ehrwürdige Kirchen gab es nur ganz selten. Man wollte diese Kirche sehen. Man wollte eine Wallfahrt dahin machen, denn die Heiligen dieser Kirche galten etwas. So hören wir in der Kirchenchronik von diesen Wallfahrten. Die Görlitzer kamen nach Ebersbach, sogar aus Forst strömten Wallfahrer herbei. Die ganze Umgebung wird die Kirche besucht haben. Besonders auffällig aber muß der Besuch aus Rothenburg gewesen sein, denn der Weg, den die Rothenburger nach Ebersbach benutzten, hieß bald der Rothenburger Kirchsteg und der obere Eingang in den Kirchhof das Rothenburger Kirchtürmel.

1491 ist der Pfarrer Martinus auf dem Stadtwege erschlagen gefunden geworden. Daraufhin wurde über Görlitz, Lauban, Reichenbach und Löbau ein Interdikt verhängt und eine scharfe, aber vergebliche Untersuchung durchgeführt. Eine besonders glückliche Zeit begann für die Kirchengemeinde Ebersbach, als1584 Hiob von Salza das Rittergut kaufte. Er war ein reicher und bedeutender Mann, der allgemein geachtet wurde. Er war kaiserlicher Rat und 30 Jahre hindurch Landesältester des Fürstentums Görlitz und zuletzt Amtshauptmann von Görlitz. Wegen seiner Frömmigkeit erhielt er den Beinamen“ der Fromme“. Er hat der Kirche den wertvollen Taufstein geschenkt, er ließ eine dritte Glocke gießen und den Kirchturm um 15 Ellen erhöhen. Er ließ die neben der Sakristei gelegende Gruft erbauen und die darüber befindliche Kapelle. Er hat die beiden Kaplanshäuschen bauen lassen, die noch heute am Aufgang von der Dorfstraße nach dem Pfarrerhaus stehen. In ihnen wohnte der Kaplan, der Kunnersdorf verwaltete, das damals kirchlich mit Ebersbach verbunden war.

Im Dreißigjährigen Kriege(1618- 1648) wurde die Kirchen sieben Mal geplündert. 1757 und 1773 wurde sie vom Blitz getroffen, der aber nicht zündete. Er erschlug das erste Mal einen Läutejungen und das zweite Mal einen jungen Mann während des Nachmittagsgottesdienstes. Die Pest ging durch die Gemeinde. Dazu kamen immer wieder große Plagen durch Ungeziefer. Sogar Heuschreckenschwärme fielen dann und wann in unsere Heimat ein. Die Luft war ganz erfüllt von der großen Menge dieser Insekten, die viel Schaden anrichteten. Man machte lange Gräben, in welche man sie mit Maireisen trieb, um sie zu vertilgen. Besonders schrecklich waren die Jahre des Siebenjährigen Krieges (1756- 1763).

Die Plünderungen und Drangsalierungen nahmen kein Ende. Am Schluß des Jahres 1758 schrieb der damalige Pastor Günzel in das Kirchenbuch: “Die Furagierung nahm die Zukost und das Brot, die Plünderung das Kleid. Wo soll der Arme bleiben? Hilf uns, Herr Jesu, selbst in dieser großen Not. Du kannst der Feinde Wut durch Deine Macht vertreiben.“ Und darunter: “In diesem Jahre haben wir vieles ausgestanden. Aber Gott hat uns alle Zeit durchgeholfen. Ihm sei die Ehre!“ Auch 1813 brachen plündernde Horden in die Kirche ein, stiegen in die Gruft derer von Salza, erbrachen die Särge und nahmen alles Wertvolle mit. Noch einmal kam die Kirche in Gefahr und zwar im Frühjahre 1945. Bomben flogen über sie weg und krepierten am Bahndamm. Und am 7. Mai, einen Tag vor dem Waffenstillstand, wurde sie von einer Granate getroffen, doch war der Schaden gering.
Wunderbar hat Gott, der Herr, unsere Kirche durch mehr als 600 Jahre behütet.

Auch in ihren Baustilen verkörpert sich die Reihe der Jahrhunderte, die Kirche durchlebt hat. Der Stil des Hauptbaues ist gotisch, aus der Zeit der Renaissance stammt ein wesentlicher Teil des Turmunterbaues, Barock ist der weit in die Ebene schauende Turm. Wahrhafte Kunstwerke der Renaissance sind die Grabmähler der Familie von Salza, aus der Zeit des Barock stammender Altar und die Kanzel. Man nimmt an, daß die Kirche in zwei Abschnitten gebaut worden ist. Welcher Teil der ältere ist, läßt sich heute kaum feststellen.
Es bleibt zweifelhaft, ob das Kirchenschiff mit dem Kreuzgewölbe und dem Turm oder der Altarraum mit dem Netzgewölbe zuerst gebaut worden ist. Schlußrosetten hoch oben an der Decke des Altarraumes und steinerne Köpfe am Anfang der Bogenrippen sind Zeugen Kunstvoller Steinmetzarbeit.

Welch wundervolles Bild bietet das Kirchenschiff mit der hochragenden Säule, die wie ein Palmenbaum das Dach trägt. In Spitzbögen streben die Fenster empor. 1946 und 47 wurden sie von Kunstmaler und Glasbildner Walter Deckwarth, Görlitz, völlig neu verglast, da sie in den letzten Wochen des Krieges schwer gelitten hatten. Dm. kostete 5000 die Instandsetzung. Der Altar, 1723 erbaut, aus Holz geschnitzt, trägt in der Mitte das Kreuz mit dem Gekreuzigten. Ringe um das Kreuz stehen 4 Gestalten: Mose und Aaron, Petrus und Paulus. Die Kanzel mit dem auferstandenen Christus stammt aus demselben Jahre. Vor dem Altar steht der Taufstein, von Hiob von Salza der Kirche geschenkt, aus Sandstein gehauen, mit dem Bildern der Geburt Christi, der Flucht nach Ägypten, der Taufe Jesu und der Segnung der Kinder geschmückt.

Bemerkungswert an den Wänden des Altarraumes sind die sechs steinernen Köpfe, zum Teil seltsam und fast zum Fürchten. Ob sie Dämonen darstellen sollen, die man in die Kirche gebannt hatte, damit sie als Besiegte den Gläubigen nicht mehr schaden könnten, ob sie menschliche Laster und Leidenschaften darstellen sollen … den offenen Mund mit der herausgestreckten Zunge könnte man als Klatschsucht deuten, die schön gedrehten Löckchen bei einem anderen als Eitelkeit …; ob sie Abbildungen von damals lebenden Gemeindegliedern sind, ob sie vielleicht gar nur Lastträger bedeuten, die das Kirchengewölbe tragen? ...

Die Tragekissen auf einzelnen Köpfen lassen darauf schließen ebenso wie die unter der Last verzerrten Gesichter (Sie mußten verhaßten Dienst verrichten, wie etwa die Wasserspeier an mancher Kirche). Alle vier Deutungen haben etwas für sich. Und doch bleibt uns der letzte Sinn der sechs steinernen Köpfe heute verschlossen.
Wundervoll wirken auf jeden stillen Betrachter die Grabmäler der Familie von Salza in der Seitenkapelle. Ihre Bilder und Inschriften sind jedem eine Predigt, der sie nachdenklich beschaut.

1908 fand eine durchgreifende Erneuerung der Kirche statt. Die Kosten betrugen 24.000 Mark. Neues Gestühl wurde beschafft. Ein neuer Gang, der sogenannte Brautgang, wurde von der Haupttür bis zum Altarplatz angelegt. Vorher hatte es nur die beiden Seitengänge gegeben. Der Altarplatz wurde um zwei Stufen tiefer gelegt und mit neuen Granitplatten gepflastert. Der Pfeiler und alle anderen Bildhauerarbeiten, vor allem die Grabmähler der Familie von Salza, wurden von Fachleuten verständnisvoll überholt und wie neu wiederhergestellt.
An dem hohen Mauerbogen zwischen Kanzel und Altar kam ein kunstvoller Stammbaum zum Vorschein, der früher mit Kalkfarbe überstrichen worden war. Altar und Kanzel wurden auseinander genommen, nach Breslau geschickt und dort erneuert und aufgefrischt. Der Läuteboden wurde in die Höhe der Orgel gelegt. Bis dahin war in der Eingangshalle geläutet wurden. Eine neue Orgel wurde gebaut.

So ist seitdem unsere Kirche wieder eine der schönsten Dorfkirchen der Oberlausitz geworden. Möchte ihr nur der beste Schmuck nicht fehlen, eine Gemeinde, die hier dankbar und froh Gottes Wort hört.

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