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Fundstück: Daubitz

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC. 30.12.1950.

Kirchengemeinde Daubitz

Das 3,5 km von der Bahnstation Rietschen entfernt liegende Kirchdorf Daubitz hat 1346 Einwohner, darunter1264 Evangelische. Es besitzt Kirche, Friedhof und Pfarrhaus. Die Dorfflur ist ein Teil des Moortales, das sich vom Flussgebiete des Schöps nach Osten über die Neiße bis zur Tschirne fortsetzt.

Der Name Daubitz, wendisch Dube, stammt von dub = Eiche und bedeutet „kleiner Eichbusch“ oder Eichgrund. In der Mitte des Dorfes verbreitert sich die Dorfstraße zu einem geräumigen Platze, an dessen Südseite erhebt sich als größter Schmuck des Dorfes auf einer Anhöhe, umgeben vom Friedhofe, die Kirche mit einem schlanken Turm. Sie ist die dritte, die an dieser Stelle steht. Das erste Gotteshaus stammte aus der Mitte des 13.Jahrhunderts und wurde 1409 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Alte Görlitzer Gerichtsbücher berichteten nämlich: „Andres, der alte Richter von Dubczk (Daubitz), ist geheischen von Seiten des Heinrich Rackel wegen frevil et wegeloge (Wegelagerei) mit 12 aus eynem andern Lande, weil jener ihn auf dem Wege zur Kirche überfallen hatte“ (Prov. Jecht). Diese alte Holzkirche wurde im Jahre 1651 abgebrochen und im gleichen Jahre von Grund auf aus Holz und Fachwerk neu aufgeführt, aber erst 1713/14 mit einem Turm versehen. 1911 war sie so baufällig geworden, daß sie polizeilich geschlossen werden mußte. Die gottesdienstlichen Handlungen mußten nun im Speisesaal des Schlosses zu Daubitz stattfinden, für den westlichen Teil des Kirchspiels im Saale des Gasthofes und in der Schule zu Rietschen. Am 14.Januar 1914 läuteten die Glocken der Kirche, die nun abgebrochen wurde, zum letzten Male auf dem alten Turme. Sie wurden unter freiem Himmel im Pfarrgarten aufgehängt.
Am Himmelfahrtstage 1914 wurde der Grundstein zum Neubau gelegt und in zwei Jahren trotz des Weltkrieges der Bau vollendet, sodaß er am 12.April 1916 eingeweiht werden konnte. Der in lichten Farben gehaltene Innenraum birgt als wertvollsten Schatz den aus der alten Kirche übernommenen holzgeschnitzten Altar, der aus der Mitte des 17.Jahrhunderts stammt. Das prächtige Werk der Spätrenaissance zeigt von unten nach oben das Abendmahl, die Kreuzigung, die Auferstehung Christi und zu oberst Christus als Weltenrichter. Die Kanzel ist ein Meisterwerk der Holzschnitzkunst vom Jahre 1678. Über dem neuen Taufstein schwebt ein meisterlich geschnitzter Taufengel. Der vergoldete Abendmahlskelch eines Nürnberger Meisters ist ein Geschenk des Hans von Rackel aus dem Jahre 1613. Der bis dahin gebrauchte Kelch wurde 1611 gestohlen. Die Kirche zeigt an der Außenmauer zahlreiche alte Grabsteine, die von den Lebensschicksalen alter Geschlechter der Daubitzer Gemeinde zeugen. Die Glocken, die das Leben vieler Geschlechterreihen mit ihrem Klang begleiteten, haben selbst ein wechselvolles Schicksal gehabt. Die kleine Glocke mit dem Brustbilde eines Bischofs und dem Bilde eines Reiters hat ein sehr hohes Alter und stammt wohl aus dem 13.Jahrhundert. Die größere wurde 1729 angeschafft, zersprang zwei Mal und wurde immer wieder erneuert.

Sie trug folgende Inschrift:

Ich rufe dich zu deines Gottes Verehrung,
Und zur Hilfe deinen Bruder in der Not,
Ich mache dir bekannt den schnellen Gang der Stunden,
Verkündige der Menschen Hinfälligkeit,
Und begleite dich mit ernsten Tönen zu deines Grabes Ruh.

Im Jahre 1897 mußte die Glocke durch eine neue ersetzt werden. Die mittlere Glocke wurde erst im 19.Jahrhundert angeschafft.

Das älteste Kirchenbuch berichtet von 1589 bis 1755 viel Trauriges und weniges Erfreuliche aus der Vergangenheit der Kirche und ihrer Gemeinde. Es weiß zu erzählen von Zeiten der Not und Armseligkeit im 30jährigen Kriege, als der Pfarrer zeitweise ohne Einkünfte war. Es berichtet von zahlreichen Einbrüchen in die Kirche, die sie kostbarer Gegenstände beraubten, von Blitzschlägen in Kirche und Turm, die aber zum Glück nicht zündeten, von dem baufälligen Zustande des Gotteshauses, dem die arme Gemeinde nicht abzuhelfen vermochte. Auf den alten Chronikblättern lesen wir gruselige Geschichten von Selbstmördern, die unter dem Galgen verscharrt oder heimlich an der Mauer des Kirchhofes begraben wurden, von Kindesmörderinnen, die ihre Freveltat mit dem Tode büßen mußten, von den schlecht besuchten Kirmespredigten, die in der Mitte des 18.Jahrhunderts um Mitternacht abgehalten werden mußten. Ausführlich ist über den 70.Jahre währenden Streit um die Unterhaltung des Teichaer Kirchweges, von den adligen Schutzherren der Kirche und von den Lebensschicksalen ihrer Geistlichen berichtet. (Nach einer handschriftlichen Chronik von Daubitz von Frau Pastor Rümpler).

Die ersten geschichtlichen Nachrichten von Daubitz stammen aus der Zeit um 1400. Ursprünglich war es ein wendisches Dorf, um 1200 wanderten deutsche Bauern ein und gestalteten es nach ihrer Weise um. Die neuen Ansiedler zwangen den Schöps in sein Bett, leiteten den Dorfgraben ab, beugten dadurch Überschwemmungen vor und gewannen Raum für Gehöfte, Äcker, Wiesen, Teiche und Mühlen. 1416 hat man einen Daubitzer wegen Diebstahls in Görlitz gemartert und gehängt. Hans von Rakel auf Daubitz war 1428 im Bunde mit Görlitz gegen die Hussiten. Die Bewohner unterstanden bis 1547 dem Obergericht der Stadt Görlitz, deren Gerichtsbücher geben daher Kunde aus jener Zeit. Im Jahre 1409 wurde der Besitzer von Rabenau auf Rietschen bei der Stadt verklagt, weil er Heinrich von Rakel blutig geschlagen hätte. 1429 zeigten sich die Daubitzer aufsässig und wollten keine Steuern bezahlen, weshalb die Gemeinde vor das Gericht in Görlitz geladen und in die Acht erklärt wurde. Im Hussitenkriege gebot die Stadt Görlitz den Bauern zu Daubitz, eine Wehrmacht zu stellen, bestehend aus 2 Hauptleuten und 41 Mann, die mit Dreschflegeln, Armbrüsten und Spießen bewaffnet sein und 2 Wagen mitführen mußten.
Daubitz muß damals schon ein bedeutendes Bauerndorf gewesen sein, das aus etwa 41 Häusern mit 200 bis 300 Einwohnern bestand. In der Raubritterzeit um 1500 wird Kaspar von Rakel auf Daubitz beschuldigt, er habe mit anderen Spießgesellen „beym Newnhammer eine frau und einen jungen angebunden und in genommen ein horband und etzlich leynyngerethe“. Unter den Drangsalen des 30jährigen Krieges muß Daubitz viel gelitten haben, denn als die Kirchenväter 1636 Rechnung legen sollten, waren ihnen ihre Aufzeichnungen durch Plünderungen verloren gegangen. Die Durchzüge der preußischen Truppen nach Böhmen in den Jahren 1742 bis 1745 brachten den Bewohnern schwere Lasten und Bedrückungen, selbst die Kirche mußte ein Brandschatzungsgeld abliefern. Von schweren Unwettern, die Daubitz heimsuchten, wird seit 1735 öfters berichtet. Anhaltende Regengüsse im Oberlaufe des Schöps führten in den Jahren 1735 und 1736 große Überschwemmungen herbei. 1740 vernichtete ein furchtbarer Hagelschlag im Juni die Ernte und tötete viele Vögel. 1741 war so große Nässe und Kälte, daß die Bäume erst Ende Mai ausschlugen und im Herbste das Obst nicht reif wurde, sondern auf den Bäumen erfror. Das schlimmste Urteil brachte das Jahr 1766, worüber das Kirchenbuch folgendes berichtet: „In der größten Kornernte regnete es etliche Tage zuvor sehr stark, daß sich alle Gewässer um Daubitz herum ergossen, und fiel zwischen Thiemendorf und Rengersdorf ein Wolkenbruch, da wurden oben runter alle Teiche mit losgerissen, das die Karpfen im Dorffe geweltzet kamen, ja alle Gärten waren voll Fische.
Das Wasser kam nicht nur gelauffen, sondern 48 Stunden lang wie Bierviertel geweltzet, und wenn auf dem Turm es besahe, so habe man von der Heyde an bis Teicha nichts als lauter Wasser gesehen. Bey der Oberschmiede brach es aus, hintenweg durch alle Felder und Getreyde durch und ist drei Mal 24 (Stunden) lang über den Jänschen Berg hinübergelauffen, mußte auch Wasser-Sturm geschlagen werden. Es kam Sonntags nachmittags um 3 nach Daubitz. Undt Dienstags fing es an zu fallen, dergleichen ist bei Menschengedenken nicht gesehen worden, und5/4 Ellen ging es durch die Schulstube und gantzen Gebäude durch.“
Im Jahre 1793 war ein furchtbar schweres Gewitter, das von Donnerstag früh bis Freitag früh dauerte. Es folgte Schlag auf Schlag, daß man glaubte, der Jüngste Tag käme.

Wann die Reformation in Daubitz Einzug gehalten hat, steht nicht fest. Es scheint, daß die Gemeinde im Jahre 1540 evangelisch geworden ist. 1527 wird ein Simon Lehmann von Bautzen als Pfarrer genannt, doch ist ungewiß, ob er schon evangelisch gewesen ist. Am 8. August 1543 wird Sebastian Matisschintz, gebürtig aus Strade bei Vetschau, unmittelbar von der Universität weg zu Wittenberg für Daubitz ordiniert, am 22.Oktober 1544 Clemens Piso von Vetschau, vorher Schulmeister zu Daubitz, am 2.September 1545 Magister Simon Sinapius von Zwickau, und am 21 April 1546 Thomas Zernick von Baruth, Schulmeister daselbst.
Seit 1.September 1936 amtiert Pfarrer Helmut Reese an der Kirche, der außer seinem umfangreichen Pfarramt noch das Amt eines Konsistorialrats beim Konsistorium der Evangelischen Kirche von Schlesien in Görlitz versieht. Wie groß und verzweigt das Kirchspiel Daubitz ist, geht aus der Tatsache hervor, daß die Ortschaften Neuhammer, Teicha, Tränke und Nieder-Spree noch dazu gehören und außerdem die Filialgemeinde Rietschen mit Ortsteilen Nieder- Prauske und Werda und die Ortschaften Hammerstadt und Neuliebel.

Über Rietschen wird das Gemeinde- ABC später unter „R“ berichten.
Über die Orte Neuhammer, Teicha und Tränke sei aus dem Heimatbuch des Kreises Rothenburg O/L von Robert Pohl kurz folgendes wiedergegeben:

Neuhammer
Neuhammer, wendisch Nowy Hammor, liegt an der Chaussee zwischen Daubitz und Rietschen. Hier bestand schon vor 1500 ein Eisenhammer am Neugraben, zuletzt eine Mahlmühle, die nicht mehr vorhanden ist. Es ist mit 390 Einwohnern das größte der zu Daubitz eingepfarrten Dörfer. Nach Prof. Jecht kaufte 1486 der Rat zu Görlitz Neuhammer nebst Prauske und etlichen Bauern zu Daubitz.

Teicha
Teicha liegt am Nordrande des Teichaer Hügelzuges. Die Hügel sind reich an Lehm und Töpferton, weshalb im Dorfe zwei Töpfereien betrieben wurden. In einer Ortsbeschreibung vom Jahre 1841 berichtet Kantor Wendt in Daubitz von besonderen Volkssitten in Teicha. Er erwähnt das lustige „Wurstkreisen“, d.h. das Herumspringen der Kinder um ein Haus, in dem ein Schwein geschlachtet wurde. Auch hat sich in Teicha die Gewohnheit erhalten, daß bei Eheversprechungen der Liebhaber seinem Mädchen einen Taler gibt. Sobald sie ihn angenommen hat, ist die Verlobung geschehen.

Tränke
Es ist ein einsam in dem Görlitzer Hospitalforst gelegenes kleines Heidedorf, dessen Einwohner hauptsächlich im Walde arbeiten. Die hier von Rothenburg nach Muskau führende Straße war früher sehr belebt, und hier hielten die Fuhrwerke, fütterten und tränkten ihre Pferde. Deshalb erlaubte der Kurfürst von Sachen 1732, bei der so genannten „Tränke“ ein Wirtshaus zu erbauen, dem sich später die Häuser des Dorfes anfügten. Früher war hier eine „Rußhütte “im Betriebe, auch wurde viel Torf gestochen. Am Verlorenen Wasser befindet sich der „Buchgarten“, die viele botanische Seltenheiten birgt. Hier sind die Sandsegge, ästige Graslilie, Salomonssiegel, die vielblütige Weißwurz, die Haselwurz, das Gartenleinkraut, die Wiesenraute, der mittlere Lerchensporn, das Bergjohanniskraut, das Wunderveilchen und dunkelgrüne Weidenröschen, Hexenkraut, Leberblümchen und Schattenblume zu finden.

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