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Fundstück: Bluno

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC, "Die Kirche", 28.10.1951.

Kirchengemeinde Bluno


Seit 1923 wird von dem Pfarrer in Großpartwitz die Kirchengemeinde Bluno mit versorgt. Die früher mit von Hoyerswerda geistlich betreut wurde. Zur Kirchengemeinde Bluno gehören außer Bluno auch die Dörfer Sabrodt und Kleinpartwitz, zusammen rund 12oo Seelen. Das Dorf Bluno hat nach alten Überlieferungen früher weiter östlich gestanden; weil es aber viel Krankheiten und Unglück im Dorf gegeben habe, habe man sich entschlossen, es an anderer Stelle neu zu bauen. Ein junges Rind sei von dem Dorfe weggetrieben worden und wo es zuerst stehen blieb, um zu grasen, habe man die Kirche gebaut und dann das Dorf daneben. Die jetzige Kirche in Bluno ist 1670 gebaut; sie ist, wie die in Großpartwitz, ein Fachwerkbau mit einem am Westgiebel angebaut hölzernen Turm, der mit Schindeln gedeckt ist. Den Wanderer, der sich aus östlicher Richtung dem Dorf nähert, grüßt die Kirche schon von weitem mit ihrem formschönen Turm. Dem Herankommenden bietet die Kirche mit ihrem bunten Fenstern mit Butzenscheiben einen freundlichen und einladenden Anblick. Wer der freundlichen Einladung folgt, betritt den Kirchhof durch einen altertümlichen Torbau der aus Balken gefügt und mit einem Dach versehen ist. Das Äußere der Kirche ist seit der Erbauung im wesentlichen unverändert geblieben. Beim Eintreten in das Gotteshaus fällt der Blick sofort auf den holzgeschnitzten Kanzelaltar. Er ist in leuchtenden Farben gemalt, desgleich der Taufstein. Beide beleben das Innere der Kirche, die durch eine zu nüchterne Ausmalung sehr an Schönheit verloren hat.

Dem Betrachter zeigen die Balken hier und da die Spuren von Granatsplittern, Artilleriebeschuss hatte die Kirche 1945 schwer beschädigt, vor allem Turm und Orgel zerstört. Bald nach der Rückkehr in das Dorf hat die Gemeinde unter der Leitung der Ältesten mit der Wiederherstellung der Kirche begonnen. Die Gemeinde hat große Opfer gebracht, auch selbst mit Hand angelegt und die Kirchenältesten, besonders der Älteste Zippack, haben die Sorge für die Arbeiten getragen. Als der Ortspfarrer Adler 1946 zurückkehrte, war der Bau fast vollendet. Für ihn eine große Freude, die Gemeinde so eifrig am Gotteshaus arbeitend zu finden. Die Wiederherstellung der Kirche wurde Jubilate 1947 in Anwesenheit des Bischofs von der Gemeinde mit einem Dankgottesdienst gefeiert.

Die Orgel wurde im Jahre 1948 durch die Orgelbauanstalt Eule, Bautzen, mit 12 klingenden Stimmen neu gebaut. Sie ist hervorragend gelungen, dem Kirchenbau gut angepasst und hat einen schönen Klang. Die Gemeinde hat sehr viel dafür aufgebracht. Am 24. Juni 1951 konnte schließlich auch eine neue Glocke geweiht werden, so dass wieder zwei Glocken den Sonntag einläuten und zum Gottesdienst rufen. In diesem Jahr wird die Kirche neu geputzt. Ein rechtes Beispiel für die gemeinsame Verantwortung alles Häuser für die Kirche ist die Anfertigung der neuen Altarbekleidung. Aus jedem Hause werden Flachs gespendet, der dann gegen Leinwand eingetauscht werden konnte. Sie wurde gefärbt und von den Frauen und Mädchen der Gemeinde gestickt. Das stete Arbeiten an der Kirche ist hier wirklich ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde lebendig und tätig ist. In ihr ist viele gute christliche Sitte erhalten geblieben und auch in der letzten Zeit mit neuem Leben erfüllt worden. In vielen Familien wird noch die überliefernde bunte Tracht getragen – besonders beim Kirchgang. Es ist ein herzerfreuendes Bild, wenn an Sonn- und Feiertagen die Kirchengängerinnen von allen Seiten mit ihren bunten Trachten ruhiges Schrittes zur Kirche wandern. Alles Feiern und Feste sind mit einem Kranz von Sitten umgeben. Die Taufe wird meistens am Anschluss an den Gottesdienst gehalten. Die Paten nehmen an ihm teil. Dabei sind die weiblichen Paten durch die besondere Tauftracht, über der sie in Glasperlengehänge tragen, und die männlichen Paten durch einen bunten Strauß am Rockaufschlag zu erkennen. Sie verlassen nach der Predigt die Kirche, empfangen vor der Kirchtür die Mutter und Hebamme mit Kind und ziehen dann beim Schlussvers feierlich in die Kirche ein. Sie nehmen im Altarraum Aufstellung und wenden sich nach einem stillen Gebet zur Gemeinde, um sich ihr als christliche Paten vorzustellen. Bei Taufen aus dem Dorf Kleinpartwitz wird auf der Heimfahrt beim Einzug in das Dorf nach altem Brauch das Lied „Allein Gott in der Höh` sei Ehr“ von den Paten gesungen.

Bei Hochzeiten trugen früher die Braut und ihre Brautjungfern besonders festliche und kostbare Trachten. Sie sind jetzt seltenen geworden. Das ist ein farbenfrohes Bild, wenn ein solcher Hochzeitszug mit schmetternder Musik durch das Dorf zur Kirche zieht. Der Zug wird angeführt von Braschka, dem Hochzeitsbitter, der den Aus- und Einzug mit Ansprachen und Gebeten begleitet. Er teilt auch die Speisen und Getränke ein, setzt die Tischordnung fest und betet zu Tisch.

Eine feine Sitte ist das Ostersingen der Mädchen. Um die Osterzeit ziehen sie in langsamen Schritt eng zusammengeschlossen durch das Dorf und singen Choräle, die die Kantorka, die Vorsängerin, anstimmt. Neben den ältesten gibt es in der Gemeinde das Ehrenamt der Kirchväter. Zwei Männer dienen beim Gottesdienst und den Sakramenten. Sie zünden die Kerzen an und sorgen für Ordnung in der Kirche. Sie fehlen bei keinem Gottesdienst und haben einen Kirchenvaterplatz nahe am Altar. Es war ein herber Verlust für die Gemeinde, als im Juni dieses Jahres eines der Kirchväter, Christian Hänsel, über 83 Jahre alt, nach langjährigem Dienst heim ging. Sein letzter Gang war zur Kirche gewesen, ehe er sich hinlegte und im getrosten Glauben die Augen schloss. Über solchem Leben steht der Spruch aus Psalm 84: „Ein Tag in deinen Vorhöfen ist es besser denn sonst tausend. Ich will der Tür hüten in meines Gottes Hause, denn wohnen in der Gottlosen Hütten“.

Die Gemeinde hat einen besonderen Dienst an unserer Kirche übernommen. Sie will die Arbeit der Volksmission mittragen. Seit 1948 versammelt sich jährlich die volksmissionarische Arbeitsgemeinschaft unseres Kirchengebietes in der ersten Passionswoche in Bluno, um ihre Konferenzen abzuhalten. Dann kommen die Pastoren und wohnen zwei Tage in den Bauernhäusern, jeder schon mit „seiner“ Familie vertraut. Gemeindeglieder nehmen an der Bibelarbeit und den Beratungen an der Arbeitsgemeinschaft teil. Abend versammelt sich die Gemeinde mit ihrem Gästen in der Kirche zum Gottesdienst. Dann bleibt nut ein Familienglied in jedem Hof zurück. Alles anderen eilen zur Kirche und der Omnibus bringt die Gottesdienstbesucher von den Außendörfern herzu. Die Gemeinde in ihrer Lebendigkeit ist ein Beispiel dafür, das Tradition nicht etwas starres und verstaubtest zu sein braucht und das sie nicht nur ein äußeres Kirchenwesen bedeutet. Sie kann frisch und lebendig sein. Durch die Anteilnahme am Leben der Gesamtkirche und durch die Begegnung mit dem neuen Leben, das in unserer Kirche seit den Kirchenkampf aufgebrochen ist, empfängt auch die Tradition neue Anstöße und wird wieder mit frische Lebenssaft erfüllt.

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