Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Kirche Gemeinden Evangelische Kirchengemeinde Arnsdorf Fundstück: Arnsdorf O/L

Fundstück: Arnsdorf O/L

Abschrift: Oberlausitzer Gemeinde-ABC, vermutl. "Die Kirche" - Görlitzer Ausg., 6. Jg. Nr. 6. Januar 1951.

Oberlausitzer Gemeinde-ABC


Arnsdorf O/L

In der Nummer 2 des laufenden Jahrgangs unserer „Kirche“ hat Kantor W. Flaschel über die 700 Jahre alte Katharinenkirche in Arnsdorf O/L in liebevoller Versenkung und warmherziger Heimatliebe berichtet. Wir wollen heute unser Gemeinde-ABC, das in regelmäßiger Folge über die Geschichte unserer Gotteshäuser und die Erlebnisse der Gemeinden sprechen wird, mit einer knappen Darstellung der Geschichte der Kirchengemeinde Arnsdorf im Kirchenkreise Reichenbach O/L beginnen.

Jeder, der einen Freund gewinnen will, wird sich intensiv bemühen, sein innerstes Wesen kennen zu lernen, seinen Charakter zu erforschen, um den Freund zu verstehen und ihn auf seinem Lebenswege als wahrer Kamerad begleiten zu können. Ähnlich werden sich unsere Oberlausitzer Kirchengemeinden verhalten mögen. Sie werden sich über Geschichte und Erlebnis der Brudergemeinden unterrichten mögen, um schließlich auch in Last und Leid, in Freuden und Feiern des Alltags zu wahrer Gemeinschaft miteinander zu kommen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Schicksalsverbundenheit zu erleben.

Arnsdorf, an der Bahnstrecke nach Weißenberg gelegen und seit ??? Bahnstation, besitzt Kirche, Friedhof und Pfarrhaus. Der Muttergemeinde sind die Ortschaften Hilbersdorf und Thiemendorf eingegliedert. Seit 1.6.1949 amtiert dort Pfarrer Johannes Schwarzbach.
Die Kirche wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, also bereits in einer Zeit, als die Kolonisation der Oberlausitz begann. Durch die kürzliche Auffindung der frühesten Fresken unseres Gebietes ist das bisher bescheidene Kirchlein plötzlich in den Brennpunkt des Interesses der Kunst- und Kulturgeschichte der Oberlausitz gerückt. Die erste schriftliche Erwähnung ist in der Jurisdictionsrolle des Bistums Meißen vom Jahre 1346 zu finden. Über seine kunstgeschichtlichen Werte, die Fresken, die Kassettendecke, das 400 Jahre alte Kruzifix wurde bereits, wie oben erwähnt, in Nr. 2 der „Kirche“ ausführlich berichtet.

Das Dorf hieß 1364 nach seinem Kolonisator Arnoldisdorf und 1395 Arnhsdorf, doch ist ein Geschlecht derer von Arnsdorf nicht bekannt. Als ältestes Geschlecht gilt seit 1385 das „von Nothenhof“.

1562 hatte das Dorf 30 „Rauche“, wobei auf dem Lande 1 Hufengut = 1 Rauch, ½ Hufe = ½ Rauch, 1 Gärtnernahrung = ¼ Rauch und 12 Häuser = 1 Rauch galten.

In den Jahren 1585 und 1632 herrschte die Pest im Lande. Wir wissen nicht, wieviel Einwohner von Arnsdorf sie hinwegraffte, doch wird die Sterbeziffer nicht gering gewesen sein. In Görlitz starben in den Jahren 1585/86 von 5916 Personen, die in 526 Wohnungen lebten, allein 757 Menschen an dieser Seuche, als rund 1/5 der Bevölkerung. 1648, am Ende des 30jährigen Krieges , zählte das Dorf 18 Bauern, 1 Vorwerk, 14 Gärtner mit 4 Bauern, 1 Vorwerk und 6 Gärtner waren wüst. Aus dieser Zeit ist uns eine erste namentliche Aufzählung der Einwohner überliefert. 1744, zu Beginn des Zweiten Schlesischen Krieges, werden 245 Einwohner in 50 Grundstücken gezählt. im Jahre 1755 wurden die Häuser mit Nummern versehen. 1796 hat sich die Struktur des Dorfes im Zuge des beginnenden Industriezeitalters bereits stark verschoben. Es zählte noch 1 Edelhof, 1 Vorwerk, 8 Bauern, 28 Gärtner und 25 Häusler, die Leinengarnspinner waren.
Im Jahre 1853 ist eine Zunahme der Handwerker festzustellen, und die Volkszählung 1910 ergab 654 Einwohner bei 174 Haushaltungen in 142 Wohnhäusern. Es gab 4 unbewohnte Häuser. Der rein evangelische Charakter des Dorfes zeigt sich daran, daß nur 11 Katholiken darin wohnten. Die heutige Kirchhofsmauer entstand 1862/64. Die alte Mauer wurde fast ganz abgetragen und der Kirchhof nach Osten um ein Drittel der heutigen Fläche vergrößert. Bis 1852 hatte den heutigen Haupteingang ein Torhäuschen garniert. Wie die Mauer im ganzen früher ausgesehen haben mag, läßt sich heute nicht mehr einwandfrei feststelle, da die „eingefallene“ Kirchhofsmauer bereits 1682 – 1704 erneuert wurde. Vor dem Eingang zum Friedhofe stand ein „Sühnekreuz“, das bis zu den Kreuzarmen im Boden versunken war. 1938 wurde es gehoben und wieder aufgestellt. An der Mauer befindet sich ein kleines Steinkreuz, das wahrscheinlich einmal die Giebel der Kirche abschloß. Auf dem Kirchhof steht am Südausgange eine uralte Linde, die einen Umfang von 4,15 m hat. Der ehrwürdige Baumriese, unter dessen Schatten Geschlechter um Geschlechter ruhen, bildet ein stimmungsvoll gewachsenes Stück deutscher Natur neben dem von gläubigen Menschen erbauten schlichten, aber in seinen Formen gut ausgewogenen und künstlerisch gestalteten Gotteshaus aus Stein.

E. W. G.

Artikelaktionen
Startseite | Impressum