Vorstellung: Helmut-Andreas Spengler. "Offene Kirche für alle Generationen"

Pfarrer Helmut-Andreas Spengler

Eine offene Kirche für alle ist für Pfarrer Helmut-Andreas Spengler (53) unbedingtes Anliegen. Ab September will er die Jänkendorfer Kirche täglich von 9 bis 20 Uhr öffnen. Er sieht dies als Zeichen für Transparenz. Bereits jetzt öffnet er die Kirche Diehsa für Fahrradtouristen aus der gesamten Lausitz. Liegt doch die Kirche unweit vom Froschradweg und Stauseeradweg.

Jänkendorf. Zur Fußball-WM 2010 lud die Kirchengemeinde in die große Bauhofhalle ein. Viele Spiele flimmerten dort live über die Leinwand. Jugendliche, Rentner, Feuerwehr, Sportverein – alle im Dorf kamen. „Da steht selbst der Pfarrer mit am Tresen“, sagt Helmut-Andreas Spengler (53), Pfarrer der evangelischen Gemeinde Jänkendorf / Ullersdorf. Sage und schreibe acht Kirchen – in Buchholz, Tetta, Melaune, Arnsdorf, Nieder Seifersdorf, Jänkendorf, Ullersdorf und Diehsa – betreut er mit Nachbarpfarrer Andreas Fünfstück aus Nieder Seifersdorf zusammen. In seiner momentanen Verantwortung liegen die Gemeinden Jänkendorf / Ullersdorf mit 400 Christen sowie Diehsa mit 350 Christen. Klar und bodenständig wirkt seine Sprache.

Das mag an der Herkunft liegen. In Halle wuchs Helmut-Andreas Spengler auf. Vater Hans-Dietrich war dort lange Kreisjugendwart. Später engagierte er sich im Evangelischen Jungmännerwerk Magdeburg. Sein pietistischer Glaube prägte auch den Sohn mit. Mutter Gerda Spengler war Katechetin in der evangelischen Gemeinde Kanena. „Sie hielt Vater den Rücken frei. Ob das bei Tagungen, Rüstzeiten oder sonstigen Terminen war“, erzählt der Sohn. „Oft durfte ich zu den Rüstzeiten mitfahren. So lernte ich viele Gegenden wie Rathen, Vogtland, Wernigerode, Eisenach und Wittstock kennen.“ Stark verwurzelt im Glauben lebten auch Vaters Eltern. Sie engagierten sich in der Landeskirchlichen Gemeinschaft der Kirchenprovinz Sachsen. „Wie das tägliche Brot war ihnen das Gebet wichtig. Nie ein Weggehen am Morgen ohne Gebet. Nie eine Mahlzeit ohne Tisch-Gebet“, erzählt Helmut-Andreas Spengler mit Respekt über seine Großeltern. „Es war das tägliche Gebet, die Bibeltexte, das Singen der Choräle, die Herrnhuter Losungen – all das hat mich damals tief geprägt.“

Ohne Pionierausweis, ohne FDJ-Mitgliedschaft war es schwierig für den Jugendlichen. Helmut-Andreas Spengler durfte kein Abitur ablegen. In der Fachhochschule Eisleben studierte er Elektronik. „Das Tüfteln, Basteln, Hineindenken und Lösungen-Suchen lag mir schon als Kind. Alte Fernseher faszinierten mich damals“, erinnert er sich. Bei RFT (Rundfunk-Fernseh-Technik) Halle reparierte er Radios, Kassettenrekorder, Tonbänder, Plattenspieler und Fernseher. Es war die größte Werkstatt in Halle. Helmut-Andreas Spengler leitete die Abteilung Rundfunk und Tonmechanik. Bei einer Kirchenwoche in See lernte er seine Frau Iris kennen. Von Beruf ist sie Krankenschwester. Der junge Mann zog 1983 zu ihr nach See. „Ich habe zunächst im Waggonbau Niesky gearbeitet. In der Abteilung NC-Technik Maschinensteuerung“, schildert er. Drei Mal wurde er zwischenzeitlich für die „Nationale Volksarmee“ NVA gemustert. Helmut-Andreas Spengler sträubte sich gegen den Wehrdienst. Aus innerer Überzeugung lehnt er ihn ab. „Damals legte ich ein Gelübde ab: Lieber Gott, wenn ich da nicht hin muss, studiere ich Theologie“, entsinnt er sich. „So kam es dann tatsächlich.“ Im Fernstudium widmete sich der junge Mann später wie seine Frau Iris der Theologie. Seine Ausbildung fand in Gnadau bei Schönebeck statt. Sein Examen legte der Hallenser in Neudietendorf ab. „Ich stehe noch heute zu meinem Wort“, meint der 53jährige und lacht. „Wenn ich Gott etwas zusage, halte ich mich daran.“

Im Oktober 1989 zog er mit Frau Iris von See um ins Pfarrhaus nach Jänkendorf. Superintendent Dr. Andreas Holzhey regte dies an. Dringend brauchte der Kirchenkreis Pfarrer. Zunächst war Helmut-Andreas Spengler in Jänkendorf Pfarrvikar und Pfarrverwalter. Seit 1996 ist er dort ordinierter Pfarrer. Die Offenheit und Eigeninitiative der Gemeinde imponierten ihm sofort. „Sie hatten die Kirche verputzt. Sie hatten im Pfarrhaus die Heizung selbständig verlegt“, entsinnt sich der Pfarrer. „Vor allem der Kirchenälteste Günter Schmidt in Ullersdorf regte viel Initiative an.“ Helmut-Andreas Spengler konnte an jene Initiativen anknüpfen. Heute setzt er selbst verschiedene Schwerpunkte in der Gemeinde. Dazu gehört unbedingt die Jugendarbeit. Seine Frau Iris verantwortet die Christenlehre, Karin Richter den Religionsunterricht in der Grundschule für die 1. bis 4. Klasse, Helmut-Andreas Spengler selbst lehrt Konfirmanden-Unterricht für die 5. bis 8. Klassen. „Wir legen den Grundstein für den Glauben der jungen Leute. Wir legen den Grundstein für ihr Bekenntnis“, betont er. „Ob sie es später im Leben anwenden, wird sich zeigen.“

Wichtig ist ihm auch die Seniorenarbeit. Einen Besuchsdienst rief er ins Leben. Engagiert ist auch der Seniorenkreis. „Wir müssen uns darauf einstellen: wie können wir aktive Senioren bis ins hohe Alter mit in die Verantwortung einbinden?“, unterstreicht er. „Das ist mir ganz wichtig.“ Zum Erntedankgottesdienst organisiert die Kirchengemeinde nicht nur den traditionellen Gottesdienst. Sie öffnet sich auch für den Ort. Sie holt zum Erntemarkt Müller, Floristen, Fischzüchter, Klöppler, den Lebenshof Ludwigsdorf und weitere Gäste nach Jänkendorf. „Dieser Sonntag wird stets gut angenommen“, unterstreicht der Pfarrer. „Damit fördern und pflegen wir die Gemeinschaft. Damit stärken wir den Zusammenhalt im Ort.“ Heute fühlt sich Helmut-Andreas Spengler in Jänkendorf angekommen. Außer Ehefrau Iris gehören noch die Kinder Rebekka (24), Ruth (22), Samuel (20), Jonathan (18), Daniel (14) und Hanna (10) zur Familie.

Ab September will Pfarrer Spengler die Jänkendorfer Kirche täglich von 9 bis 20 Uhr öffnen. Er sieht dies als Zeichen für Transparenz. Bereits jetzt öffnet er die Kirche Diehsa für Fahrradtouristen aus der gesamten Lausitz. Liegt doch die Kirche unweit vom Froschradweg und Stauseeradweg. Sogar einen Brunnen mit Trinkwasser hat die Gemeinde für die Radtouristen gebaut. „Hier kann sich jeder im wahrsten Sinne biblisch erfrischen und Wasser schöpfen“, verdeutlicht der Pfarrer. „Im Gästebuch kann jeder seine Gebete und seine Wünsche niederschreiben.“

Andreas Kirschke

Foto: Kirschke