Kirche Lohsa 1651 - 2001

350 Jahre Wiederaufbau

Die Lohsaer Kirche und ihre Geschichte

Kirche Lohsa Seien Sie willkommen, lieber Besucher, liebe Besucherin, in unserer Lohsaer Kirche.
Auf die oft gestellte Frage, wie alt die Lohsaer Kirche sei, fällt es nicht leicht, eine Antwort zu geben. Wann an dieser Stelle eine erste Kapelle oder Kirche gestanden hat und wie diese beschaffen war, ist nicht mehr zu erkunden.
Aus einer Eintragung in einer Kirchenurkunde des Bistums Meißen aus dem Jahre 1343, in der die Kirchengemeinde Lohsa erwähnt wurde, ist zu schließen, daß bereits damals hier eine Kirche gestanden hat.
Am 13. Juni 1637 wurde die damalige Kirche vom Blitz getroffen, sie brannte aus.
Auch das Pfarrhaus, die Schule und fast ganz Lohsa wurde ein Raub der Flammen. Bei diesem Brand sind offenbar alle Schriftstücke, die über die frühere Kirche und den Ort hätten Auskunft geben können, vernichtet worden.
Noch im selben Jahr begann man mit dem Wiederaufbau der Kirche.
Es war ein mühsames Unternehmen.

1633 hatte die Pest in Lohsa gewütet und einen großen Teil der Bevölkerung weggerafft.
Dazu hatte der 30jährige Krieg die Gegend verarmen lassen. Fast 14 ½ Jahre hatte es dann gedauert, bis die Kirche, wenn auch nur in schlichter Form und ohne besondere Innenausstattung, wieder errichtet war. Bei den Bauarbeiten entdeckte man eine im Altartisch eingelassenen Reliquie, ein Hinweis darauf, daß diese Kirche bereits vor der Reformation erbaut wurde. In Lohsa wurde, wie auch in den umliegenden Gemeinden die Reformation um 1550 eingeführt.
1652 übernahm der „Landesälteste Johann Christian von Schönberg auf Braune“ die Lohsaer Güter und wurde damit Patronatsherr dieser Kirche.
Als solcher sorgte er für deren weitere Ausgestaltung. So wurde 1666 der heute noch vorhandene Altar und die Kanzel in der Kirche aufgestellt.

Die Bilder des Altars zeigen Szenen aus der Passion Jesu, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. An der Spitze ist Jesus Christus als der Auferstandene figürlich als der Weltenherrscher dargestellt. Wie bedeutsam J. Ch. v. Schönberg das Sakrament des Abendmahls war, läßt sich daran erkennen, daß er sich auf dem Bild der Kreuzigung Jesu mit darstellen ließ. Links neben dem Kreuz kniend fängt er mit einem erhobenen Kelch das Blut Jesus auf.

Nach seinem Tode 1672 übernahm sein Sohn, gleichen Namens, die Lohsaer Güter. Er war es, der 1674 den Turm mit einer vergoldeten Kugel und Wetterfahne versehen ließ. Dort befand sie sich bis 1906 und ist heute in der Kirche aufgestellt. Unter dem späteren Patronatsherrn „Genes. Maj. von Kyau“ wurde 1710 begonnen, die Kirche umzubauen. Die Kirchenmauern wurden um zwei Ellen erhöht, der Turm aufgestockt und sechs große Fenster eingebaut. 1711 wurde ein Gewölbe als Innendecke eingebaut.

Im selben Jahr wurde die Kanzel, die bisher für sich stand, in den Altar eingefügt. Auf ihr sind die vier Evangelisten dargestellt. Einige Zeit später ließ Gen. v. Kyau eine Gruft und eine Gebetsstube in der Kirche einbauen. Dadurch aber wurden die statischen Verhältnisse des Gebäudes derart verändert, daß das Deckengewölbe mit seiner Last die Außenmauern verschob und schließlich 1750 das Gewölbe teilweise zum Einsturz brachte. Das Gewölbe mußte abgetragen und durch eine Holzbalkendecke ersetzt werden.

Auch in späterer Zeit wurden Veränderungen und Ergänzungen in der Kirche vorgenommen. So ist die jetzige Orgel 1847 eingebaut worden.

Im I. Weltkrieg mußten dann ihre Zinnpfeifen für Rüstungszwecke abgegeben werden, im II. Weltkrieg wurde sie teilweise zerstört.

Der Taufstein, der mit seiner achteckigen Form auf das ewige Leben hinweist, stammt aus dem Jahre 1886.

Die beiden großen Bildfenster hinter dem Altar wurden 1900 eingesetzt.

Im Jahre 1892 wurden die Emporen farbig gestaltet. Waren deren Holzflächen bis dahin nur mit schwarzem Rankenwerk versehen, so wurden diese nun mit Bibelsprüchen in deutscher und in sorbischer Sprache bemalt.

Die Inschriften in sorbischer Sprache erinnern uns heute daran, daß die Glieder der Lohsaer Kirchengemeinde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts überwiegend Sorben waren. Von 1835 bis zu seinem Tode 1872 war Hanrj Zejler Pfarrer in Lohsa. Als sorbischer Dichter hatte er einen wesentlichen Beitrag zur sorbischen Literatur geleistet. Sein Grab befindet sich hinter der Kirche.
Am 19. Oktober 1991 wurde in der Lohsaer Kirche in einem Festakt die Urkunde zur „Stiftung für das Sorbische Volk“ unterzeichnet.
Die Lohsaer Kirchengemeinde stand in den dreißiger Jahren mit ihrem damaligen Pfarrer Georg Mahling während des Kirchenkampfes zur „Bekennenden Kirche“. Der Kirchenraum war dabei Ort mancher Auseinandersetzung mit den „Deutschen Christen“.

Unter dem Dach des Kirchenschiffes halten sich schon seit vielen Jahren seltene „Untermieter“ auf. Es sind dies Fledermäuse der vom Aussterben bedrohten Art „Großes Mausohr“, die hier ihr Sommerquartier haben.

Die Glocken der Lohsaer Kirche hatten ein besonderes Schicksal erfahren. Bei dem Brand 1637 wurden auch die damaligen Glocken zerstört.
Aus ihrer Bronze ließ man 1638 eine große Glocke gießen. Ihr Geläut wurde dann durch eine kleine und eine mittlere Glocke ergänzt. Anfang des 19. Jahrhunderts wiesen die beiden großen Glocken derartige Schäden auf, daß sie erneuert werden mußten.
So wurden sie 1843 abgenommen und in Kleinwelka zu drei neuen Glocken umgegossen.
Im I. Weltkrieg mußten dann die beiden großen für Rüstungszwecke abgegeben werden. 1921 ließ man drei neue Bronzeglocken fertigen. Aber auch von denen mußten die beiden großen im II. Weltkrieg für Rüstungszwecke abgegeben werden. Seit 1949 rufen neben der kleinen Bronzeglocke von 1921 zwei größere Stahlgußglocken vom Turm ins Land zum Gebet und laden zu den Gottesdiensten ein.

In ihrer Geschichte hat die Lohsaer Kirche manche Veränderung erfahren.
Generationen vor uns haben nach Kräften versucht, sie zu erhalten und schön zu gestalten. Auch in jüngster Zeit ist dies geschehen. So wurde 1997 eine neue Heizung eingebaut und dabei das Gestühl im Kirchenschiff verändert.

Der Kirchturm, der noch Spuren des II. Weltkrieges aufwies, konnte 1999 außen saniert werden.
Die neue Turmzier ist der von 1674 nachgebildet. Mit der Sanierung des Kirchendaches, der Außenfassade und auch des Innenraumes sowie der Orgel stehen für die Lohsaer Kirchengemeinde weitere dringende Bauvorhaben an, die bald angegangen werden wollen, um die Kirche zu erhalten.

Für jede Spende dafür sind wir dankbar. Möge Gott dieses Haus beschützen und alle segnen, die in ihm ein und aus gehen.

Reinhard Meister, Pfarrer

Bildnachweis: R. Meister

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