Vorstellung: Albrecht Naumann. "Unterwegs zwischen Osten und Mittlerem Westen"

Pfarrer Albrecht Naumann

Pfarrer Albrecht Naumann, Seelsorger im Klinikum und seit kurzem Pfarrer in Zodel/Ludwigsdorf wurde zu Exaudi in Ludwigsdorf zusammen mit Pfarrer Hans-Albrecht Lichterfeld, Ebersbach/Kunnersdorf, in den Dienst der Kirchengemeinden eingeführt. Auch für die Ökumene, speziell den Kontakt zur UCC, schlägt sein Herz.

Von Bettina Ernst-Bertram

Der zweite von sechs Naumann-Brüdern,  geb. 1954, wollte eigentlich Energieumwandlung an der TU Dresden studieren.  Aber dann wurde er doch Pfarrer und wandelt seither geistliche Energie in irdische Werke um. „Der christliche Glaube ist nicht dafür da, dass man möglichst schnell möglichst lustig in den Himmel kommt, sondern dass man etwas von der Barmherzigkeit weitergibt, die einem selber widerfahren ist“, sagt Albrecht Naumann.

Naumann kam mit 13 Jahren aus der Nähe von Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) nach Görlitz, denn sein Vater leitete seit 1966 die Reformierte Gemeinde in Görlitz. Er lernte Waggonbauschlosser mit Abitur und studierte schließlich nach prägenden Erlebnissen während der Armeezeit von 1975 bis 1978 Theologie am Paulinum in Berlin und am Theologischen Seminar in Leipzig. Er war danach in Kodersdorf und Görlitz-Rauschwalde Vikar und wurde nach seinem 2. Theologischen Examen am 6. September 1981 vom reformierten Moderator ordiniert. Von 1981 bis 1989 (einschließlich des Entsendungsdienstes) versorgte er in Weißwasser seine erste Pfarrstelle. 1989 kehrte er nach Görlitz zurück und wurde 35-jährig Pfarrer der Frauenkirche. Dort begannen am 6. Oktober 1989 die Friedensgebete, die für die weiteren demokratischen Veränderungen so wichtig wurden. Im Jahr 2000 übernahm Naumann, nachdem die Frauenkirche und drei weitere Kirchengemeinden zur Innenstadtgemeinde fusioniert waren, die gemeindliche Öffentlichkeitsarbeit. 2003 wechselte er aus der Innenstadt zum Klinikum, wo er Krankenhausseelsorger wurde. Zum ersten Januar 2010 wurden ihm die pfarramtlichen Dienste in Ludwigsdorf und Zodel übertragen, mit Pfarrer Hans-Albrecht Lichterfeld teilt sich Naumann seitdem die „Mantei-Nachfolge“. Am 16. Mai 2010 hat Superintendent Dr. Thomas Koppehl die Pfarrer in der Ludwigsdorfer Kirche festlich eingeführt. Die Klinikseelsorge nimmt Naumann nun mit einem Dienstumfang von 50 Prozent wahr.

Begeistert Mittelschule für den Missionar

Dieser Tage ist Albrecht Naumann aber nicht nur zwischen Klinikum und den 350 Ludwigsdorfer und 500 Zodeler Gemeindegliedern unterwegs: Dieser Tage ist er auch in der Mittelschule Reichenbach anzutreffen. Er hat seinen Laptop aufgebaut, der überquillt von Bildern und Geschichten rund um den Missionar Ludwig Eduard Nollau, Gründervater des Deutschen Ev. Kirchenvereins des Westens, Vorläufer der späteren „United Church of Christ“ (UCC) in Amerika, mit der die Görlitzer Kirche Kirchengemeinschaft hat. Nollau, der in jüngster Zeit zum berühmtesten Sohn Reichenbachs avancierte, wurde vor 200 Jahren da geboren und getauft. Und Naumann, der die UCC-Gruppe des Sprengels mit Gleichgesinnten wiederbelebt hatte, gibt nun seine Begeisterung für die kirchliche Verbindung Lausitz-Amerika-Lausitz an Reichenbacher Mittelschüler weiter. Er zeigt im Religionsunterricht alte Aufnahmen vom Waisenhaus und vom Krankenhaus in St. Louis, das Nollau gründete, sowie eine Karte des Mittleren Westens mit Mississippi und Missouri drauf, die Fernweh macht. Die Kinder erfahren die spannende Geschichte vom Reichenbacher, der auszog, Indianer zu missionieren und alsbald zum Samariter des Mittleren Westens wurde. Sie erfahren auch, weshalb schließlich am 1. Juli 2010 60 UCC-Amerikaner samt der Urenkelin Nollaus und dem Conference Minister David Moyer und etliche Wissenschaftler zu einem Symposium und einem Fest in ihr Reichenbach kommen.

Ökumene und Begegnungskirchentage

Für die gemeinsam vorbereiteten Begegnungskirchentage mit Polen und Tschechen, bei denen sich die Christen länderübergreifend und persönlich in Privatquartieren „wirklich begegnen konnten“, schlägt sein Herz. „Was haben wir für ein Geschenk mit diesem Glauben, der verbindet uns mit den Christen in der Slowakei, in Polen, in Amerika....“ Die Entdeckung Schlesiens abseits der Touristenwege erlebte Naumann 1991. Damals fuhr er  mit dem pensionierten Pfarrer der Frauenkirche Horst Manno im Auto zum Begegnungskirchentag nach Breslau, der erzählte ihm: „In Breslau, ja, da war ich früher Vikar, und sehen Sie, da liegt Wahlstadt, und dahinter kommen zwei Kirchtürme, in diesem Dorf war ich Pfarrer...“. Durch die persönlichen Geschichten habe sich ihm Schlesien erschlossen, das vorher für ihn einfach Polen gewesen war. Ähnliches geschieht ihm heute durch die Erzählungen alter Leute in den beiden Dörfern, die erst hinter der Neiße gelebt hatten und nun von dieser Seite der Neiße aus den Kontakt zu den früheren Heimatdörfern aufgebaut haben. „Die Vertriebenen sind eine europäische Klammer“, sagt Naumann und „Sie verstehen wirklich etwas von der Euroregion“ und „Sie sind zu Versöhnungshandlungen fähig“. Dass die nahe Radfahrerbrücke zwischen dem deutschen Deschka und dem polnischen Penzig (Piensk) seit 2007 eine feste Verbindung über die Neiße geworden ist, darüber freut Naumann sich sehr.

Foto: Bettina Ernst-Bertram