Auferstehungskirche Görlitz-Weinhübel

Auferstehungskirche Görlitz-Weinhübel

Einführung

Am 17. Dezember 1948 beschloss der Landtag die Eingemeindung der Dörfer Klingewalde und Weinhübel (das ehemalige Leschwitz-Posottendorf) zu Görlitz. Die Auferstehungskirche im Stadtteil Weinhübel ist eine der ältesten Dorfkirchen der Oberlausitz und wurde bereits 1337 in einem Zinsbrief des Königs Johann von Böhmen (1310-1346) erwähnt. Das Original der Urkunde zählt leider zu den Auslagerungs-verlusten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Inneren der Kirche präsentiert sich ein gotischer Chorraum mit einem Sternrippengewölbe, welches vermutlich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt. Links und rechts des Altarraumes sind heute noch Weihekreuze in roter Farbe aus der Frühzeit der Kirche erhalten.

Die weitere Ausstattung der Dorfkirche ist vom Barock dominiert. Die Emporen stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Kanzel mir ihrer reichen von Engeln getragenen Symbolik aus der Passion Christi (Nagel, Hammer und Zange, Dornenkrone, Kreuz- balken und Schweißtuch) entstand um 1725/1730, der schwebende Taufengel im Altar-raum um 1788. Nahezu von Lebensgröße, wird er bei Bedarf herabgelassen, um in der Krone, die er verheißend in der Hand hält, die zinnerne Taufschale aufzunehmen. Beide Werke wurden von unbekannten Künstlern gestaltet.

Der Altar

Der Altar der Kirche wurde vom Holzschnitzer Jacob Riese in der Zeit von 1683-1693 geschaffen.
Er trägt in der Predella (dem Sockel) eine Abendmahlsdarstellung als Halbrelief, darüber, im Blickzentrum, das Kirchenschiff beherrschend, das Altarbild. Die höchst lebendige Karfreitagsszene mit dem sogenannten Weinhübler Reiter vor den drei Kreuzen von Golgata, stammt mit ziemlicher Sicherheit von Elias Kramer aus Priebus und wird der Schule des schlesischen Barockmeisters Michael Willmann zugeordnet. Der Weinhübler Reiter könnte als Erinnerung an den wohl einst mächtigsten Grundherrn des Ortes zwischen 1593 und 1613, Hans von Warnsdorf, zu deuten sein. Er wurde durch Kaiser Rudolf II. als Erbherr von etwa fünfzehn Liegenschaften östlich und westlich der Neiße zwischen Kuhna, Tauchritz und Uhyst/Spree bestätigt. Gesichert ist dies jedoch nicht, sondern beruht lediglich auf lokalhistorischen Vermutungen.
Solcher Sachverhalt ist umso mehr zu betonen, weil das Altarbild von 1693 in der kleinen Dorfkirche zum Ausgangspunkt einer in der Kunstgeschichte wohl selten erlebten Überraschung wurde. Die Jahrtausendwende brachte die Erkenntnis, dass sich das gleiche Bild, fünfzig Jahre älter und größer und prächtiger in Bezug auf die Altargestaltung, in der Kirche des ehemaligen Benediktinerstiftes von Mallersdorf (in der Nähe von Straubing/Niederbayern) finden lässt. Die Folgezeit brachte weitere Überraschungen.
Dieses Weinhübler Karfreitagsbild mit dem Reiter zeigt sich in nahezu detailgetreuer Übereinstimmung, hin und wieder in freier Gestaltung, im Retabel der Michaeliskirche in Bautzen, in der Kirche von Uhyst/Spree, in Königsbrück in Sachsen, in der Stadtkirche zu Pirna, im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz wie auch in der Kapelle des Schlosses zu Friedland in Böhmen. Die Maler dieser Bilder blieben entweder unbekannt oder tragen andere Namen. Die Entstehungszeit aber fällt übereinstimmend in die letzten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts. Auf weitere Neu-Entdeckungen darf man gespannt sein. Eine drängende Frage aber bleibt bislang völlig offen - nämlich die nach dem „Mutterbild“! Unbestritten besitzt die Auferstehungskirche in Weinhübel mit diesem Altarbild ein Juwel, das im Reigen der kulturgeschichtlichen Schätze der Stadt Görlitz einen glanzvollen Stellenwert haben dürfte.

Die Orgel

Die Orgel wurde 1873 vom Dresdener Kaufmann August Demisch gestiftet und von Carl Nißler aus Görlitz gebaut. Sie wurde kürzlich saniert und zählt zu den ältesten unverändert bespiel-baren Orgeln im Kreis Görlitz. Sie verfügt über zwei Manuale, 18 Register und 891 Pfeifen.

Die große Glocke

Die große Glocke der Kirche hat über vier Jahrhunderte auf ihrem bronzenen Buckel und dürfte damit eine der ältesten Glocken unserer Region sein. Am 13. Juli 1571 wurde sie durch Tobias Laibener zu Zittau gegossen. So jedenfalls steht es auf ihrem Bronzemantel. Mit der Ortsangabe ist nicht gesichert, ob es sich um den Wohnort des Meisters handelt oder um den Ort seiner Produktionsstätte. Eine größere Glocke wurde wahrscheinlich im unmittelbaren Umfeld der Kirche gegossen, für die sie bestimmt war, weil damals der Transport über größere Entfernungen zu schwierig war. Für die Weinhübler Glocke aber wäre eine Fuhre von Zittau nach (damals) Posottendorf-Leschwitz durchaus denkbar gewesen.

Der Bronzemantel der Glocke trägt eine reiche Beschriftung, die sich auf das Erlösungs-werk Christi bezieht, dazu ein Kruzifix, flankiert von zwei Frauengestalten. Der dazu- gehörige Text schließt mit den Worten: Auf Gottes Verleihung bekam ich die Gestalt / von Tobias Laibener, da er war 33 Jahr und 23 Wochen alt.
Auf der gegenüber liegenden Seite dieser Inschrift finden sich auf dem Glockenmantel unter anderem das Bild des triumphierenden Christus mit der Siegesfahne, stehend auf einem Totengerippe, und die Umschrift: Tod, ich will dir ein Gift sein, Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein (Hosea 13). Darüber hinaus ist auch der habsburgische Doppeladler dargestellt, dazu der böhmische Löwe mit einem Zepter in der Klaue und der Umschrift: Maximilian secundo cesare Romanorum, also der Hinweis auf den deutschen Kaiser Maximilian II.
Die Umschrift am oberen Glockenrand enthält Hinweise auf die damaligen Patronatsherren, besonders die „Edlen und Ehrenfesten Gebrüder Balthasar und Joachim von Giersdorf auf Dobschütz“ sowie zwei eingepfarrte Bürger aus Görlitz. Die Umschrift am unteren Glockenrand nennt den Pfarrer Johannes Schmyd (nach anderer Schreibweise Schmieden), der sich der Sitte der Humanisten jener Zeit folgend Fabricius nannte. Auf dem unteren Rand des Glockenmantels werden zudem die Namen von (Gemeinde-) Schreibern, Kirchvätern (Ältesten) und zwei Dorfrichtern mitgeteilt. Der Glockengießer Friedrich Körner aus Sorau schätzte 1755 das Gewicht der Glocke auf zwölf Zentner, also auf mehr als eine halbe Tonne nach heutigem Maß.

Insgesamt gehören seit alters her zwei weitere Glocken zum Geläut der Auferstehungskirche, die sogenannte mittlere und die kleine. Diese beiden wurden im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen und bald danach in schmuck-losem Stahlguss ersetzt. Die heutige mittlere Glocke trägt die Jahreszahl 1921 und als Inschrift das Christuswort: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Auf der kleinen steht der Bibelvers: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Der Friedhof

Der Friedhof weist einige kleine, aber interessante Details auf. Am Eingang befinden sich auf der linken Seite einige sehr alte Gedenksteine aus der Dorfgeschichte.
Den im Ersten Weltkrieg (1914-1918) gefallenen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und des Militärvereins von Leschwitz-Posottendorf wird auf zwei kleinen Gedenksteinen ein Andenken bewahrt. An der Nordostecke der Kirche befindet sich ein schlichtes Gedenkkreuz für die Opfer des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945). Beide Stellen legen Zeugnis von der Grausamkeit des Krieges ab.
In unmittelbaren Nähe des Kreuzes steht der älteste Denkstein des Gräberfeldes aus dem Jahre 1609. Er erinnert an bereits genannten Johannes Schmyd, der über 45 Jahre lang Pfarrer im hiesigen Dorf war.

Text nach Veröffentlichungen von Horst Wenzel
bearbeitet von Detlef Stahr

Weitere Texte

  • Chronik von Horst Wenzel, 2007

    Die Chronik ist als gedrucktes Heft für eine Spende in Höhe von 2,50 € im Pfarramt oder den "Offenen Kirchen" (16. April bis 15. Oktober, täglich 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr) zu erhalten.
  • Chronik von Horst Wenzel, 1989, Roh-Abschrift der Festschrift

    Die Festschrift zum 650jährigen Jubiläum der Ersterwähnung der Auferstehungskirche ist für eine Spende in Höhe von 1,00 € im Pfarramt oder den "Offenen Kirchen" (16. April bis 15. Oktober, täglich 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr) zu erhalten.