Frauenkirche

Die Frauenkirche ist die jüngste unter den vorreformatorischen Kirchen von Görlitz.

Sie lag im Süden der Stadt, außerhalb der Stadtmauer, und diente als Hospitalkirche, nachdem 1483 ihr gegenüber ein Hospital „Unserer lieben Frauen“ gegründet wurde. Von 1533 an, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war sie auch evangelische Friedhofskirche und ist seitdem die Gemeindekirche des neuen Stadtzentrums. Im Oktober 1989 öffnete sie als erste Kirche in Görlitz ihre Türen für die Friedensgebete in der Zeit der stillen Revolution. Die Nachfrage danach war groß. Sie konnte die Menschenmassen nicht mehr fassen, so dass andere Kirchen in der Stadt sich auch öffneten.

Als Gründungsjahr der Kirche gilt das Jahr 1349. Aus den Sühnegeldern eines Raubüberfalles des Friedrich von Biberstein und aus Stiftungen Görlitzer Bürger, die an der Pest erkrankt waren, wurde sie als Kapelle gebaut und 1368 "Unserer Frauen Kirche vor der Stadt“ genannt, weil Maria, die Mutter Jesu, die Schutzheilige der Kirche war. Im Jahr 1429 wurde die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört, als die Hussiten Görlitz angriffen. Von 1431 bis 1473 erfolgte die Wiedererrichtung der Kirche im spätgotischen Stil. So ist sie in der Hauptsache bis heute erhalten.

Die Kirche hatte zunächst nur einen Dachreiter mit zwei Glocken, der 1480 vom Blitz entzündet wurde und samt dem Dach total nieder brannte. 1494 erfolgte die Eindeckung eines neuen Daches und die Aufstellung eines hölzernen Glockenstuhles, der 1539 nochmals vom Blitz zerstört wurde. Von sonstigen größeren Bränden blieb die Kirche verschont. 1696 wurde der massive Teil des Turmes mit der Glockenstube erhöht und bekam 1697 seine Barockhaube. Der Turm misst heute 51,5 Meter in der Höhe. Das Glockengeläut besteht seit dem 1. Advent 1923 aus drei großen Stahlglocken, nachdem die Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden waren.

Als äußere Schönheit gilt das Westportal. Zwischen den beiden gotischen Spitzgiebeln befindet sich eine Verkündigungsgruppe. Beachtenswert ist über der Vorhalle das breite Fenster. Im Innern tragen schlanke hohe Säulen das Netzgewölbe.

Die elf Schlusssteine des Netzgewölbes im Längsschiff zeigen Reliefs aus dem Leben Marias und vier weiterer jungfräulichen Heiligen. Die Schlusssteine im Chorraum stellen die Symbole der vier Evangelisten dar: den Stier für Lukas, den Löwen für Markus, den Engel für Matthäus und den Adler für Johannes.

Oberhalb der Kanzel erblickt man einen fein geschnitzten Balkon, auf dem die erste Orgel von 1506 gestanden haben könnte. Ganz besonders fein ist das in durchbrochener Arbeit aus Sandstein geschaffene Brüstungsgeländer der Orgelbühne. Die neue Orgel mit 34 Registern und mehr als 2300 Pfeifen wurde 1976 / 77 durch die Firma Schuster (Zittau) gebaut, der Orgelprospekt von Tischlermeister Püschner (Görlitz) gestaltet.

Bei der Umgestaltung des Inneren der Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Bänke, sowie der Altaraufsatz, der Taufstein und die Kanzel im neogotischen Stil aufgestellt. Leider sind bei dieser Renovierung alle Altertümer verloren gegangen.

Die Frauenkirche war von einem Friedhof umgeben. Davon zeugen heute die Grabplatten an der Südost-Seite der Kirche, sowie über der Eingangstür zur Sakristei die Gedächtnistafeln mit den Wappen der Familien Hofmann von Hennersdorf und Schütze aus Leopoldshain, sowie die Gedenktafel für ein tot geborenes Mädchen der Familie Ender.

Die Kirche dient heute der Gemeinde in den Monaten Mai bis Oktober zu Sonnabend-Abendgottesdienst (18:00 Uhr), zu Taufen und Trauungen. Montags bis sonnabends finden um 12:00 Uhr Mittagsandachten, abends gelegentlich Orgel- und andere Konzerte statt.

 

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