Dreifaltigkeitskirche

Dreifaltigkeitskirche

Dem Besucher zeigt die am Obermarkt gelegene Dreifaltigkeitskirche eine reiche Ausstattung aus verschiedenen Epochen.

Dreifaltigkeitskirche Görlitz Kurz nach der Klostergründung der Franziskaner am jetzigen Obermarkt entstand um 1234 deren Kirche, die im wesentlichen aus Teilen des heutigen Chorraums und Längsschiffes bestand.
Aus dieser Zeit haben sich zwei Säulen erhalten, die rechts und links am Triumphbogen zu sehen sind
Zwischen 1371 und 1381 wurde die romanische Apsis durch einen nach Osten erweiterten gotischen Chor ersetzt und an der Nordseite ein sehr schlanker Glockenturm angestellt.

1450 bis 1470 entstand die Barbarakapelle. Sie wurde mit dem nördlichen Kreuzgang des Klosters verbunden. Die Einwölbung des ursprünglichen flachgedeckten Langhauses geht möglicherweise auf Conrad Pflüger zurück. 1508 erhielt der Westgiebel seine heutige Gestalt.

Nach der Reformation übergab der letzte Mönch, Urban von Weißbach, 1564 das Kloster und die Kirche der Stadt Görlitz mit dem Auftrag, dort eine Schule einzurichten. 1565 wurde im Kloster ein Gymnasium untergebracht. Die erste evangelische Predigt wurde 1568 in der Kirche gehalten.

Die Kirche diente zuerst als "Schulkirche" und ab 1712 als Parochialkirche. Der erste evangelische Pfarrer war Melchior Scheffler, zugleich Seelsorger für das Gymnasium. Zuvor wurden schon Gemeindegottesdienste in der Kirche gehalten, da die Pfarrkirche der Görlitzer, die Peterskirche, 1691 durch den Stadtbrand schwer beschädigt war.

1713 bis 1715 wurde die Kirche restauriert. Dabei erhielt sie auch den heute zu bewundernden Hochaltar. 1715 wurde die Kirche der "Heiligen Dreifaltigkeit" geweiht. Diesen Namen trägt sie noch heute. Die letzte umfassende Renovierung erhielt die Kirche 1909/10.

In der Kirche finden sich einige beachtenswerte Sakralkunstwerke. Der barocke Hochaltar von 1713 stammt von Caspar Gottlob von Rodewitz und zeigt im Mittelteil als vollplastische Gruppe das Motiv "Christi Gebet im Garten Gethsemane". Auf der Predella ist auf Holz das letzte Abendmahl aufgemalt. Den Altaraufsatz krönt eine Vollendungsszene. Sie zeigt Gott Vater von Engeln umgeben, darüber die aus einem goldenen Strahlenkranz hervorfliegende Taube als Symbolgestalt des Heiligen Geistes. Die Bemalung des Kreuzgewölbes über dem Altar in reichen Jugendstilformen auf blauem Grund mit den Himmelsgestirnen wurde 1909/10 von dem herzoglich-braunschweigischen Hofmaler Adolf Quensen ausgeführt.

Im Chor ist noch das Mönchsgestühl von 1480 erhalten. Lateinische Inschriften erzählen die Geschichte des Franziskanerordens. Jeder Sitz ist mit unterschiedlichen Verzierungen versehen.

Über dem Triumphbogen in Sichtrichtung zum Langhaus sieht man eine unpathetische Darstellung zum Thema "Bergpredigt". Mit ihren Anklängen an den Jugendstil geht sie ebenfalls auf Adolf Quensen zurück.

Auf halber Höhe der Südwand ist im Chorraum noch eine Loge eingelassen. Als Auftragsarbeit reicher Görlitzer Bürger (Johann Martin Möller und Johann Sohr) wurde sie am 23. September 1711 fertiggestellt. Vor den Umbauarbeiten von 1909/10 hatte die Loge unter der damaligen seitlichen Orgelempore ihren Ort.

Im Hauptschiff ist die Kanzel von 1670 besonders sehenswert. Es handelt sich um eine hervorragende Kunstschreinerarbeit der Spätrenaissance mit der Darstellung der 12 Apostel. Den Kanzelkorb schmücken Petrus, Paulus, Jakobus der Ältere und Andreas. Schöpfer der Figuren ist vermutlich ein Zittauer Bildhauer, Tischlermeister war Wenzel Hempel aus dem schlesischen Krummhübel und die Bemalung stammt von Johann Geisius aus Konitz in Westpreußen.

Der schönste spätgotische Flügelaltar der Oberlausitz, die "Goldene Maria", ist in der Barbarakapelle aufgestellt. Er wurde zwischen 1510 und 1520 gefertigt. Die Werktagsseite mit geschlossenen Flügeln zeigt einen Passionszyklus. Geöffnet enthüllt der Altar üppig ausgestaltete Weihnachtsmotive bei denen Maria im Zentrum steht. Bei der Tonigkeit der bemalten Holzreliefs dominiert im Grundton Gold. Dieser Flügelaltar war ursprünglich der Hauptaltar der Kirche.

In der Barbarakapelle läßt sich auch der um 1500 von einem unbekannten Meister geschaffen "Christus in der Rast" betrachten - eine spätgotische Holzskulptur des sinnierenden Christus auf dem Weg zur Kreuzigung.

Schließlich beherbergt die Kapelle noch eine spätgotische Figurengruppe von Hans Olmützer, die von Georg Emmerich gestiftet, die Beweinung Christi zeigt. Neben die "Goldene Maria" ist zudem noch ein großflächiges Epitaph mit einer Kreuzigungsdarstellung gehängt, welches aus dem Jahre 1524 stammt.

Das südliche Seitenschiff - ehemals Katharinenkapelle - erhielt 1425 - 1435 eine reiche Gewölbeausmalung, die in den Jahren 1909/10 stark erneuert wurde. Im zweiten Joch, vom Westen ausgehend, erscheinen rund um einen Schlußstein mit Darstellung des Lamm Gottes die Symbole der vier Evangelisten. Das vorletzte Joch zeigt ein Engelskonzert. Diese Darstellung mit 32 Engeln, die singen und musizieren, gilt als umfangreichster erhaltener Bildzyklus des Te Deum (Großer Gott wir loben dich), dessen vollständiger Text in den Schriftbändern der Engel wiedergegeben wird.

Unter der jetzigen Orgelempore, im Gegenüber zum nicht mehr genutzten Hauptportal, findet der aufmerksame Besucher schließlich noch einen Opferstock mit der Darstellung des Gleichnisses vom reichen Mann und dem armen Lazarus, die ihn aus den überhöhten Anmutungen zurück zum Irdischen bringt.

Text:
Beate Puschmann
Volker Bachschneider

 

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