Jakob-Böhme-Grab auf dem Nikolaifriedhof

Jakob Böhme (1575 – 1624), der Görlitzer Schuhmacher, aber vor allem Theosoph und Mystiker, gehört zu den berühmtesten Bürgern unserer Stadt.

1575 / Jakob Böhme wurde in Alt-Seidenberg (heute Stary Zawidów, PL) als viertes von fünf Kindern eines relativ wohlhabenden Bauern geboren.

1599 / Nach der Erlernung des Schusterhandwerks, Wander- und Gesellen-jahren, wird Böhme in diesem Jahr Meister und Bürger von Görlitz. Er heiratet Katharina Kuntzschmann, die 19jährige Tochter eines Görlitzer Fleischermeisters, kauft ein Haus vor dem Neißetor (heute ul. I. Daszynskiego in Zgorzelec) und mietet eine Schuhbank auf dem Untermarkt. In den folgenden Jahren werden dem Paar vier Söhne geboren.

1610 / Nachdem Böhme bereits 1608 sein erstes Haus wieder verkauft hatte, kaufte er nun sein zweites Haus direkt an der Brücke und am Ortsausgang der Stadt und damit für sein Handwerk verkehrsgünstiger gelegen. Das Haus wird wahrscheinlich schon im 30jährigen Krieg zerstört. Das letzte Haus auf dem Grundstück wird 1905 im Zuge der Baumaßnahmen für die neue Altstadtbrücke abgerissen.

1612 / Bis hierhin führte Böhme ein unauffälliges Leben. Doch nun schrieb er die "Aurora", sein bekanntestes Werk. Sein Handwerk tritt bei dieser Arbeit allmählich in den Hintergrund, bis er es ganz aufgibt und seine Schuhbank verkauft. Die Schrift findet durch Förderer schnell Verbreitung. Auf Betreiben des Görlitzer Oberpastors Gregor Richter wird eine Untersuchung gegen Böhme angestrengt. Der Stadtrat unter Bartholomäus Scultetus verwarnt Böhme aber lediglich, verhängt ein Schreibverbot und konfisziert das Original der "Morgenröte". In den folgenden Jahren veröffentlichte Böhme dann auch keine Schriften, entwickelte aber seine theosophischen Gedanken durch das Studium paracelsischer und alchimistischer Bücher und im Verkehr mit Gleichgesinnten weiter. Er traf sich mit Ärzten, Humanisten und interessierten Adligen. Um die Familie zu ernähren, betrieben Böhme und seine Frau einen Garnhandel, der mit vielen Reisen verbunden war.

1618 / Böhme beginnt auf Drängen seiner Freunde wieder zu schreiben. Der Ausbruch des 30jährigen Krieges hatte den Fernhandel ohnehin zum Erliegen gebracht und Böhmes Handelstätigkeit eingeschränkt. Unter dem Eindruck des Krieges will Böhme sich ab jetzt auschließlich philosophisch betätigen. Er sieht die alten kirchlichen Verhältnisse zugrunde gehen und stellt sich die Erweckung der Christenheit durch eine neue große Reformation zum Ziel. Dazu versucht er eine Gemeinde Gleichgesinnter zu schaffen, schreibt Buch um Buch und gerät in immer stärkere wirtschaftliche Abhängigkeit von seinen Gönnern.

1624 / Nach dem Erscheinen einer gedruckten Schrift von Böhme kommt es erneut zur Auseinandersetzung mit Gregor Richter. Böhme stirbt am 16. November in Görlitz. Er wird auf dem Nikolaifriedhof beigesetzt. Der Diakon muss vom Rat gezwungen werden, die Grabrede zu halten. Das Grabkreuz wird bereits nach wenigen Tagen geschändet. Katharina überlebt ihren Mann nur um ein Jahr.

(Text: Norbert Faust)

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