Heilig-Grab-Anlage

Das ganze Mittelalter hindurch waren Christen von der Sehnsucht erfüllt, dem Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi möglichst nahe zu sein. Wer dazu in der Lage war, machte sich auf den Weg ins Heilige Land, nach Jerusalem. Und wo es auch immer ging, schufen Nachbildungen des Heiligen Grabes eine Verbindung zur zentralen Geschichte des christlichen Glaubens. Die Görlitzer Heilig-Grab-Anlage ist ein beeindruckendes Zeugnis dieser spätmittelalterlichen Frömmigkeit.

Sie ist Teil einer unter freiem Himmel inmitten eines Gartens angelegten mittelalterlichen Pilger- und Andachtsstätte. Die gesamte Anlage, bestehend aus der Doppelkapelle zum Heiligen Kreuz, dem Salbhaus und der Grabkapelle, ist eine Nachbildung der wichtigsten Teile in der großen Grabeskirche in Jerusalem, ein Ort der Erinnerung an Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi.

Die Konzeption der Anlage ist dem späteren Görlitzer Bürgermeister Georg Emmerich zu verdanken, der im Jahre 1465 nach seiner Rückkehr von einer Pilgerreise in das Heilige Land mit der Stiftung einer ersten Kapelle zum Heiligen Kreuz den Grundstein legte. Der Bau der Kapellen erfolgte in den Jahren
1481 - 1504.

Der Kreuzweg

Diese einzigartige Anlage bildet den Abschluss eines von der Kirche St. Peter und Paul, der größten fünfschiffigen gotischen Hallenkirche Sachsens (1423 - 1497), ausgehenden Kreuzweges. Dieser beginnt am Westportal der Kirche, vom sogenannten Richthaus des Pilatus. Er führt auf der Görlitzer Via Dolorosa am "Jesus-Bäcker" vorbei durch die Nikolaivorstadt bis zum Heiligen Grab. Wie sein Jerusalemer Vorbild zählt der Kreuzweg knapp 1000 Schritte.

Mit diesem Ensemble aus Kirche St. Peter und Paul, Kreuzweg und Heilig-Grab-Anlage, besitzt die Stadt Görlitz ein Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit und Landschaftsarchitektur von europäischem Rang. Führungen, Vorträge, der Kreuzweg am Karfreitag und die österliche Auferstehungsfeier vermitteln den biblischen Kontext und laden ein zu Andacht und Besinnung.

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