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Jubiläum: "Mit Leidenschaft für Kirche und Schule"

Zum 75. Geburtstag von OKR i.R. Norbert Ernst am 12. März

Von Hans-Wilhelm Pietz

Als vor 15 Jahren der 60. Geburtstag von Norbert Ernst zu feiern war, hat ihn Eberhard Völz als einen ungewöhnlich engagierten Christenmenschen und Mitgestalter der Wege in unserer Kirche und Region gewürdigt: „Er hat viel bewegt“, stand damals schon als ein Ausdruck des Staunens und der Dankbarkeit über dem Geburtstagsgruß in unserer Kirchenzeitung. Wer nun zum 75. Geburtstag auf die Lebensstationen und Prägungen des Pfarrers, Superintendenten und Oberkonsistorialrats Norbert Ernst blickt, wird noch einmal mehr entdecken, wie sein vielfältiges Engagement aus einer tiefen Leidenschaft für Kirche und Schule kommt. Leidenschaftlich begleitet er bis heute den Weg des Christlichen Gymnasiums Johanneum in Hoyerswerda. Leidenschaftlich hat er sich für das Heilige Grab in Görlitz und die Aufgaben der Evangelischen Kulturstiftung eingesetzt. Mit Leidenschaft ringt er darum, dass wir die Schätze der schlesischen Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte in den Aufgaben und Heraus-forderungen der Gegenwart wahrnehmen und nutzen. Dabei weiß der Jubilar, dessen Geburtstag Jahr für Jahr in die Passionszeit fällt, darum, dass solche Leidenschaft immer auch mit dem Leiden unter Sachzwängen und menschlichen Fehlern, mit dem Leiden unter vergeblicher Mühe und enttäuschten Erwartungen verbunden ist.

Norbert Ernst ist 1934 in Niesky geboren worden – in jenem Jahr, in dem die Barmer Theologische Erklärung die falsche Lehre verwarf, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen. Und die Frage danach, wie wir in unserem Gestalten und Arbeiten dem Auftrag Jesu Christi entsprechen können, hat ihn im Wandel der Situationen und Zeitumstände je neu bewegt. Nach Schule und Studium in Halle war Norbert Ernst seit 1958 Vikar und Pfarrer in Gersdorf, dann von 1973 bis 1982 Superintendent des Kirchenkreises Reichenbach. Wer einmal darauf achtet, wie er die Gemeinde- und Lebensgeschichten aus „seinem“ ehemaligen Kirchenkreis bis heute begleitet, entdeckt viel vom Seelsorger und Freund Norbert Ernst.

Zwischen 1982 und 1985 gehörte er dem Görlitzer Konsistorium als nebenamtlicher Konsistorialrat an. Seit 1985 war er hier im Hauptamt tätig und wurde 1991 zum Oberkonsistorialrat ernannt. Eine besondere Profilierung hat er der evangelischen Schülerarbeit in der schlesischen Oberlausitz, aber auch deren DDR-weiter Vernetzung und Gemeinsamkeit geben können. Und dann waren es vor allem drei Bereiche, in die er seine Gaben einbringen konnte: als Erziehungsdezernent zuständig für Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Religionsunterricht und die dazugehörenden Aus- Fort- und Weiterbildungsinitiativen; in der Verantwortung für die diakonische Arbeit besonders am gelingenden Miteinander von Kirche und Diakonie beteiligt; in der kirchenmusikalischen Arbeit gerade auch für die Begleitung der Görlitzer Kirchenmusikschule tätig. Er hat im Zuge der Entwicklung einer demokratischen Lebenskultur nach 1989 die erste Generation von Religionslehrerinnen und Religionslehrern mit ausgebildet und geprägt, die Errichtung der Tagungsstätte Kreuzbergbaude und die Gründung des Evangelischen Gymnasiums Johanneum entscheidend vorangebracht.

So darf am 12. März bei seinem 75. Geburtstag ein reiches Stück der Geschichte unserer schlesischen Oberlausitz und des kirchlichen Wirkens in ihr erinnert werden. Gewiss wird Norbert Ernst selbst darauf verweisen, dass Bischof Hans-Joachim Fränkel ihn gerade als einen „unbequemen“ Pfarrer und Theologen zu schätzen wusste. Und zusammen mit dem Jubilar werden wir die Vielschichtigkeit jener leidenschaftlichen Frage bedenken, die ihm in der Emmaus-Geschichte des Lukasevangeliums so nahe gekommen ist: Brannte nicht unser Herz in uns?

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