Presse: "Vom langen Atem und vom belebenden Klang" - Verabschiedung Landesposaunenwart, Görlitz, 22. März 2009
Am 22. Februar wird Landesposaunenwart Bernd-Johannes Alter in der Görlitzer Kreuzkirche verabschiedet
Seit mehr als 100 Jahren prägen Posaunenchöre das Bild evangelischen Lebens in unserer Stadt. Und mehr noch: Sie geben ihm einen unverwechselbaren Klang. Wer einmal erfahren hat, wie es ist, wenn von den Bläserinnen und Bläsern selbst noch am Grab ein Hoffnungslied angestimmt wird, vergisst das nicht. Wem einmal mitten in der Sylvesternacht der Bläsergruß vom Kirchturm begegnet ist, versteht mehr von Dankbarkeit und Zuversicht. Gottesdienste mit Posaunenmusik haben selbst in Zeiten dürrer Gedanken dafür gesorgt, dass Herzen und Sinne nicht leer blieben. Um vieles ärmer wäre unser Christkindlmarkt ohne Posaunenspiel. Und wem es bei einer Geburtstags- oder Hochzeitsfeier begegnet ist, weiß darum, dass Bläserklänge nicht nur Herzen bewegen, sondern geradezu zum Tanzen verlocken können.
Seit mehr als 100 Jahren stellen die Posaunenchöre unserer Stadt einen starken Ort ehrenamtlichen Engagements dar. Manchmal wirken in ihnen drei Generationen mit. Das Spiel verbindet Großvater, Tochter und Enkelsohn. Es verbindet Glaube und Kultur, Familie und Kirche, Kirche und Öffentlichkeit. Wir haben in der Tat Grund dazu, diesen Bereich unseres städtischen und musikalischen Lebens dankbar wahrzunehmen, zu pflegen und zu fördern.
Durch 35 Jahre hindurch hat nun Landesposaunenwart Bernd-Johannes Alter die Bläserinnen und Bläser in unserer Stadt und Region begleitet und geprägt. Am 22. Februar wird er in einem Bläsergottesdienst in der Görlitzer Kreuzkirche in den Ruhestand verabschiedet. Mancher Görlitzer wird darüber staunen, dass der so einsatzfreudige und zugewandte Christenmensch, Nachbar und Mitbürger nun schon in wenigen Tagen den 65. Geburtstag feiern darf. Wer Posaune, oder Trompete, Tuba oder Horn bläst, bleibt ja in einem belebenden Atem. Bläser bleiben lange jung. Es gibt ja immer etwas zu spielen.
Wer Landesposaunenwart Alter kennt, hat gewiss das Bild eines begeisterten und dabei bescheidenen Chorleiters und Stimmgebers vor Augen. Bei Wind und Wetter, mit mehreren hundert Bläsern oder im Quartett – im Vordergrund steht bei ihm jener Dienst, der andere erreichen, ermutigen, trösten oder auf den Weg bringen soll. Hunderte von Schülerinnen und Schülern hat Bernd-Johannes Alter ausgebildet. Den etwa 500 Bläserinnen und Bläsern in der schlesischen Oberlausitz gibt er Anregung zu Neuem und Hilfe im Beständigen. Und doch ist sein Einsatz weit über die Arbeit vor Ort hinausgegangen: Bei den großen Kirchentagen kennt man die Chöre aus der schlesischen Oberlausitz. In Polen und Tschechien und weiter noch bei unseren östlichen und südlichen Nachbarn hat Bernd-Johannes Alter die Bläsermusik zum Anlass völkerverbindender Nähe und konkreter Hilfe werden lassen. Seit Jahren besucht er mit Bläsergruppen Orte und Gemeinden jenseits unserer Grenzen. Dabei wird schön und herzbewegend musiziert und in gemeinnützigen Projekten tatkräftig geholfen. Posaunenarbeit ist Dienst für andere, Dienst zur Ehre Gottes. Dafür steht Bernd-Johannes Alter. Dafür gilt es, dankbar zu sein. Wir werden seinen langen Atem in unserer Stadt brauchen, auch wenn er im März in den Ruhestand geht.
Der Bläsergottesdienst zur Verabschiedung beginnt am Sonntag, dem 22. Februar, um 14.30 Uhr, in der geheizten Kreuzkirche.
