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Fundstück: Superintendent Dr. Gotthold Holzhey

Abschrift aus Wochenzeitschrift "Die Kirche", Nr. 09/1981

Abschied von Gotthold Holzhey


Am Dienstag, dem 13. Januar 1981, verstarb plötzlich in West-Berlin Superintendent i. R. Gotthold Holzhey. Gott hat ihn zu sich gerufen. Drei Tage vorher war er noch zur Beerdigung von Pfarrer Doehring in Bernsdorf gewesen. Wir blicken dankbar zurück auf sein Leben und Wirken.

Er wurde am 26. August 1909 im früheren Bunzlau (Schlesien) geboren. Aufgewachsen ist er in einem Elternhaus, das durch die Frömmigkeit der Gemeinschaftsbewegung geprägt war. Er besuchte das Gymnasium in Bunzlau und verbrachte neun Jahre im Internat. In dieser Zeit hatte Superintendent Dahlmann entscheidenden Einfluß auf seinen weiteren Weg genommen. Gotthold Holzhey hat es später immer als eine Führung angesehen, daß er als Pfarrer von Ruhland in den Spuren von Oberpfarrer Dahlmann, dem späteren Superintendenten von Hoyerswerda, seinen Dienst tat. Sein Theolgiestudium absolvierte er in Leipzig. Nach dem 1. Examen verlebte er die Vikariatszeit an verschiedenen Orten: im ehemaligen Großwartenberg, im früheren Plümkenau (Oberschlesien), in Ruhland und Dittmannsdorf. von Dittmansdorf aus machte er sein 2. Examen und wurde im August 1936 im damaligen Breslau durch Bischof Zänker ordiniert. Im April 1936 heiratet er seine Mitstudentin Käthe Schmidt. Er kannte sie vom ersten Tage seines Studiums an. Das Hilfspredigerjahr leistete er im früheren Jauer (Schlesien) ab.

1937 wurde er vom Patron der Kirchengemeinde Ruhland berufen. In dieser Gemeinde ist er mit großer Freude aufgenommen worden, da er schon aus der Vikariatszeit bekannt war.

Die landwirtschaftliche Lage der Gemeinde, die wachsende Industrie und die Mentalität der Bevölkerung waren für den Beginn seines Dienstes nicht unbedingt positive Voraussetzungen. Dennoch wurde die Gemeinde Ruhland seine "erste Liebe", der er gern 40 Jahre die Treue gehalten hat. In ihr hat er mit ganzer Hingabe und mit großem Fleiß als Prediger des Wortes Gottes und als Seelsorger gewirkt. "Ihm ging es darum, alles in Ordnung zu halten, viele Möglichkeiten des Angebotes der Verkündigung zu schaffen und unbeirrt seinen Auftrag gemäß der Ordination zu erfüllen." Es kam ihm immer auf ein gutes Verstehen mit den Mitarbeitern an.

Das schwere Erlebnis der Kriegs- und Nachkriegszeit hat ihn und seine Gattin eng mit den Menschen dieser Gemeinde verbunden. Gott schenkte ihnen fünf Kinder. Der Heimgegangene war für sie "ein verständnisvoller Vater, der immer versuchte, den richtigen Weg für sie zu finden". Inzwischen sind sie alle verheiratet und dürfen sich einer eigenen Familie erfreuen.

In den Jahren 1966 bis 1977 war der Heimgerufene Superintendent des neugebildeten Kirchenkreises Ruhland. In diesem Amt lag ihm sehr am Herzen, daß Pfarrer und Mitarbeiter zu einer guten Dienstgemeinschaft zusammenfanden. Er wußte: nur wo gegenseitige Tröstung und Stärkung der Brüder und Schwestern ist, da kann die Botschaft von Christus mit Freude weitergegeben werden.

Im Jahre 1977 ging er zusammen mit seiner Frau in den Ruhestand nach West-Berlin. Ruhestand bedeutete für ihn aber nicht, untätig zu sein. Er wurde in zunehmendem Maße darum gebeten, Gottesdienste, Beerdigungen und Bibelstunden zu halten. Noch an seinem Sterbetag hat er eine Beerdigung gehalten. Für diesen Dienst der Verkündigung am Grab wählte er das Wort "Herr, ich hoffe auf dich und spreche: du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen" (Psalm 31, 15-16). Auch die Leitung des Kreises der Pfarrer im Ruhestand hat er übernommen.

"Diese Jahre sind wirklich noch einmal eine Krönung seines Amtslebens gewesen, und er hat sie dankbar in aller Bescheidenheit genossen." Dabei galt sein Gedenken vielen Menschen, mit denen er vorher in Gemeinde und im Dienst verbunden war. Sie alle erinnern sich dankbar ihres Bruders in Christus, der in seiner bestimmten und zugleich freundlichen Art, mit seiner Weitsicht im Blick auf wichtige Entscheidungen und mit seinem Humor in ihrer Mitte gewesen ist.

Fast zwei Jahrzehnte lang war Gotthold Holzhey Mitglied der Kirchenleitung und der Provinzialsynode, die er von 1972 bis 1975 auch als ihr Präses leitete. Er war wohl fast ebenso lange Mitglied und dann auch Vorsitzender des Ständigen Finanzausschusses der Provinzialsynode. Er vertrat unsere Kirche jahrelang in der Synode der Evangelischen Kirche der Union.

Die Trauerfeier für den Heimgegangenen fand am Sonnabend, dem 24. Januar, in der Ruhlander Kirche statt, in der sich eine große Gemeinde versammelt hatte. Die Beerdigung konnte jedoch erst am Sonnabend, dem 31. Januar, auf dem Ruhlander Friedhof sein.

Wir bekennen mit der Gattin des Heimgegangenen: "Wir sind alle dankbar, daß er aus dem vollen Leben abgerufen wurde und nicht erleben mußte, wie die Kräfte allmählich schwanden. Das tröstet uns in unserem großen Schmerz der plötzlichen Trennung und die Gewißheit, daß er bis zuletzt einen klaren Weg des Bekennens und des Verkündigens gehen durfte."

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