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Bericht: Kreissynode NOL am 9.5.2009

Bericht des Superintendenten zur Kreissynode am 9.5.2009 in Rietschen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Meinen Synodenbericht möchte ich mit der Losung des heutigen Tages beginnen.  Noch dazu , wo heute der Gedenktag des Menschen ist, dem wir die täglichen Losungen verdanken: Nikolaus Graf von Zinzendorf. Die heutige Losung lautet: Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast. 2. Mose 15,13
Beschreibt diese Losung unsere Situation? Sind wir das Volk, dass Du, Gott, durch Deine Barmherzigkeit erlöst hast? Wurden wir durch Dich, Gott, im letzten Jahr geleitet? Es gehört schon die Kühnheit des Glaubens dazu, auf diese Fragen mit einem klaren, festen Ja zu antworten. Aber der Glaube schaut nicht zuerst auf das, was vor Augen steht, sondern er schaut zuerst auf die Zusage des Wortes. Wir dürfen also Ja sagen. Ja, wir sind das Volk, das Gott erlöst hat. Ja, Gott hat uns geleitet durch seine Barmherzigkeit. Aus diesem Ja auf die Zusage Gottes hin, können und sollen wir auf unsere Situation blicken. Wo hat sich denn etwas gezeigt von der Leitung Gottes? Wo wurde sichtbar, dass wir das erlöste Volk sind mitten in den Widrigkeiten dieser Welt und den Widerständen, die sich auch immer wieder bei uns selbst finden?
Ich möchte ein paar Tendenzen und Ereignisse herausgreifen, die mir aufgefallen sind und über die wir zum Teil auch heute noch weiter beraten und entscheiden werden. Der Kirchenkreis ist in Bewegung, jedenfalls, wenn man die Pfarrstellenbesetzung betrachtet. Wir haben zwei  neue Entsendungspfarrer von der Landeskirche zugewiesen bekommen: Pfarrerin Jung für Weißwasser und Pfarrer Huth für die Trinitatisgemeinde am See.  Von beiden habe ich schon viel Positives gehört. Dabei sah es erst so aus als würde nur ein Pfarrer entsandt werden. Und dann im letzten Augenblick – wunderbarerweise – konnten wir Pfarrer Huth nach See und Pfarrerin Jung nach Weißwasser schicken. Die bedenkliche Seite dabei ist, dass sich auf die Ausschreibung der Pfarrstelle in Weißwasser niemand beworben hat. Die gefühlte Entfernung von Berlin spielt sicherlich eine Rolle und inzwischen sind wir auch wieder soweit, dass wir für neue Theologiestudenten werben sollen, weil nicht genug Bewerber zur Verfügung stehen. Konzeptionell bedeutet das für uns: wir sollten dankbar sein für die in den letzten Jahren entsandten Pfarrerinnen und Pfarrer, auf sie zugehen, ihnen beistehen, um Ihnen die ersten Schritte Ihrer Arbeit in den Gemeinden zu erleichtern und ihnen zeigen, dass wir sie brauchen. Wir sollten gemeinsam an einer Atmosphäre arbeiten, in der sie sich wohlfühlen und wir mit ihnen, so dass sie nach ihrer Entsendungszeit geneigt sind, ihre persönliche Zukunft gern mit unserer Region zu verbinden.
Bleiben wir noch etwas bei der Pfarrstellenbesetzung: Wir haben Bruder Scheuerlein in den Ruhestand verabschiedet. Dafür wird Pfarrer Hirschmann, der zugleich zu 50% Polizeiseelsorger im Sprengel ist, nach Königshufen in die Hoffnungskirchengemeinde kommen. Im Herbst wird Pfarrer Mantei seinen hauptamtlichen Dienst beenden. Dafür soll unser Krankenhausseelsorger im Klinikum Görlitz, Pfarrer Naumann, in die Kirchengemeinden Ludwigsdorf und Zodel  gehen. In beiden Fällen war die Pfarrstelle bisher mit 100% besetzt. Beide Pfarrer behalten einen 50%igen Seelsorgeauftrag und gehen zu 50% in den Gemeindedienst. Diese Reduzierung soll durch regionale Zusammenarbeit, einmal mit den Gemeinden Ebersbach und Kunnersdorf, im anderen Fall durch die reformierte Gemeinde, abgefedert werden. Das Besondere daran ist und deshalb berichte ich davon an dieser Stelle: ich hatte in den Gesprächen mit den betroffenen GKR den deutlichen Eindruck, dass die Ältesten die Situation sehr realistisch erfasst haben, dass sie den Schmerz über die Reduzierungen deutlich zum Ausdruck gebracht haben, aber dennoch bereit waren, gemeinsam verantwortungsvoll nach neuen Lösungen zu suchen. Was ich erlebt habe, war nicht ein eisernes Festhalten an vermeintlichen Besitzständen, sondern ein tastendes Ausstrecken der Hand, ob Vertrauen möglich ist und ein fairer Ausgleich gefunden werden kann. Du hast geleitet Dein Volk.
Das ist für mich der wichtigste Vorgang, auf den ich in den vergangenen Monaten aufmerksam geworden bin: dieses tastende Ausstrecken der Hand, ob Vertrauen möglich ist, um Verabredungen zu treffen, die tragen. In vielen GKR-Sitzungen, mit manchmal sehr heiklen Fragen, in Einzelgesprächen, im Pfarrkonvent und während der Ältestenschulung habe ich Anzeichen wahrgenommen, dass wir uns einer Gesprächskultur nähern, wo wir mit großen Ernst die Schwierigkeiten unserer Lage gemeinsam wahrnehmen und dennoch nicht in einen Streit um eigene Vorteile und Misstrauen gegen die Absichten der anderen verfallen, sondern Schritte des Vertrauens wagen, um Neues miteinander zu gestalten.
Das gilt auch für unser Großprojekt, den Stellenplan. Manch einer kann das Wort schon nicht mehr hören und im Konsistorium wundert man sich, wie lange wir uns damit Zeit lassen. Aber wir haben nach gründlichen Abwägungen im Kreiskirchenrat die Meinung gefasst, dass der Stellenplan für uns nicht nur ein Zahlenwerk sein soll, dass wir möglichst schnell nach Berlin melden sollten, um ja die Norm zu erfüllen. Mit dem Stellenplan wollen wir im Kirchenkreis eine Gesprächskultur schaffen, durch die wir die  gegenseitige Situation besser kennenlernen, Entscheidungsprozesse zwischen Kirchenkreis und Gemeinden transparenter werden und Vertrauen bilden für ein solidarisches Herangehen an gemeinsame Probleme. Deshalb haben wir in einem ersten Schritt zusammen mit unserer schönen Visualisierung des Kirchenkreises das Regionenmodell  in den Gemeinden diskutiert und hier in der Synode beschlossen. Als zweiten Schritt wollen wir heute den kreiskirchlichen Stellenplan noch einmal ausführlich diskutieren. Die Anregung dazu kam von der letzten Synode, also uns über die Besuchsdienstarbeit kontrovers austauschten. Im Nachgang haben wir festgestellt: es ist wichtig, dass wir miteinander in den Ausschüssen und in der Synode miteinander inhaltlich diskutieren, in welcher Weise, mit welchen Stellen der Kirchenkreis die Arbeit in den Gemeinden fördern soll. Als dritter Schritt, der wir heute vorbereiten wollen, haben wir noch die Mitarbeitenden-Stellen in den Gemeinden in den Blick zu nehmen. Wir wollen heute anregen, dass in den Gemeinden Perspektivpläne über die Stellenentwicklung aufgestellt werden. Jede Gemeinde soll eigenständig über ihre Stellen entscheiden und prüfen, wie durch regionale Vernetzung, die eigenen Handlungsmöglichkeiten erweitert werden können.  Ganz in diesem Sinne ist es, wenn gegenwärtig ein regionaler runder Tisch der Kirchengemeinden zwischen Buchholz und Niesky  stattfindet. Gemeinsam wird darüber beraten, wie die Region einen hauptamtlichen Katecheten tragen kann und wie seine Arbeit in der Region organisiert und begleitet wird. Auf diesem Weg wollen wir dann den Stellenplan endgültig auf der Herbstsynode diesen Jahres behandeln und beschließen. Wir sind dann einen gemeinsamen Lernweg gegangen, auf welchen wir die pfarramtliche Versorgung im Regionenmodell, die kreiskirchliche Förderung der gemeindlichen Arbeit  sowie die selbstverantwortliche regionale Gestaltung der Mitarbeitenden-Stellen in den Gemeinden kennengelernt und neu geordnet haben.
Du hast geleitet durch Deine Barmherzigkeit  Dein Volk. Werden wir wirklich von Gott geleitet, wenn wir uns mit den Fragen des Stellenplans beschäftigen? Wo bleibt dabei die Aufmerksamkeit für die missionarische Ausstrahlung unserer Gemeinden im Dienst für die Welt? Ich denke, es war wichtig, dass viele Gemeinden an der missionarischen Aktion „Pro Christ“ teilgenommen haben. Und auch unsere Stellenplanbeschlüsse für eine Förderung der Kirchenmusik, der Seelsorge und Jugendarbeit in den Gemeinden haben unmittelbar missionarischen Charakter. Aber wenn es stimmt, dass wir mit dem Prozess unserer Stellenplandiskussion eine neue Gesprächskultur im Kirchenkreis anstoßen können und konnten, in welcher trotz des belastenden Schrumpfungsprozesses Vertrauen wächst in die gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten, dann haben wir auch für unsere missionarische Ausstrahlung viel gewonnen. Wenn wir miteinander geduldiger werden in unseren Ansprüchen, wenn wir nicht aufeinander Schimpfen und uns gegenseitig Druck machen, sondern füreinander einstehen und uns gegenseitig verständnisvoll wahrnehmen und in Schutz nehmen, dann ist das das Beste, was wir gegenwärtig für die missionarische Ausstrahlung unserer Gemeinden tun können.  Denn das Spüren die Leute sofort, wie wir auf das Kleinerwerden unserer Gemeinden reagieren, ob Angst, Druck und Misstrauen unseren Umgang miteinander prägt, oder entspannte Fröhlichkeit, tatkräftige Kreativität und geduldige Festigkeit im Durchstehen von Schwierigkeiten. Deshalb bin ich dankbar für die Zeichen der Leitung und Fürsorge Gottes, die ich in den vergangenen Monaten erkennen und spüren konnte und von denen ich heute etwas berichten wollte. Ich nehme eine wachsende Gesprächs- und Entscheidungskultur wahr, die offen ist für Vertrauen und gegenseitiges Verständnis und danke Ihnen herzlich für Ihren Beitrag dazu.

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