„Wish You Were Here“

Foto: Bettina Bertram

Görlitz: Reformationsjubiläum hat in der Lutherkirche am 31. Oktober 2016 begonnen

Bettina Bertram

Musikalisch experimentell wurde das Reformationsjubiläum in Görlitz am 31. Oktober in der überfüllten Lutherkirche eröffnet. „Die Musik ist eine ausgezeichnete Gabe Gottes und steht der Theologie am nächsten“, so heißt es in Luthers Tischreden, aus denen dort zitiert wurde. Oder auch: „Der Satan ist ein Geist der Traurigkeit, darum kann er Fröhlichkeit nicht ertragen, darum ist er von der Musik ganz weit weg.“

Pink Floyd-Titel und Luthertexte, Orgel, Saxofon und „Wish you were here”, diese gelungene Mischung brachten die einheimische Fisherman’s Band, Innenstadtpfarrer Hans-Wilhelm Pietz, Kirchenmusikdirektor Erich Wilke, Saxofonist Michael Mönnig und andere miteinander vor den Altar der Lutherkirche. „So, so you think you can tell Heaven from Hell…“ (So, also du denkst, du könntest Himmel und Hölle unterscheiden), sang die Band. Und „What have we found, the same old fears. Wish you were here“ (Was haben wir gefunden? Die gleichen alten Ängste. Ich wünsche, du wärst hier.) Pietz stellte Luthers Brief anden Freund Justus Jonas, geschrieben kurz nach dem Tod der Tochter Magdalene von 1542, daneben, seine menschliche Verzweiflung: „Es haften nämlich tief im Herzen das Aussehen, die Worte und Gebärden der lebenden und der sterbenden Tochter, so dass selbst Christi Tod dies nicht ganz hinwegnehmen kann. Sage du daher Gott an unserer Statt Dank!“, so der mit sich und Gott ringende Vater Martin Luther.

Etliche weitere Texte und Miniaturen waren zu hören, das Publikum konnte The Hooters „Johnny B.“ und Erich Wilkes Improvisationen lauschen, Genesis und „…da berühren sich Himmel und Erde…“ mitsummen. Die Melange aus Rock und Orgel, Tischreden und Großem Katechismus, dazwischen Schmalzschnittchen und Kuchen für alle, wurde bis zu den Emporen hinauf gern aufgenommen.
Das Konzert am Reformationstag 2016 war der Auftakt zu über 40 weiteren Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Dazu wird Anfang Dezember eine Broschüre erscheinen, welche die Veranstaltungen der Gemeinden des Kirchenkreises von Konzerten über Wittenbergfahrten bis zu Jugendcamps für das Reformationsjahr auflistet.

Hinzuweisen ist auch auf weitere Veranstaltungen der Region zum Reformationsjubiläum: Die Eröffnung der Feierlichkeiten im Freistaat Sachsen und in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen findet am 6. Januar 2017 im Bautzener Dom statt. Dazu wird Ministerpräsident Stanislaw Tillich erwartet. In den Städtischen Museen Zittau wird derzeit die ambitionierte Ausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ vorbereitet, die ab Sommer 2017 zu sehen sein wird. Sie rückt die religiöse Toleranz und Offenheit der Oberlausitz in den Fokus und porträtiert prägende Persönlichkeiten der Reformation, so Peter Knüvener, seit 2016 Direktor der Städtischen Museen Zittau. Auch das Schlesische Museum Görlitz ist mit einer Sonderausstellung unter dem Titel „Reformation im östlichen Europa“ präsent, wie die Kulturreferentin am Schlesischen Museum, Annemarie Franke, bei der Frühjahrssynode im Mai 2016 in Hoyerswerda angekündigt hatte. Diese Schau auf 15 Tafeln wird am 9. Dezember 2016, 19 Uhr, in Görlitz eröffnet und ist bis zum 12. März 2018 zu sehen.