Stadtmissionarin Anika Dürrbeck und die schlesische Kirchengeschichte

Anika Dürrbeck vor dem Haus der Stadtmission in Görlitz (Antonsches Haus, 1719 erbaut).

„Wenn ich mir heute noch einmal ein Studienfach dazu wählen dürfte, dann wäre es Geschichte“, sagt Anika Dürrbeck, die Görlitzer Stadtmissionarin, die sich seit sieben Jahren in der Stadt an der Neiße um Menschen in allen Lebenslagen kümmert. Die Kinder am Lutherplatz warten auf sie, wenn sie Mittwochabend mit dem Suppenmobil vorbeikommt, die „Lebenshelden“ der Bahnhofsmission ebenso, die Jugendlichen aus aller Herren Länder auf dem Marienplatz oder obdachlose Görlitzer im sozialen Wohnen in der Rothenburger Straße. Die gelernte Erzieherin, die ihre theologische Ausbildung am Johanneum in Wuppertal absolviert hat, macht viel heil bei den Menschen, die nicht im Rampenlicht der Gesellschaft stehen. Man trifft sie auch, wie sie mit kirchenfernen Kindern eine Schnitzeljagd durch die Lutherkirche oder eine Orgelführung mit einem befreundeten Kantor (;))) veranstaltet oder zu einer Olympiade vor der Kirche Mädchen und Jungen einlädt. Dies alles geht der Stadtmissionarin leicht von der Hand und ist ein Segen für Görlitz.

Nun reist im Auftrag des Kirchenkreises ab und an mit einem Koffer schlesischer Kirchengeschichten und mit Powerpointpräsentationen zu ganz verschiedenen Zielgruppen in Kirchengemeinden, um beispielsweise Friedenskirchen und Gnadenkirchen, Grenz- und Zufluchtskirchen vorzustellen und weckt damit Interesse an der in Kilometern so nahe liegenden Kirchengeschichte Schlesiens. Die zu bewahren hat sich der Kirchenkreis schlesische Oberlausitz auf die Agenda geschrieben. Anika Dürrbeck wurde mit einer viertel Stelle als schlesische Reisereferentin ausgestattet. Sie ist nun „lerning by doing“ mit Teenykreis und Bibelstunde in vergangenen Jahrhunderten schlesischer Kirchengeschichte unterwegs, die für sie selbst auch Neuland waren. Je intensiver sie sich mit ihr beschäftigte, desto mehr faszinierte sie die „Segensgeschichte“ bis ins Heute hinein. Eigentlich stammt Anika Dürrbeck aus Franken und rollt auch das „R“ wie es dort üblich ist. Wer sich wundert, warum ausgerechnet sie mit dem schlesischen Koffer unterwegs ist, den verweist sie auf die Brücken, die bereits vor ihrer Zeit zwischen Franken und Schlesien bestanden. Die heilige Hedwig, die Schutzpatronin Schlesiens, stammte aus dem Frankenland und auch Johann Hess, mit dem die Reformation in Breslau auf das Engste verbunden ist, war ebenfalls aus Nürnberg nach Schlesien gekommen, nur zum Beispiel.
Im ersten halben Jahr hat sie auch am Jugendtheaterstück „Luther war nie in Schlesien“ mitgearbeitet, bei dem zwei Jugendliche des 21. Jahrhunderts per Zeitgenerator sich ins 16. Jahrhundert und da an Orte der Reformation in Breslau, Lauban und Görlitz begaben, um dort in die Veränderungen der frühen Neuzeit einzutauchen. Später wird sie noch weitere Reisen mit verschiedenen Kooperationspartnern nach Breslau und zu anderen bedeutenden Orten vorbereiten.
Kontakt: 03581 876666, Pension zum Antonschen Haus, Langenstr. 43, 02826 Görlitz

Und für die Innenstadtgemeinde Görlitz arbeitet sie auch zu 25 Prozent. Dort bereitet sie im „diakonisch-missionarischen Gemeindeaufbau“ künftige Themengottesdienste zum Freitagabend in der Dreifaltigkeitskirche vor, für die sie bereits eine Band und einen Mitarbeiterstab gesammelt hat.

Es ist geplant, dass in das barocke Haus der Stadtmission in der Langenstraße das Archiv der Gemeinschaft ev. Schlesier einziehen soll. Wer dann als Gast in der Pension „Zum Antonschen Haus“ residiert, hat das Archiv der Gemeinschaft im Haus und das Schlesische Museum und die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in Laufnähe.

Text und Foto: Bettina Bertram