Generationswechsel bei schlesischen Erben

Pfarrer Dr. Schott

Generalsuperintendent Herches Hoffnung auf die Enkel

Von Bettina Bertram

An diesem Wochenende steht bei der Tagung der Gemeinschaft evangelischer Schlesier in Görlitz ein Generationswechsel im Vorstand an. Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott (83) aus Mainz, prägender Vorsitzender der Gemeinschaft, zieht sich krankheitsbedingt aus dem Vorstand zurück. Mit Schott geht eine herausragende Persönlichkeit der Gemeinschaft, die noch zur Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung gehört, in den Ruhestand.

„Ich glaube, Pfarrer Dr. Schott ist zu einem Segen für viele Heimatvertriebene geworden“, sagte Generalsuperintendent Martin Herche am vergangenen Samstag über Schott: „Viele durch Flucht oder Vertreibung traumatisierte Menschen haben sich von ihm verstanden gefühlt. Mit seinen Predigten und durch viele Briefe hat er sie begleitet und getröstet und ihnen Orientierung gegeben. Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat er Entscheidendes für die Bewahrung des geistlich-geistigen Erbes der schlesischen Kirche geleistet.“ Dass man sich dieser Geschichte verstärkt als länderübergreifende kulturelle und geistliche „Erbengemeinschaft“ annimmt, wird für die Verantwortlichen immer wichtiger, die polnischen Schlesier haben als ortsansässige Evangelische das Thema längst für sich entdeckt und sind präsent. Vor diesem Hintergrund habe Schott schon immer „im Geiste der Versöhnung gute Kontakte zu den heute in Schlesien lebenden Verantwortlichen in Kirchgemeinden und Kommunen gepflegt und als Vorsitzender der Gemeinschaft ev. Schlesier große Verdienste erworben“, so Herche. Auch in der schlesischen Oberlausitz sei Schott ein geschätzter Referent gewesen.

Generalsuperintendent Herche

Festveranstaltung zum 65-jährigen Bestehen der Gemeinschaft

In der Einladung zur Festveranstaltung der Gemeinschaft, die am 6. September im Wichernsaal der Neißestadt ihr 65-jähriges Bestehen feiert, ist von Dankbarkeit zu lesen, „dass sich Menschen für die Vorstandsarbeit finden lassen, die das begonnene Werk verantwortungsvoll fortsetzen.“ Ganz konkret wird sich Martin Herche, der Görlitzer Generalsuperintendent, gefragt von Schott und ermuntert vom Berliner Bischof Dröge, zur Wahl stellen. „Es ist eine Möglichkeit, aus unserer Landeskirche heraus Verantwortung für das schlesische Erbe mit wahrzunehmen. Das legt sich gerade für den Görlitzer Generalsuperintendenten nahe“, sagt Herche. Als einem Vertreter der Nachkriegsgeneration wäre es sein besonderes Anliegen, das Vertrauen der alt gewordenen Mitglieder der Gemeinschaft zu gewinnen. „Ich möchte ihnen als Seelsorger gern ein verlässlicher Ansprechpartner und Begleiter sein.“ Deshalb seien ihm auch baldige Besuche bei den Zusammenkünften der einzelnen Landesarbeitsgemeinschaften im Bundesgebiet sehr wichtig, sagt Herche. Und auch der Kontakt nach Polen, besonders zur Diözese Breslau und ins Teschener Land stünden auf der Prioritätenliste weit oben im Falle seiner Wahl.

Hoffnung auf die Enkelgeneration

„Und wissen Sie, was mich geradezu begeistert? Das Wissen um unser gemeinsames schlesisches Erbe birgt Potenzial für ein grenzüberschreitendes europäisches Zukunftsprojekt. Es gibt schon lange viele persönliche Freundschaften zwischen Deutschen und Polen, konkrete Spendenaktionen der Gemeinschaft und ihrer Landesarbeitsgemeinschaften, gemeinsame EU-Projekte, Studienreisen, Gemeindebegegnungstage und nicht zuletzt Gemeindepartnerschaften. Mein Ziel ist es, für so ein Zukunftsprojekt auch jüngere Menschen zu gewinnen.“

Informationen:

Die 1950 gegründete Gemeinschaft ev. Schlesier (www.gesev.de) versteht ihre Aufgabe darin, das geistliche, geschichtliche und kulturelle Erbe der schlesischen Kirche zu wahren und für die Zukunft fruchtbar zu machen.

Im Anschluss an die Gemeinschaftstagung trifft sich der Verein für schlesische Kirchengeschichte, dessen Vorsitzender der Superintendent des Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz, Thomas Koppehl ist, vom 7. bis 10. September 2015 in der Evangelischen Tagungsstätte auf dem Kreuzberg in Jauernick bei Görlitz.