„Frauen der Reformation“ - Ausstellungseröffnung am 30. Juli 2016

Foto: Bettina Bertram

Frauenkirche Görlitz

Pfarrerin i.R. Sylvia Herche, die Leiterin des Büros Offene Kirchen Ruth-Andrea Lammert, die Mitarbeiterin der Kreiskantorin Heidrun Thiem-Seifert (v.r.n.l.) und andere Görlitzer Frauen schlüpften zur Vernissage der Ausstellung „Frauen der Reformation“ am Samstag in Theaterkostüme des 16. Jahrhunderts. Sie spielten Protagonistinnen der Reformationszeit, die in den Bereichen Bildung und Erziehung tätig wurden, in Politik und Diplomatie eingriffen und die mit den Reformatoren theologischen Austausch suchten, weil sie neuerdings in Fragen des Glaubens mitredeten. Ergänzt und unterstrichen wurden die lebendigen Textdarbietungen vom kräftigen Klang des Frauenposaunenchores, der reformatorische Choräle spielte.

Unter den zwölf vorgestellten Biografien sind Katharina von Schwarzburg, „die Heldenmütige“, die als couragierte Frau mit einer großen Bibliothek beschrieben wird, die sich für Bildung stark machte, Reichsfürstin Anna II. von Stolberg, die erste protestantische Äbtissin des Quedlinburger Stifts, und Elisabeth Cruciger, die als erste evangelische Liederdichterin (EG 67, „Herr Christ, der einig Gott’s Sohn“) bekannt geworden ist. Auch Magdalena von Staupitz, musizierende Nonne, die dem Zisterzienserinnenkloster den Rücken kehrte und Leiterin einer Mädchenschule in Grimma wurde, war eine von vielen Frauen, die die Reformation beförderten, heute aber wenig bekannt sind.

Heidrun Thiem-Seifert verkörperte bei der Ausstellungseröffnung am 30. Juli die tapfere fromme Protestantin Felicitas von Selmnitz. Die Hallenser Adlige stand mit Johannes Bugenhagen, Justus Jonas und Martin Luther in Kontakt. Sie hat die erste vollständige Bibelübersetzung von 1534, die sie mit einem Schenkungsvermerk Martin Luthers gewidmet bekam, akribisch studiert. In der Marienbibliothek zu Halle sind heute noch ihre handschriftlichen Anmerkungen, Unterstreichungen, ihr ,Bildprogramm‘ und ihre Notizen zu sehen, die sie in den von ihr gelesenen Büchern hinterließ.

Die Wanderausstellung wurde von der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland konzipiert. In ihr stellen auf zwölf Plakatrollen „Patinnen“ der Gegenwart in persönlicher Weise die Beziehung zu den „Ahninnen“ der Reformationszeit her.

Der Frauenkonvent des Kirchenkreises schlesische Oberlausitz um Sylvia Herche lädt in Görlitz noch bis zum 28. August zur Besichtigung dieser Ausstellung ein. Ab 30. August ist die Ausstellung im Martin-Luther-King-Haus in Hoyerswerda zu sehen. (beb)

Ausstellung in der Frauenkirche Görlitz 30.07.-28.08.2016, geöffnet Mo-Sa 10-18, So 11.30-18 Uhr.