Die Macher

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Görlitz: Evangelische Kirche dankt internationalen Freiwilligen am Heiligen Grab

Bettina Bertram

Auf Inmas Unterstützung bauen in Görlitz die Mädchen und Jungen der Akrobatik-AG der freien christlichen Dietrich-Heise-Grundschule. Die Spanierin aus Valencia stapelt in der AG mutige und schüchterne Kinder zu Pyramiden und hilft an den Vormittagen bei Mathe, Deutsch und im Sportunterricht oder begleitet die Sieben- und Achtjährigen zum Schwimmen in den polnischen Ostteil der Stadt, nach Zgorzelec. Nachher hilft sie beim Fönen der Zöpfe. Inmaculada kommt von der Universität in Alicante am Mittelmeer. Auch wenn sie die Sonne und die Wärme Spaniens vermisst, gefällt es ihr sehr gut in Görlitz. Sie ist eine der zehn Freiwilligen aus Europa und Afrika, die Martin Herche, der Görlitzer Generalsuperintendent, am Montag der Karwoche mit ihren Mentorinnen zu einer Andacht am Heiligen Grab und zu einem Begegnungsfrühstück eingeladen hat.
Die vom CVJM in Schulclubs und christlichen Kindergruppen platzierten Jugendlichen kommen aus Norwegen, Spanien, England, Niger, Belarus, Siebenbürgen/Rumänien und Deutschland. Sie bereichern mit ihrer Weltoffenheit, ihren musikalischen, sprachlichen oder sportlichen Talenten und den Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern die christliche Kinder- und Jugendarbeit der Görlitzer Region. Dafür wollte die Kirche danken.

Einige haben bereits mehrere Semester Pädagogik, Sprachen, Musik oder soziale Arbeit studiert wie Anastasia aus Minsk oder Sian aus Cambridge. Sian, die zwei Jahre Deutsch und Französisch studierte, arbeitet in der ersten Klasse der christlichen Grundschule. Hanija Cragg, ihre Mentorin in Görlitz, ist hin und weg von ihrem „Familienmitglied auf Zeit“. Hanija ist eine der Patinnen, die die Freiwilligen außerhalb ihres Arbeitsverhältnisses begleiten, damit sie sich in ihrem neuen Umfeld beheimatet fühlen.

Maria kam aus Tønsberg in Norwegen. Sie hat ihre Stelle in einem christlichen Kindergarten in Weißwasser durch das Stöbern in einer neu aufgebauten Freiwilligendatenbank gefunden (www.europa.eu/youth/volonteering/project_en). Die erleichtert es den Jugendlichen, sich eine passende Volontärsstelle herauszufiltern.

Felix Schröder aus Krauschwitz, einer der zehn Freiwilligen, hat dort nicht geschaut, denn er kannte schon, was er suchte: „seinen Schulclub“ und die Jugendarbeit in Krauschwitz. Nur seine Rolle hat gewechselt: „Obwohl ich mit 19 noch kein alter Mann bin, fühle ich mich jetzt mehr als Respektsperson, als Macher im Schulclub.“ Er ist die rechte Hand des CVJM-Jugendreferenten Mathias Gelfert, dessen Aktivitäten er jetzt ganz anders wahrnimmt und würdigt. Felix ist sich sicher, dass er Maschinenbau studieren wird.

Auch Izabella aus Nagygalambfalva, das ist ein ungarisches Dorf in Rumänien, hat nicht im Internet recherchiert, um ihre Stelle zu finden. Sie wusste schon seit Jahren, dass sie einmal als Freiwillige der Jugendscheune Melaune arbeiten würde, denn seit langem lebt die Partnerschaft zwischen Melaune/Vierkirchenund der reformierten Gemeinde ihres Heimatortes Nagygalambfalva. Durch Jugendfreizeiten und das gemeinsam verlebte Sommercamp für Roma-Kinder kennen sich viele Jugendliche und Mitarbeiter hier wie dort. Izabella möchte einerseits Soziologie studieren. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie Musiklehrerin wird. Denn sie hat eine Kantorenausbildung absolviert, spielt Gitarre und Klavier. Nach diesem Jahr wird sie es genauer wissen.

Mit „Weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramm kam Mamane aus Niger nach Deutschland. Zuerst wollte er nach England, weil er die englische Sprache, Fußball und speziell den FC Chelsea liebt. Jetzt spielt er Fußball und Verstecken in Görlitz mit Mädchen und Jungen der Dietrich-Heise-Schule. „Er ist ein talentierter Musiker, spielt Klavier nach Gehör und wir freuen uns auf das Konzert ,Weltmusik‘ beim Landesarbeitskreis zu Ostern, bei dem er mitspielt“, sagt Sibylle Warnatsch, Referentin für Freiwilligendienste im CVJM. Sie bringt Freiwillige, Arbeitsstellen und Mentoren auf geeignete Weise zusammen. Mamane, der acht Geschwister hat, träumt davon, Musik zu studieren oder eine Bibelschule zu besuchen.

Die internationalen Freiwilligen, die untereinander und zu Kindern der Region Kontakte und Freundschaften knüpfen, leben es der Region vor, wie junge Leute, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen, gut miteinander leben, glauben und arbeiten können. Für dieses gute Beispiel dankte Martin Herche den jungen Multiplikatoren am vergangenen Montag.