Ausstellung: „Ecce homo - Seht, welch ein Mensch!“

Foto: Christus im Elend (1992). Bettina Bertram

Friedersdorf: Retrospektive Roman Sledz ab Ostermontag in der St. Ursula Kirche

Bettina Bertram
Starke Vergleiche liebt Frank Klimmeck. Er zitiert einen Kunstprofessor und sagt: Roman Sledz ist der „El Greco von Malinówka“, dort bei Lublin wurde der polnische Holzbildhauer 1948 geboren. Der kunstbegeisterte pensionierte Pastor Klimmeck aus Norddeutschland ist einer der größten Bewunderer des „Herrgottschnitzers“ aus Ostpolen - so hatte die FAZ den zeitgenössischen Künstler Sledz in einem Artikel genannt. Der extrovertierte Geistliche und der zurückgezogen in einem Dorf mit hundert Häusern lebende Künstler aus Ostpolen sind unterdessen befreundet.

Nun hat Frank Klimmeck als Kurator eine Retrospektive mit 120 biblischen Figuren und Figurengruppen zusammengetragen, die auf Wanderschaft durch acht Stationen in Polen und Deutschland geht, darunter sind Warschau und Breslau. Am Ostermontag wurde in der kleinen Gemeinde Friedersdorf bei Görlitz die Retrospektive mit einer klangvollen Vernissage eröffnet. Eine aus Privatbesitz und den Ethnografischen Museen Polens und dem westfälischen RELiGIO Museum Telgte zusammen getragene Schau. Sie heißt: „Ecce homo – Seht, welch ein Mensch!“ und sie steht unter der Schirmherrschaft des polnischen Botschafters in Berlin, Prof. Dr. Andrzej Przylebski. In Polen heißt die Schau „Oto Czlowiek“ und steht unter der Schirmherrschaft des deutschen Botschafters.

Heiligenfiguren auf Reisen

Zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert, die Werke spiegeln ca. 50 Schaffensjahre von Anfang der 1970er Jahre bis heute wider. Der örtliche Automobilunternehmer Horst Büchner hat die hölzernen Heiligen, in Decken, Kartons und Noppenfolie verpackt, im Kleinbus vom hohen Norden 630 Kilometer nach Friedersdorf an der Landeskrone gebracht. Nun sind die Figuren wie „Christus im Elend“ (1992), Ungläubiger Thomas (1987), der fast meterhohe Erzengel Gabriel (2017), die Apostel, Engel und weitere hundert eindrückliche Darstellungen von biblischem Personal passend im Kirchenraum platziert.

Sledz und heimatliche Talente

Der umtriebige Klimmeck schult indessen junge und ältere Friedersdorfer verschiedenster Berufe vor Ort zu Ausstellungserklärern. Der Ortsvorsteher Wolfgang Hübner, die Gesundheitsmanagerin Lydia Heidrich oder die Ingenieurin Renata Schubert werden Auskunft geben, warum der spröde Sledz als „Vertreter des polnischen Manierismus“ bezeichnet werden kann und was es mit dem gewagten Vergleich zu El Greco auf sich hat. Die bibelfesten Kunstlaien fühlen sich in diese überlängten, gedrehten, gestretchten oder verzerrten Figuren ein, die so berühren und an Melancholie und verzweifeltem Ausdruck kaum zu überbieten sind. Sie erspüren, warum die 30 Zentimeter bis einen Meter großen Figuren aus Lindenholz ihre Kanten behalten, gar nicht „gefällig“ wirken und soviel Schmerz und Wehmut ausdrücken. „Je trauriger die Skulptur ist, desto schöner erscheint sie mir“, wird Sledz zitiert. Dem Leiden sind die Figuren mehr verwandt als der Freude, allerdings, so Klimmeck, gehe auch eine tiefe Hoffnung von ihnen aus.

Vor zwölf Jahren, 2006, gab es eine Chagall-Ausstellung in der St. Ursula Kirche. Damals wurden farbige Kunstdrucke des jüdischen Malers aus Witebsk den aus tiefer Herzensfrömmigkeit entstandenen 37 Emporenbildern eines unbekannten Friedersdorfer Talents aus dem 18. Jahrhundert gegenübergestellt. Daraus ergab sich ein anregendes Spannungsfeld im Kirchenraum, das viele Interessierte, auch viele kirchenferne Menschen, in die Kirche lockte. Der Bilderbibelzyklus zieht mit seiner fast kindlichen Eindrücklichkeit die Betrachter in seinen Bann. Daran will die Gemeinde nun anknüpfen, denn nicht nur farblich, sondern auch in ihrem uneitlen herben Stil, der weder blenden noch Bewunderung erheischen will, werden die Emporenbilder mit den Sledz-Figuren korrespondieren.

Kaffee, Kuchen und Knete für Kinder

Die Gemeinde lädt nicht nur zur „Ecce homo“-Retrospektive in der Kirche ein, sondern parallel auch zum Aufwärmen bei Kaffee und Kuchen in der geheizten Winterkirche, wo auf Kinder mit kreativen Ambitionen auch Knete und Beispielfiguren warten.
Renata Schubert vom Gemeindekirchenrat, über deren Telefon die Anmeldung von Gruppen läuft, hat bereits vor Ausstellungsbeginn Ankündigungen von Kindern des Esta e.V. Görlitz, des Zittauer Geschichts- und Heimatvereins und der Ortschronisten des Kreises Görlitz zu verzeichnen.

Die  Ausstellung „Ecce homo“ ist bis zum 29. April 2018 zu sehen.
Adresse: St. Ursula Kirche, Kirchweg 9, 02829 Markersdorf (OT Friedersdorf).

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag jeweils 14 bis 17 Uhr.
Darüber hinaus am Mittwoch und am Freitag nach Vereinbarung.
Kontakt:
T: 035829-60707, Frau Renata Schubert;
T: 035829 60694, Herr Siegfried Rohne;
e-Mail: kirchbauverein-stu@gmx.de.