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Nachlese: Friederike Gräfin Reden in Buchwald als evangelische Christin

Aus: Schlesischer Gottesfreund. 1989. Heft 4.

Mit dem Tod des Staatsminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden im Jahre 1851 – siehe unsere März/ April Nummer begann für seine Witwe Friederike geb. Freiin von Riedesel zu Eisenbach ein neuer Lebensabschnitt. Nur schwer fand sie sich mit der Trennung von ihrem Mann ab. Nur aus Pflicht wollte sie leben und Buchwald, das sie erbte, als das Vermächtnis des „herrlichen Mannes“ an sie in seinem Sinne erhalten, bis sie ewig mit ihn vereinigt würde; dem bringe sie jeden Tag näher. Ihr Schicksal nannte sie den Kelch, den Gott ihr mit seinem unmittelbaren Beistand zu leeren reiche. Die ihrem Stande gemäße Lebensart behielte sie jedoch bei. Als Gutherrin der beiden Gutsdörfer Buchwald und Quirl hatte sie ihren Amtmann, dem sie voll vertraute. Sie hielt sich einen Koch und reichlich Personal, von den sie sich „Excellenz“ anreden ließ. Den Nachwuchs zog sie sich aus der Jugend ihrer Dörfer heraus. Die, Pepins´ lernten das Verrichten schriftlicher Arbeiten und Rechnungswesen, aber auch Gärtnern, die, Pepinen´ Hauswirtschaft und Schneidern, auch um später gute Hausfrauen sein zu können. Von ihrem Mann hat sie die Vorliebe für Isabellen, gelbfarbene Pferde mit weißen Mähen und Schweifen, übernommen. Gelegentlich fuhr sie vierspännig. Elisabeth Fry, die aus dem Quäkern hervorgegangene Wohltäterin der Gefangenen in England, stelle bei ihrem Besuch in Buchwald fest: „Sie kleidet sie ganz standesgemäß, aber in nichts übertrieben“. Daran hatte sich also auch nach ihrer inneren Wandlung nichts geändert.

Zunächst hatte die Gräfin Reden abgeschieden von der Welt, nur nicht von ihrer Schwester, gelebt. Eine von ihnen, die unverheiratete Caroline, lebte stets mir ihr zusammen und überlebte die Gräfin um viele Jahre. Caroline sei der Innenminister und sie der Außenminister. Das hielt die Gräfin aber nicht ab, sich auch selbst um die Hauswirtschaft, z.B. Wurstmachen, Verwertung des Gemüse und Obstes, den Küchen- und Kräutergarten und Versuche der Saatzucht zu kümmern.

Die schon erwähnte innere Wandlung wurde stark beeinflusst durch das, was sie bei einem Besuch ihrer Verwandten Reuß j. L. in Jänkendorf bei Niesky in der Oberlausitz kennenlernte: noch mehr als bei den Stonsdorfer Reuß eine von Herrnhut geprägte Frömmigkeit. Diese machte sie sich nun zunehmend selbst zu eigen. Das nur Humanitäre und ein konventionelles Christentum trat mehr und mehr zurück. Gläubig zu sein wurde ihr wichtig. 1821 nahm die Gräfin Reden an der Feier der Gründung vor hundert Jahren in Herrnhut teil und nahm sich der verwaisten Söhne des Bruder-Bischofs Reichel an. In Jänkendorf lernte sie die tägliche Abendandacht im Haus kennen und übernahm sie für Buchwald; der damalige Pastor zeigte sie deswegen beim Superintendenten an. Am Abendgebet nahm das Personal teil, und fast immer wohl auch, wer als auch in Buchwald weilte. Verreiste die Gräfin, so suchte sie für die Zeit ihrer Abwesenheit schon die Lieder aus.

Die Buchwalder Bildergesellschaft war der Gräfin Reden das ebenfalls bis zum Lebensende von ihr gewahrte Vermächtnis ihres Mannes an sie. Wie verhältnismäßig früh die Gründung 1815 lag, ist daran ersichtlich, dass die Britische und Ausländische, die erst überhaupt, 1804, die Württembergische Bibelanstalt 1812 und die Preußische Hauptbibelgesellschaft 1814 gegründet worden war. Der Anreger dabei war der Sekretär der Britischen und Ausländischen, der Rev. R. Pinkerton, der auch in Buchwald Gast war und mir der Gräfin brieflich verbunden blieb. Sorgfältig bereitete diese die Jahresversammlung vor und legte die Rechnung. 1829 konnte sie 53 Personen dabei begrüßen und bewirten; zum 25. Jahresfest waren von 405 Mitglieder in 220 Gemeinde 100 erschienen. Freute sich die Gräfin anfangs schon darüber, Bibeln verteilen zu können, so wurde es ihr später immer wichtiger, dass die Bibeln in die Herzen und nicht nur in die Hände gelegt wurden.

Über die bloße Verteilung von verbilligt oder umsonst abgegebenen Bibeln und Neuen Testamenten der Hauptbibelgesellschaft ging hinaus, dass die Gräfin die „Hirschberger Bibel“ einer Wiederauflage zuführte. Diese war im Jahrhundert davor herausgekommen. Der Pastor Ehrenfried Liebich im Buchwald benachbarten Kirchdorf Lomnitz hatte die Luther-Übersetzung darin mit Erklärung versehen und bei Krahn in Hirschberg drucken lassen. Doch diese Bibel war längst vergriffen und vergessen, als Gräfin Reden auf sie aufmerksam wurde. Nun schien sie ihr geeignet zu sein, der verbreiteten „Schullehrerbibel“ des Sachsen Gustav Friedrich Dinter entgegenwirken können. In der wurde nämlich die biblischen Geschichten so erklärt, dass der Verstand an ihnen keinen Anstoß nehmen sollte. Seit 1833 beschäftigte der Plan der Gräfin. Aber erst 1841, als sie König Friedrich Wilhelm IV. für den Gedanken gewonnen hatte, er auch bereit war, den Neudruck mir einer zinslosen Anleihe von 2000 Reichsthalern zu unterstützen, konnte mit dem Drucker Krahn der Vertrag geschlossen werden und den Druck 1942 beginnen. Zwei Jahre später nahm die Gräfin die erst schöne gebundene Bibel in Empfang. 9500 Exemplare gingen an Schulen in der Altpreußischen Union, und 1849 kam eine 3. Auflage zustande.

Dies war freilich eine Waffe der Gräfin im Kampf gegen die auch von Dinter vertretene, Rationalismus genannte Richtung, die vom Christenglauben nur das festhalten wollte, was sich mit dem Verstand vereinbare lasse. Deren Einfluss, den die Gräfin auch im Hirschberger Kreise in Kirch und Schule feststellen musste, enthielt nach ihrer Meinung den Menschen das Beste vor. Pastoren, die dem zuneigten, nannte die nur „Vernunftschwätzer“. Dagegen wurde sie stark von Johann Evangelista Goßner angezogen. Dieser, fast gleichaltrig mit der Gräfin, war zunächst in Bayern rationalistisch gesinnter katholischer Priester gewesen. In der vom späteren Regensburger Bischof Sailerbegonnenen katholischen Erweckungsbewegung war Goßner zum lebendigen Christenglauben gekommen, war dadurch mit seiner Kirche zufallen und lebte ohne Amt, war aber noch nicht zur evangelischen Kirche übergetreten, als die Gräfin ihn erstmals bei den Verwandten Reuß in Stonsdorf begegnete. Sie lud ihn sofort nach Buchwald ein, und diesem Besuch folgten noch viele andere. Goßners Briefe aus Berlin, wo er dann eine Pfarrstelle hatte, waren ihr in Zeiten, als sie Schmerzliches durchzumachen hatte, nächst der Bibel wohl der hilfreichste Zuspruch. Besonders lag der Gräfin daran, von Goßner zu lernen, wie man des Herrn Willen im Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch erkennt.

Der Gräfin Reden war wichtig, dass in der Pfarrstelle nur gläubige Personen einrückten. Wo der König das Besetzungsrecht hatte, bei den neuerrichteten in Erdmannsdorf und der Kirche Wang, erreichte sie die ihrem Wunsch entsprechende Ernennung. Das im Gebirgswinter kaum zu erreichende junge Pastorenehepaar dort versah sie vorher mit Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang wäre von der Mitwirkung der Gräfin Reden bei der Ansiedlung der Zillerthaler zu berichten, die zur Einrichtung der Pfarrstelle in Endmannsdorf führte, wie auch von der beider Erbauung der Kirche Wang. In der Tat kam der Gräfin bei der Ansiedlung eine Schlüsselstellung zu. Die Tiroler nannten sie nicht ohne Grund „die Muetter“. Aber darüber ist an anderer Stelle schon viel geschrieben worden. Fedor Sommer hat es ein Roman „Die Zillerthaler“ gestaltet. Manchen Freunde, aber manche Enttäuschung erlebte die Gräfin in dieser Angelegenheit, die durchaus nicht nur Erheblich war. Einen Gewinn sah sie darin, dass die dadurch an Menschenkenntnis gewonnen habe. Einzelheiten würden den Rahmen dieses Absatzes überschreiten. Auch darauf, wieso durch ihren Einfluss auf König Friedrich Wilhelm IV. die in Norwegen abgebrochene Kirche Wang gerade nach Brückenberg im Riesengebirge kam, braucht hier nicht eingegangen zu werden.

Gern hätte Gräfin Reden den Pastor Feldner im Schreiberhauer Pfarramt gehalten. Auch ihr war es etwas zu eifrig, war aber ihrer Meinung nach einer der damals nur wenigen im Hirschberger Tale, die das Evangelium mit Kraft predigten. Er hatte den wohlhabenden, aber unkirchlichen Teil seiner Gemeinde gegen sich, weil er entschiedenes Christentum mit Eintreten für die Armen verband. So begann er 1836 damit, ein Rettungshaus für verwahrlose Kinder zu schaffen. Ein Verfahren gegen ihn und seine zeitweilige Absetzung durch das Breslauer Konsistorium hielt sie nicht für begründet und machte ihren Einfluss auf König Friedrich Wilhelm IV. dahin geltend, dass dieser selbst mit Feldner sprach. Doch auch das half nicht. Der Ausweg wurde dadurch gefunden, dass Feldner Strafanstaltspastor war in Jauer wurde. In das Schreiberhauer Pfarramt wählte der katholische Patron, Graf Schaffgotsch in Warmbrunn, dem Wunsche der Schreiberhauer Mehrheit entsprechend, einen Rationalisten. Da sah die Gräfin die Gefahr, dass sich der gläubige Teil der Gemeinde abspaltete. Das aber wünschte die Gräfin nicht.

Das Verhältnis der Gräfin Reden zum römischen Katholizismus ihrer Zeit ist in der ersten Linie von dem Wunsch bestimmt, das Evangelium möge zur Geltung kommen. Dass sich Oberschlesien, vermutlich Katholiken, um Neue Testament rissen, freute sie. In ihren Sinne wäre ein Katholizismus, wie ihn Sailer vertrat, gewesen; sie hatte ihn in Karlsbad getroffen und erhielt Briefe von ihm. Aber das Schicksal des Fürstbischofs Graf Sednitzky zeigte ihr, dass Sailers Katholizismus doch nicht der allgemeine war. So begrüßt sie es, als 1845 nach fast 50 Jahren wieder einmal ein Evangelischer, noch dazu ein gläubiger, ihr Verwandter Graf Stolberg in Jannowitz, Landrat des Hirschberger Kreises wurde. Auch unterstütz sie auf mancherlei Weise eine evangelische Gemeinde in katholische Umgebung, in böhmischen Hermannsseiffen; durch Goßner war sie mit ihr in Verbindung gekommen.

Ihren gesellschaftlichen Verkehr mit dem katholischen Adel des Hirschberger Tales, den Matuschkas in Arnsdorf und Schaffgotschs in Warmbrunn, beeinträchtigte das alles nicht.

Mit brennendem Interesse verfolgte die Gräfin die deutsch- oder christkatholische Bewegung, die von dem dienstenthobenen Kaplan Ronge ausgelöst wurde. Sie sah darin eine innerkatholische Auseinandersetzung – die sie nur zum Teil war – und setzte zunächst eigene Hoffnungen darauf. Aber bald merkte sie , dass Ronge zwar weg vom Papst, aber nicht hin zum Christentum führen wollte, und dass die Bewegung nicht aus dem Glauben, sondern aus dem Unglauben entstand. Daher sagte sie den baldigen Zerfall voraus. Das Gute war ihr, dass der Rationalismus ihr nicht mehr als eine Besonderheit in der evangelische Kirche hingestellt werden konnte. Etwas anderes beurteile sie mir Goßner die Schneidemühler Richtung des Deutschkatholizismus. In der meinte sie den uralten katholischen Glauben wiederzuerkennen. Dass der Staat aber den deutschkatholischen Gemeinden mehr Freiheitsrechte einräumte als vorher den Altlutheranern, hielt die für ungerecht. Die vierziger Jahre waren wie vielerorts auch in Hirschberger Tal eine Zeit großen sozialen Gärens. Hier war eine wesentliche Ursache der Niedergang des Spinnens und Webens in den Häusern, Folge der billigeren Arbeit der Maschinen. Nun entstand in Schmiedeberg eine Weiß-Kattun-Fabrik mit 80 Arbeitsplätzen. Der Präsident der Preußischen Staatsbank „Seehandlung“, Minister Rother, ließ im Erdmannsdorf eine Flachs vereinbarte Industrie entstehen und nahm persönlich an deren Gedeihen. Das alles begrüßte die Gräfin Reden. Aber es genügte nicht, um die Verelendung der Spinner und Weber, die noch in ihren Dörfern zu Hause arbeiteten, aufzuhalten. Die Preise für Flachs stiegen und die für Garn sanken; auch war dieses nur noch schwer abzusetzen. Beidem suchte die Gräfin dadurch entgegenzuwirken, dass sie einerseits Flachs in großen Mengen bezog und unter Selbstkostenpreis an die Spinner weitergab, andererseits ihre gesellschaftlichen Beziehungen dazu benutzt, die fertigen Produkte abzusetzen. So gründete sie einen Central-Hilfsverein mir Sitz in Berlin, der Lieferungen bis nach Bukarest vermittelte. Wo sie konnte, warb sie für Aufträge. Schon früher hatte einmal Gräfin Reden bewirkt, dass bei einem Besuch der Zarin im benachbarten Fischbach die russischen Gästen für 6000 Taler Leinen bezogen. Als einmal 200 blau Blusen für Arbeiter bestellt wurden, schnitt die Gräfin diese selbst mit zu. Mit allem solchen Bemühen konnte sie zwar manche Not lindern, die Gesamtlage aber nicht ändern.

Wie die Verhältnisse waren, geht’s daraus hervor, dass 1838 eine Familie mit Spinnen etwa 3 Silbergroschen am Tag verdiente, ein Brot aber allein schon 2 Sgr. kostete. So übernahm die Gräfin in schlechten Jahren ein Dritten des Brotpreises und gab am bedürftige Einwohner ihrer Dörfer Mehl und Kartoffeln billig ab. Für letztere nahm sie 9 Pf, als sie beim Händler 14-15 Pf kosteten. Von der Suppen-Ausgabe kam sie später ab. „Das ganz gratis geben setzt die Menschen herunter – es werden eine Art Bettler daraus, das Bezahlen dessen. Was man braucht, hebt sie dagegen und vor allen Dingen wird der Fleiß belebt, der vor so viel Bösem schützt. „Der Gegenwert für Holz, das sie in strengen Wintern aus ihrem Forst abgab, konnte im Sommer gearbeitet werden. Als in der Zeit des Werberaufstandes im Eulengebirge der König 1 Million Taler für Notstände in Preußen anwies, wusste sie besser als die Dorfschulzen in Buchwald und Quirl, wer schon bekommen hatte und wer noch nicht. Durch ihre Besuch in den Häusern ihrer Arbeiter, der Kranken und Notleidenden war sie über die jeweilige Lage gut unterrichtet. Einem Waldarbeiter war die Frau gestorben, die Kuh eingegangen; die Kinder ginge in Lumpen. Da überraschte die Gräfin ihn bei der Rückkehr von der Arbeit damit, dass er die Kinder neu eingekleidet und im Stall eine Kuh aus den gräflichen Beständen vorfand. Dass sie in Ihren Dörfern eine „Pflege“ und ein Armenhaus einrichtete und sich bis in Einzelheiten mir deren wirtschaftlicher Grundlage befasste, sah sie ein Teil ihrer Gutsherrlichen Pflichten an. Das gleiche gilt für die wiederholte Speisung der Schulkinder.

Dennoch war das Zusammenleben der Gräfin Reden mit den Bewohnern der Gutsdörfer nicht ohne Konflikte. Grund dafür war die Abgaben, die als Ablösung ehemaliger Dienstverpflichtungen der Gutsherrschaft zu leisten waren, daher auch Dienstzinsen genannt wurden. Man empfand sie als ungerecht. Der Gräfin war bewusst, dass sie für viele auch drückend waren und erließ nach eigenem Ermessen. Aber sie war nicht bereit, grundsätzlich darauf zu verzichten. Sie meinte, sie brauchte die Einnahmen, um nicht „sich krumm legen“ zu müssen. Es kann zu Prozessen, die sie in mehreren Instanzen gewann, und zur Verhaftung der Rädelsführer. Als dann 1841 der Haupträdelsführer, der Buchwalder Müller, abbrannte, half sie ihm und „sammelte feurige Kohlen auf sein Haupt“. Viele Gutuntertanen erbaten in diesem Jahr die Verzeihung der Gräfin für ihren Widerstand.

Um die Dienstzinsen ging es auch bei den Ereignissen im März des Revolutionsjahres 1848. Es gibt den tatsächlichen Verlauf verkürzt wieder, wenn bei der Kirche Wang zu lesen ist: „74 Jahre alt, musste sie eine Zeitlang von denen fliehen, die ihr für leidliche und geistliche Wohltat viel verpflichtet waren.“ Ein zusammengelaufener Haufen, darunter proletarisierte Spinner und Weber, plünderte im Schmiedeberg und wollte dann nach Buchwald. Landrat und Amtmann rieten zum Fortgehen, die Dörfer waren für ihr Bleiben. Sie wollten die Gräfin mit ihren Gut und Blut verteidigen. Gegenleistung sollte der Verzicht auf die Dienstzinsen sein. Als aber hieß „Sie kommen!“, bestieg sie doch den angespannt stehenden Wagen und begab sich zu ihren Verwandten nach Stonsdorf. Hier sagte sie den Verzieht zu, weil er allenthalben geleistet wurde und auch der Landrat dazu riet. Um die Verwandten nicht zu gefährden, reiste sie weiter nach Jänkendorf und kehrte erst im Juli nach Buchwald zurück. Dass ihre früheren Untertanen sie zum nachgeben gedrängt hatten, empfand sie als Undank. Dass sie Rechte und Pflichten einer Gutsherrschaft als Folge der Revolution aufgeben musste, fiel ihr schwer. Es war nicht mehr „die alte, gediente Ordnung“.

Viele Träger bekannter Namen wie der Freiherr von Stein, aber auch andere weilten oft kürzere oder längere Zeit als Gäste im Buchwalder Schloss. Wenn der König bei seinem Bruder in Fischbach weilte, öfter mit seiner Tochter, der Zarin, und später, als der König von Gneisenaus Erben Erdmannsdorf gekauft hatte, gehörten Besuche zwischen Fischbach, Erdmannsdorf und Buchwald hin und her dazu. Nur durch strengste Zeiteinteilung konnte die Gräfin daran teilnehmen. Öfter quartierten sich Fürstlichkeiten selbst im Buchwald ein, so der Kronprinz und später König Friedrich Wilhelm IV., mit dem die Gräfin „vom Herzen zum Herzen“ sprechen konnte.

In Frühsommer 1831 wohnten die Kronprinzen von Preußen und Bayern und noch einige deutsche Prinzen auf einer Riesengebirgswanderung im Buchwalder Schloss. Gerade damals traf die Nachricht vom Tode Steins ein und ein wenig später die, dass Gneisenau in Posen an der Cholera gestorben sei. Diese Aufregungen trugen wohl dazu bei, dass Gräfin Reden im Herbst dieses Jahres ernstlich erkrankte und seitdem nie wieder völlig gesund war. Ständig quälte sie nun Hautjucken. Im Alter von 73 Jahren stürzte sie an den Stufen des Altars in der Kirch Wang „wo der König gekniet hatte“ und brach sich den Handwurzelknochen, wovon sie eine dauernde Behinderung behielt. Zeitweilig war sie nun an den Rollstuhl gefesselt. Die letzten Jahre schlief sie nur noch auf einen zurückklappbaren Stuhl. Die Fürstin Reuß urteilt: „Was sie an Tagen, wo sie klagt, leistet, das übertrifft immer noch weit das durchschnittliche Tagewerk anderer, gesunder Menschen.“ Zwei Tage nach ihrem 80. Geburtstag entschlief Friederike Gräfin Reden und wurde an der Seite ihres Mannes in der Abtei im Buchwalder Park beigesetzt. Buchwald erbte ihre Nichte, Freifrau von Rotenhan geb. Freiin von Riedesel.

Rudolf Grieger

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