Gemeindepartnerschaft: Wir freuen uns auf viele gute Begegnungen!
Zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Schleife und der neu gegründeten Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Lauban wurde eine Partnerschaft vereinbart.
Aus: Schlesischer Gottesfreund - Nachrichten und Beiträge aus dem Evangelischen Schlesien. 57. Jahrgang - Februar 2006 - Nr. 2
Gemeindepartnerschaften haben wir alle noch in guter Erinnerung. Über Jahrzehnte hinweg haben sie Gemeindearbeit im Osten und Westen begleitet und geprägt. Da entstanden nicht nur Beziehungen von Pfarrer zu Pfarrer, Gemeindemitglied zu Gemeindemitglied sondern auch ganz persönliche Freundschaften zwischen Menschen, Freundschaften, die die Trennung Deutschlands schon lange vor dem Mauerfall zu überwinden halfen, Freundschaften, die auch heute noch bestehen und tragfähig sind. Die Entwicklung in den Landeskirchen sah da leider etwas anders aus. Viele Partnerschaften haben die politische Wende in der ehemaligen DDR und die Wiedervereinigung Deutschlands nur kurzzeitig überlebt.
Um so erfreulicher ist es, heute über eine neu entstehende Gemeindepartnerschaft berichten zu können, die mit der Ratifizierung einer entsprechenden Vereinbarung am 12.01.2006 ganz unspektakulär ihren Anfang nahm.
Da wäre zunächst die 2500 Gemeindeglieder zählende Kirchengemeinde Schleife, im Norden des Sprengels Görlitz, eines der Zentren der evangelischen Sorben. In der Ortschaft Schleife ist noch immer die Anlage eines slawischen Rundlings zu erkennen in dessen Mitte sich das frühgotische Gotteshaus erhebt. Etwa ein Drittel der Bewohner des Kirchspiels sind Sorben, deren Vorfahren bereits seit dem 5. Jahrhundert hier siedelten. Beachtenswert ist, daß sich hier in besonderer Weise eigene Bräuche und Trachten erhalten haben, die im gesamten sorbischen Siedlungsgebiet ihresgleichen suchen. Und, auch das verdient Aufmerksamkeit, die Trachten gehören heute noch zum Alltag und werden nicht nur an besonderen Tagen aus dem Schrank geholt.
Bei den immer noch geübten Bräuchen ist das Zampern, ein traditioneller Karnevalsbrauch, der das Austreiben des Winters bildlich darstellt, gewiß der berühmteste. Auch das kunstvolle Verzieren von Ostereiern mit der einzigartigen Wachstechnik ist mittlerweile weit über die Grenzen seiner Entstehungsregion hinaus bekannt.
Vor einiger Zeit nun entstand die Idee im geräumigen Schleifer Pfarrhaus das Dachgeschoß auszubauen und einen Ausstellungsraum zu schaffen. Hier soll künftig die Geschichte der evangelischen Sorben dargestellt werden. Ein Förderprogramm zur Unterstützung dieses Vorhabens war bald gefunden und verbunden damit die Idee, mit einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im polnischen Teil Niederschlesiens eine Gemeindepartnerschaft einzugehen.
Die Suche nach einem entsprechenden Partner erfuhr bereitwillige Unterstützung durch Ryszard Bogusz, Bischof der Diözese Breslau in der Evangelischen Kirche Augsburgischer Konfession in Polen. Der verwies nämlich auf das 38 Kilometer östlich von Görlitz gelegene Lauban. Hier gibt es seit kurzem wieder eine evangelisch-lutherische Pfarrstelle. Der neue Pfarrer, Cesary Królewicz berichtete, daß der Plan dazu bereits seit längerer Zeit bestand. Mit dem Kauf eines Hauses in unmittelbarer Nachbarschaft der evangelischen Frauenkirche war der erste Schritt getan. Das Gebäude, zum Zeitpunkt des Kaufs eher eine Ruine, ist das vormaliges Kutscherhaus einer respektablen Villa. Nach zahlreichen Reparatur- und Renovierungsarbeiten konnte am 1. November 2005 der Einzug stattfinden. Freilich ist noch der größte Teil der Bauaufgaben unerledigt. Im Erdgeschoß entsteht zur Zeit ein Gemeinderaum und ein beachtliches Stück Garten harrt seiner Urbarmachung um Platz für künftige Gemeindefeste zu gewinnen.
Gleichzeitig sind noch zahlreiche verwaltungstechnische Hürden zu nehmen. Unter anderem muß das erworbene Immobilieneigentum der Kirchengemeinde übertragen werden und die Wahl eines Kirchenvorstandes ist in Vorbereitung.
An erster Stelle steht aber natürlich die Gemeindearbeit und die ist vor allem mit langen und weiten Wegen verbunden. Die neue Pfarrgemeinde umfasst die Landkreise Lauban, Bunzlau, Görlitz und Reichenau. Insgesamt 120 Gemeindeglieder leben im Pfarrbezirk. Das hört sich zunächst wenig an, aber es handelt sich um eine stetig wachsende Gemeinde und das gibt Hoffnung für die Zukunft. Die Gemeinde in Lauban selbst zählt 50 deutschsprachige Mitglieder.
Am 21. Mai 2006 soll dann aber alles geregelt sein, denn das ist der große Tag an dem mit zahlreichen Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kirche die Pfarrgemeinde offiziell ihre Arbeit aufnimmt.
Die eingangs erwähnte Unterzeichnung des Vertrages zwischen den beiden eben vorgestellten Gemeinden fand in Lauban statt. Im Arbeitszimmer, übrigens dem einzigen vollständig eingerichteten Raum im neuen Pfarrhaus saßen Pfarrer Cesary Królewicz, Pfarrer Huth und der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates aus Schleife, sowie der Görlitzer Superintendent von Campenhausen, beieinander um Einzelheiten der geplanten Partnerschaft zu erörtern.
Vieles ist möglich und vieles wird geschehen. Am Anfang stehen erst einmal Reisen. Es gilt ja neue Bekanntschaften zu schließen, miteinander ins Gespräch zu kommen und den anderen kennen zu lernen. Kindergruppen aus Lauban werden Schleife besuchen und die Laubaner dürfen sich auf den Gegenbesuch freuen. Das gilt natürlich auch für andere Gemeindekreise und nicht zu vergessen, die Posaunenchöre.
Manches wird sich ergeben, manches vielleicht auch nicht so eintreten wie gehofft und es werden viele gute Überraschungen zu erleben sein. Wir dürfen also gespannt sein.
Andreas Neumann-Nochten
